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„Umziehen?? UMZIEHEN?! Wir? Aber, aber...“
„Ach Schätzchen es tut mir leid dass du jetzt von deinen Freunden weg musst, in eine fremde Stadt, auf eine neue Schule. Aber dein Vater wurde nun mal befördert und nach Stuttgart versetzt!“
„Pah! Stuttgart! Ich will in keine Großstadt ziehen! Da rennen bestimmt nur so aufgetakelte Tussen rum! Ich will hier in Loitsche bleiben!“
„Aber Kate! Ich dachte immer du würdest viel lieber in einer Stadt wohnen und nicht in so einem kleinen Dorf wie Loitsche. Außerdem kann ich dich beruhigen. Wir ziehen nicht direkt nach Stuttgart sondern nach Gerlingen. Wenn du es so haben willst, dass ist auch ein Dorf. Nicht so klein wie Loitsche aber ein Dorf.“
„Hmpf! Lass mich doch in ruhe!“ tolle Nachrichten hatte meine Mutter da! Wütend stehe ich auf, renne hoch in mein Zimmer und schmeiß mich aufs Bett. Langsam kann ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Sie fließen in warmen Strömen meine Wangen hinunter und tropfen auf mein Kissen. Warum? Das frage ich mich immer wieder. Ich will hier bleiben! Bei meinen Freunden! Bei Tom und Bill! ...
Tom und Bill. Meine besten Freunde. Ich kenne sie schon seit... ähm.. ach egal weiß ich nicht mehr. Auf jeden Fall schon ewig! Wir haben so viel Mist zusammen gemacht! Ich muss grinsen als ich an die Zeit als wir noch klein waren zurückdenke. Ich glaube wir drei hatten mehr zeit mit Nachsitzen und Strafarbeiten machen verbracht als der Rest unserer Schule zusammen! Langsam setze ich mich auf.
„Ich muss es ihnen sagen! Am Besten gleich dann können wir die nächsten 10 Wochen richtig ausnutzen bevor ich weg muss!“ Ähm zu wem hatte ich das jetzt wieder gesagt? Fang ich langsam an Selbstgespräche zu führen? Ich muss noch mehr grinsen und stehe auf. Ich erschrecke richtig als ich auf meinen Wecker sehe. Bitte was? Schon 15 Uhr? Hatte ich so viel Zeit damit verbracht, über Bill, Tom und mich nachzudenken? Ach auch egal!
Ich mache mein Fenster auf, hüpfe auf die Garage und von dieser wiederum auf die Straße. Mit schweren gehe ich in Richtung „Villa Kaulitz“ .Wie werden die zwei die schlechte Nachricht wohl aufnehmen?


Kapitel 1

„Na Kate, dass is ja mal ne Überraschung! Lange nicht mehr gesehen meine kleine!“
Tom stand grinsend in der offenen Haustür. Pah! Von wegen lang nicht mehr gesehen! Aber na ja für die hibbeligen Twins können 10 Minuten schon die Ewigkeit sein. Geschweige denn ganze 3 Stunden. Bei dem Gedanken muss ich lächeln. Ich werde die zwei wohl am meisten vermissen. Das erinnert mich an den Grund, aus dem ich überhaupt gekommen bin und meine Gesichtszüge werden wieder ernst. „ Du Tom, ich muss dir und Bill was ganz wichtiges sagen!“„Prüfend sieht Tom mir in die Augen und versucht aus meinem Blick schlüssig zu werden.
„Na dann komm mal rein Kleine. Bill is in seinem Zimmer. Oder war er zumindest vorhin noch aber bei dem kann man ja nie wissen! Komm wir gehen hoch.“
Bei jeder Stufe werde ich trauriger. Ich muss immer daran denken, dass in 10 Wochen nichts mehr so sein wird wie früher.
In Bills Zimmer angekommen lass ich mich sofort aufs Bett fallen. Wieder muss ich mit den Tränen kämpfen. Wie oft haben wir hier zusammen gesessen und uns einen Horrorfilm oder vielleicht auch mal eine Komödie angesehen?! Die Jungs bemerken meinen Blick und setzen sich neben mich, jeder einen arm um meine Schulter gelegt.
„Sag schon was los ist Kate! Wenn ich dich so traurig sehe werd ich immer selber ganz depri! Ist was passiert? Hat dich jemand geschlagen? Den mach ich fertig!“
Beim Klang von Bills sanfter Stimme breche ich erneut in Tränen aus. Er ist wie ein großer Bruder für mich genauso wie Tom. Ich kann mir ein Leben ohne die zwei gar nicht mehr vorstellen. „Ich... ich... ich...“ stottre ich nur. Ein weiterer Heulkrampf schüttelt mich. Tom streichelt mir sanft über den Rücken. „Beruhig dich erst mal und sag dann bitte endlich was los ist! Meine arme kleine Kate! Ich hasse es wenn du traurig bist!“ Normalerweise hasste ich es wenn Tom mich Kleine nannte. Nur weil ich ein Jahr jünger bin als die beiden aber dafür mit meinen 1.64 schon „ausgewachsen“ bin. Aber heute ist nicht normalerweise! Ich holte zweimal tief Luft um mich etwas zu sammeln.
„Ich ziehe in zehn Wochen nach Stuttgart verdammt!“ jetzt war es raus.
„Scheiße, scheiße...“murmelt Tom die ganze Zeit. Bill hält mich nur still in den Armen. Die beiden sind total geschockt.
„Aber du kannst doch nicht... das geht doch nicht... du darfst doch nicht!...“fängt Bill leise an.
„Doch ich muss! Mein Vater hat da jetzt eine neue Stelle! Aber ich will nicht weg aus Loitsche! Ich will hier bleiben! Hier bei euch!“
Stille....
„Na aber wenigsten weiß ich was wir in der nächsten zeit machen werden!“ das war Tom. „ Wir machen daraus die zehn besten Wochen deines Lebens!“ ach ja Tom. Ich könnte ihn manchmal abknutschen...im platonischen Sinne natürlich! Ein Grinsen breitet sich auf meinem Gesicht aus „ Und was machen wir als erstes?“


Kapitel 2

Die nächsten Wochen rasten vorbei wie ein D-Zug. Ich verbrachte so viel Zeit wie möglich mit Bill, Tom und dem Rest von Tokio Hotel, also Georg und Gustav. Aber sie hatten sehr viel zu tun, musste von einem Interview zum nächsten. Ein Nachteil wenn man berühmt ist.
„Naja du kannst uns ja wenigstens jeden Tag im Fernsehn, Radio, Bravo und was weiß ich noch was überall sehn oder hörn“ tröstete mich Gustav immer wieder. Ja das war wenigstens ein winziger Lichtblick. Außerdem wusste ja an meiner neuen Schule niemand, dass ich die Jungs kannte. Ich freute mich schon auf das „OOOH Bill ist ja sooooo süß! Ich bin so verknallt in Tom!“ –Gerede . Zum schreien komisch finde ich das!
„ Da haben wir es echt schlechter! Wir können dich ja nicht überall sehn! Obwohl, wenn ich’s mir recht überlege, mit der Figur vielleicht ja doch...Nachts auf DSF!“
„ TOOOOOM!“ Das war mal wieder typisch! „Was denn? War doch als Kompliment gemeint! Im ernst jetzt! AAH nein nicht kitzeln!“ Zu spät. Ich hatte mich auf Tom gestürzt und kitzelte ihn jetzt ordentlich durch *g* . Bill, Gustav und Georg halfen fleißig mit. Diese Gelegenheit ließen sie sich natürlich nicht entgehen.
„Ihr seid so fies! Vier gegen einen! So was von unfair!“ japste Tom. Nach fünf Minuten ließen wir dann endlich von ihm ab. Der „arme“ Junge brauchte tatsächlich zehn Minuten um sich zu beruhigen und wieder normal zu atmen.
Und ehe ich mich versah waren die zehn Wochen auch schon um. Zum heulen! So wie ich das verstanden habe war jetzt die letzte Ferienwoche in Baden- Württemberg angebrochen. Ich kam also passend zum neuen Schuljahr nach Gerlingen. Herzlichen Dank! An meinem letzten Abend in Loitsche schmissen die Jungs eine Abschiedsparty für mich im ausgewählten Kreise. Wir feierten im Proberaum der Jungs. Dieser war in einem alten Fabrikgebäude und so hatten wir massig Platz und störten niemand, wenn die Musik mal etwas lauter wurde.
Gegen Ende ( es war schon fast 4 Uhr!)ging Bill zum Mikro und alle verstummten. „Ihr wisst ja alle warum wir heute hier sind. Morgen... ähm nein... Heute zieht unsere kleine, süße, schnuckelige...“ Bitte was? Hatte der grade echt schnuckelige gesagt?? Ich spürte förmlich wie ich rot wurde „...eigentlich unbeschreibliche Kate nach Stuttgart. Ich denke ich spreche hier für alle wenn ich sage: Kate wir werden dich vermissen! Aber zum Glück leben wir im 21. Jahrhundert und es gibt Handys, Internet, FERNSEHEN“ Ich musste grinsen und auch um mich herum lachten einige, da sie die Anspielung sehr gut verstanden „ Und ich schwör hiermit, dass wir dich bei jedem Interview grüßen werden!“ „Das haben jetzt hier alle gehört! Also wehe wenn ihr mich nicht grüßt!“ ich musste wieder lachen. Bill lächelte mir zu und fuhr dann fort „ Und wir haben das schon mit David geklärt. Er ist damit einverstanden. Aber wir hätten es auch so gemacht! Außerdem darfst du zu jedem unserer Konzerte kommen, egal wo es ist, natürlich kostenlos als unser V.I.P.! Und wehe du kommst und besuchst uns nachher nicht!“ „ Jetzt mach aber mal hinne Bill und komm endlich zur Sache!“ das war Tom. Erst jetzt bemerkte ich und nach den Blicken zu urteilen die andren, dass Tom und Georg sich ihre Gitarren umgehängt und Gustav sich an sein Schlagzeug gesetzt hatte . Bill hatte uns wirklich gut abgelenkt, er war ein super Redner. Besagter räusperte sich kurz und fing dann wieder an „Ja...also wir haben extra und nur für dich einen neuen Song geschrieben! Also wenn du ihn später mal im Radio oder auf einer Cd hörst: Der ist ganz allein für DICH gedacht!“ und dann fingen sie an zu spielen. Ich war zu tiefst gerührt. Das war echt hammer geil von meinen Jungs! Lächelnd stand ich da und Freudentränen liefen mir die Wangen hinunter.

Ich bin nicht ich wenn du nich bei mir bist
bin ich allein
Und das was jetzt noch von mir übrig ist
Will ich nicht sein
Draußen hängt der Himmel schief
Und an der Wand dein Abschiedsbrief Ich
bin nicht ich wenn du nicht bei mir bist
will ich nicht mehr sein


Diese Zeilen werde ich mein Leben lang nicht vergessen selbst wenn ich ewig lebe! Nach dem Song rannte ich zu den Jungs und umarmte sie. Erst einzeln und dann alle zusammen. Damit war die Party zuende. Bill und Tom kamen noch mit zu mir. Gustav und Georg mussten nach Hause aber sie würden morgen noch mal bei mir vorbeischauen um sich zu verabschieden.
So hatten wir drei die ganze Nacht, oder dass was noch davon übrig war für uns. Bei mir daheim pflanzten wir uns erst mal auf mein Bett und schauten...na was wohl? Einen Horrorfilm. Creep. Einfach gut der Film. Und danach redeten wir. Wir redeten ohne Unterbrechung. Über alles mögliche. Aber hauptsächlich über unsere Freundschaft. Über all die Geschichten die wir schon zusammen erlebt hatten. Es war einfach ein wunderschöner letzter Tag/ Abend/ Nacht. Ich genoss jede Minute, jede Sekunde mit den Zwillingen. Solche Freunde findet man nicht überall. Ich war überglücklich dass ich sie hatte und das sagte ich ihnen auch. „ Kate du bist auch die aller, aller, aller beste Freundin die man sich vorstellen kann!“ kam es von Bill und Tom gleichzeitig. Ich wurde rot. Ich hasste das an mir. Immer wurde ich rot, bei allem, beim Vortrag in der Schule, wenn mir jemand Komplimente machte. „ Ich liebe es wenn du rot wirst!“ das war Tom. Und ich wurde noch röter falls das überhaupt noch ging. „Glaubst du wir schaffen noch mehr?“ fragte Bill seine Bruder und betrachtete mein Gesicht sehr genau. „ Na auf jeden Fall Bruderherz. Kate du bist das süßeste Mädchen dass uns je begegnet ist!“ „Ihr seid so fies!“ ich hielt mir ein Kissen vor mein Gesicht. „Wie kann man nur so gemein sein? Jetzt mag ich euch nicht mehr!“ „Scheiße Tom was ham wir jetzt wieder angestellt? Das werde ich mir mein Leben lang nicht verzeihen können!“ „Ich glaube ich muss sterben wenn sie uns nicht mehr mag!“ „Hey Jungs des war doch nicht so gemeint! Ich hab euch doch echt ganz arg doll lieb!“ „ Ja ja jetzt wieder einschleimen! Aber wir glauben ihr nicht oder Tom? Wir bleiben hart.“ Mhm okay da muss ich wohl zu härteren Mitteln greifen! Gedacht, getan! Ich gab Bill einen Kuss auf die Backe. „ Hey und was is mit mir? Ich fühl mich ausgeschlossen.“ „Och mein armer kleiner Tom! Bekommst auch ein Küsschen von der kleinen Kate!“ Also beugte ich mich auch zu Tom und gab ihm einen dicken Kuss. „So Jungs. Ich möchte wenigstens noch 2 Stunden schlafen wenn’s euch recht is.“ „Is schon in Ordnung. Ich bin auch Hundemüde und Bill sieht auch nicht grade fit aus.“ Tom schenkte seinem Bruder ein fettes Grinsen. „Das is schön. Also dann gute Nacht Jungs! Schlaft gut“ „In deinem Bett doch immer! Nacht Kleine!“ kam es von den Zwillingen mal wieder gleichzeitig. Ich kuschelte mich zwischen die zwei und schlief mit einem Lächeln auf den Lippen ein.


Kapitel 3

Nach einer halben Ewigkeit (zumindest kam es mir so vor) kamen wir endlich an. Das war also Gerlingen... Und unser neues Haus. Naja sah ja gar nicht mal so schlecht aus. Deutlich größer als unser altes. Eigentlich war es ja schon fast eine Villa. „Und gefällt es dir?“ fragte mich mein Vater. Ich überlegte. Nein hier würde es mir nie gefallen! „Ich fand unser altes Haus viel schöner! Sowieso war in Loitsche alles besser!“ Meine Mutter nahm mich in den Arm „Ach mein Schatz dir wird es hier noch gefallen. Du findest bestimmt schnell neue Freunde. Und zu deiner neuen Schule ist es auch nicht weit. Du kannst sogar laufen!“ „Wer sagt dass ich neue Freunde will?“ Schon wieder stiegen mir tränen in die Augen. Mann zur Zeit heulte ich aber echt oft! Aber ich hatte ja auch guten Grund dazu. „Ich will keine neuen Freunde. Ich will meine alten Freunde! Tom, Bill, Gustav, Georg und die ganzen andren. Mir wird es hier nie gefallen! Niemals!“ „Ich versteh dich ja aber du schaffst das schon! Du kannst die andren ja immer in den Ferien sehn! Und das gute ist dass die Ferien hier verschoben sind also könnt ihr euch noch öfter sehen. Und ich kann auch mal mit dir übers Wochenende nach Loitsche fahren. Dann kann ich Oma besuchen und du deine Freunde.“ Sie wischte mir die Tränen aus dem Gesicht „ Deine Jungs sind doch nicht aus der Welt. Und jetzt komm erst mal rein und schau dir dein neues Zimmer an. Es ist alles schon eingerichtet.“ Als ich mein neues „Zimmer“ betrat staunte ich nicht schlecht. Das war kein Zimmer sondern eine Halbe Wohnung. Ich hatte mein eigenes Bad mit großer Dusche und einer noch größeren Badewanne, ein etwas kleineres Zimmer in dem mein Bett und mein großer Kleiderschrank standen (damit war dass Zimmer schon ausgefüllt) und dann noch einen dritten Raum. Und der war wirklich riesig. Und ich musste zugeben er war Wunderschön. In einer Ecke stand ein brandneues, großes rotes Sofa und mein Fernseher, gegenüber mein Schreibtisch und ein sehr, sehr großes Bücherregal vollgestopft mit allen meinen Büchern. Ich hatte sogar einen Balkon. Erst jetzt bemerkte ich dass mir eigentlich dass ganze Dachgeschoss zugeteilt wurde. „Na das ist doch mal was“ Mein Vater hatte sich hinter mich gestellt und mir die Hände auf die Schultern gelegt. Ich drehte mich zu ihm um und lächelte. „Das ist wirklich schön! So kann ich es hier vielleicht sogar halbwegs aushalten.“ „Na dann geh mal auf den Balkon. Du hast wirkliche eine tolle sicht über Gerlingen.“ Also gingen wir gemeinsam nach draußen und ich staunte schon wieder. Die Aussicht war wirklich fantastisch. Gerade ging die Sonne unter und alles war in orange getaucht. Da unser Haus an einem Hang gebaut war sah man fast ganz Gerlingen. „ Siehst du, dass ist deine neue Schule. Und da drüben ist dass Schwimmbad.“ „Gibt’s hier denn auch ein Kino“ „Nein das leider nicht aber mit der Straßenbahn bist du ganz schnell und unkompliziert in Stuttgart! Ach ja es gibt Essen!“ Und weg war mein Vater. Ich blieb noch eine Weile auf meinem Balkon stehen und schaute der Sonne beim Untergehen zu. Na ja hier sah es gar nicht mal so übel aus. Aber schon jetzt nach nur wenigen Stunden vermisste ich Tom, Bill und die anderen. Bei dem Gedanken an sie wurde ich wieder traurig. Was ist wenn sie mich vergessen? Wenn sie schon bald einen „Ersatz“ für mich gefunden haben? Schnell verdrängte ich den Gedanken. Die Jungs werden mich nicht vergessen! „ Kate! Die Lasagne wird kalt!“ Mit schweren Schritten ging ich nach unten ins Esszimmer. Mensch in diesem Haus konnte man sich bestimmt schnell verlaufen! Ich hatte eigentlich überhaupt keinen Hunger aber meine Mutter schaute mich die ganze Zeit so besorgt an, dass ich mich schließlich doch dazu zwang wenigstens einen Teller zu essen. Danach stand ich auf und ging wieder zurück in mein Zimmer. Dort schmiss ich mich auf das Sofa. Und jetzt? Normalerweise wären die anderen jetzt hier oder ich bei ihnen. Ich wusste echt nicht was ich ohne sie machen sollte. Da fiel mir das Telefon ins Auge. „Mensch Kate warum bist du da noch nicht früher drauf gekommen? Einfach die Jungs anrufen! Du bist manchmal echt zu blöd.“ Ähm...Wie redete ich denn mit mir? Selbstgespräche führen und mich dann auch noch als blöd bezeichnen. Vielleicht sollte ich mal zum Arzt. Ich griff mir das Telefon und tippte schnell die Nummer ein.
„Bill Kaulitz“
„Hey! Ich bin’s. Hab euch so vermisst dass ich gleich mal angerufen hab!“
„Hi Kate! Wir haben schon auf deinen Anruf gewartet. Ich hol nur kurz Tom bin gleich wieder da!“
Ich hörte wie Bill davon ging. Wenig später kam er auch schon zurück. Mit Tom.
„Na meine Kleine! Is echt schön dass du anrufst. Wir dachten schon du hättest uns vergessen!“
„Hey also nur damit des klar is ICH hab nie daran gezweifelt, dass du uns noch anrufst!“
„Jaja Bruderherz, immer am einschleimen. Wie is es denn so in Gerlingen?“
Ach ja die zwei sind schon welche. Ich glaub ohne sie wär mein Leben nur halb so lustig.
„Naja also ich hab bis jetzt noch nicht so viel gesehen aber unser Haus ist traumhaft schön! Und ich hab ein ganzes Stockwerk nur für mich alleine. Eigenes Bad, eigenes Wohnzimmer, Schlafzimmer, eigener Balkon und eine wunderschöne Aussicht. Aber ich vermiss euch ganz doll! Mit euch wär alles noch viel schöner!“
„Hey da haben wir ja ne richtig gute Nachricht für dich.“
„Genau! In 3 Wochen haben wir nämlich ganze 2 Konzerte in Stuttgart!“
„Und wir würden uns natürlich echt freuen wenn du zu beiden kommen würdest!“
Hatte ich das grad richtig verstanden? Tokio Hotel kommt für zwei Konzerte nach Stuttgart! Ich stieß einen Freudenschrei aus und hüpfte aufgeregt durch mein Zimmer.
„Jungs dass ich ja hammer! Mensch ich freu mich ja jetzt schon riesig. Natürlich komm ich. Was habt ihr denn gedacht? Also ich muss dann mal Schluss machen. Ich ruf bestimmt morgen noch mal an. Versprochen! Macht’s gut ihr beiden!“
„Ciao Kleine! Und wehe du rufst nicht an!“
„Genau dann rufen wir an und dann gibt’s ärger! Bis morgen Kate!“
Na ein Glück dass ich sie angerufen hab! Nur noch drei Wochen bis ich die vier wieder sehe. „Mom!“ überglücklich rannte ich nach unten zu meinen Eltern. Diese saßen gerade auf dem Sofa und schauten sich einen Film an. Ich stellte mich zwischen sie und den Bildschirm. „Mom, Dad! In drei Wochen spielen Tokio Hotel in Stuttgart! Zwei mal! Ich darf doch hin oder? Tom, Bill, Gustav und Georg wären sonst bestimmt ganz arg traurig!“ „Na das ist wirklich eine gute Nachricht, mein Schatz! Natürlich darfst du hin? Was für eine Frage.“ Ich umarmte meine Eltern und gab beiden einen Kuss. „Danke! Ihr seid echt klasse!“ „Für seine Lieblingstochter tut ein Vater doch alles!“
Ich musste grinsen. Jaja ich und Lieblingstochter. Ich war ja auch seine einzige. Was für ne Logik.
Wieder in meinem Zimmer angekommen schmiss ich mich vor den Fernseher und zappte alle Musiksender durch. Na endlich da waren sie! Tokio Hotel mit durch den Monsun. Das war wirklich ein Vorteil ihrer Berühmtheit. Egal wo ich war, ich konnte sie überall sehen.
Mit dem Klang von Bills Stimme in den Ohren schlief ich schließlich ein. Was für ein anstrengender Tag!


Kapitel 4

Am nächsten morgen wurde ich vom piepsen meines Handys geweckt. „Welcher Arsch schickt mir Sonntag Morgens um halb 7 ne sms? Den kill ich! Was für ne Unverschämtheit! “ die Augen immer noch geschlossen schimpfte ich noch eine Weile vor mich hin. Dann entschied ich mich dazu doch nach zu sehn wer mich da geweckt hatte. Einmal wach konnte ich einfach nicht mehr einschlafen obwohl ich ja sonst der totale Langschläfer war. Ich schlug die Augen auf. Moment mal...Das ist doch gar nicht mein Zimmer. Hilfe wo bin ich denn??
Oh...Ach so...Ich bin ja gar nicht mehr in Loitsche. Das hatte ich ja fast vergessen. Wär ja auch zu schön. Jetzt musste ich nur noch mein Handy finden. Irgendwo zwischen den Kissen meines Sofas fand ich es schließlich. Die sms war von Tom:

Morgen kleine!
Wir sind grad im Zug und es ist so langweilig!
Die andren schlafen alle!
Obwohl...eigentlich müsstest du auch schlafen oder?
Na ja egal. Ruf später mal on okay?
Hdl Tom


„Wenn du nicht Tom Kaulitz wärst, wärst du jetzt schon lange tot! Aber ich glaub dich würde ich zu arg vermissen.“ Aber sauer war ich natürlich schon. Ein ganz kleines bisschen. Aber irgendwie war er ja wie ein Kleinkind auf das man nie wirklich sauer sein konnte. Der arme. Schnell schrieb ich ihm zurück.

Na vielen Dank! Dir auch nen schönen guten Morgen.
Du hast recht eigentlich müsste ich schlafen
aber ein gewisser Tom Kaulitz hat mich geweckt.
Weil ihm anscheinend langweilig war *g*
Klar ruf ich dich später an!
Wohin fahrt ihr denn?
Hdl Kate


Nach 2 Minuten kam auch schon eine sms zurück.. Der hatte sich aber beeilt *g* sogar mit Entschuldigung. Manchmal konnte der Jungen einen echt überraschen.

SORRY das tut mir leid!
Wollte dich echt nicht wecken!
Naja aber Bill is jetzt auch wach.
Hab ihn auch aufgeweckt *g*
Wir müssen nach Berlin. Interviews und so Zeugs.
Naja also ruf dann mal so um 3 an.
Da ham wir frei^^
Freu mich schon
Hdl Tom



Interviews...soso... Da wird sich ja zeigen ob sie ihr Versprechen halten! Aber der arme Bill... Tom is echt wie ein Kleinkind. Ich kann mir echt gut vorstellen wie er jetzt im Zug sitzt und die ganze Zeit fragt, wann sie endlich da sind. Sobald mal 10 Minuten nichts los ist wird dem sofort langweilig. Und jetzt mussten ich und Bill drunter leiden... Naja aber wenigstens hatte ich jetzt noch ein paar stunden mehr von meinem letzten Ferientag.
Als erstes ging ich runter in die Küche. Mein Magen knurrte schon die ganze Zeit. Eigentlich komisch da ich ja sonst morgens nicht viel oder überhaupt keinen Hunger habe. Egal.
Wie erwartet waren meine Eltern noch nicht wach. Ich genoss die ruhe richtig. Erst mal Kaffee machen und dann noch schnell ein Müsli gegessen. Danach ging ich duschen. Die Sonne schien direkt ins Bad und ich bekam richtig Lust mal wieder joggen zu gehen. Eigentlich machte ich ja nicht so viel Sport aber bei schönem Wetter mit guter Musik aus dem ipod joggen zu gehen war richtig entspannend. Ich hüpfte gut gelaunt aus der Dusche, zog mir ein Top und eine Caprihose an und musste dann nur noch meine Kniebandage finden(hab Probleme mit der rechten Kniescheibe), noch kurz einen Zettel für meine Eltern hinlegen und schon konnte es losgehen. Draußen war es herrlich. Im Gegensatz zu den Zwillingen war ich kein „ Drinni“ wie sie sich selber immer so schön bezeichneten. Die zwei konnte ich echt nur schwer davon überzeugen, dass es draußen auch schön ist. Ich liebte es draußen zu sein, egal ob Schnee liegt oder ob es richtig kalt und windig ist. Hauptsache die Sonne schien. Und das tat sie heute. Und wie. Obwohl es um die Uhrzeit (inzwischen schon halb 9) noch recht frisch war, wärmten mich die Sonnenstrahlen. Ich schaltete meinen ipod an, lies mich von Greenday und System of a down zudröhnen und lief los. Ich wusste nicht wohin ich eigentlich lief aber das war mir auch egal. Ich wollte einfach nur das schöne Wetter genießen. Irgendwie musste ich dann zum Sportplatz gekommen sein. Ich schaute auf meine Uhr und staunte. Es war schon fast 10 Uhr. Ich war also über eine Stunde gelaufen. „Kate du bist spitze! Ich bin richtig stolz!“
„Wie bitte? Redest du mit mir? Ich heiß aber bestimmt nicht Kate.“
Hä was? Ups. Ich hatte gar nicht bemerkt das gerade ein paar Jungs an mir vorbeigelaufen waren. So wie die aussahen wärmten sie sich gerade für ein Fußballspiel oder so auf. Stimmt ich war ja auf dem Sportplatz. Ich betrachtete den Jungen etwas genauer. Pechschwarze Haare und blaue Augen. Interessante Mischung aber es sah gut aus. Ich schätze ihn auf 16 also ungefähr mein Alter. Er machte einen netten Eindruck.
„ Oh sorry ich hab wohl mal wieder mit mir selbst geredet.“
„Ach so ja...“ Der Junge war stehen geblieben „Dann bist du also Kate oder? Ich bin Felix „
„ Richtig ich bin Kate. Eigentlich Kathrina aber eigentlich nennen mich alle nur Kate. Ich glaub wenn mich jemand mit Kathrina ansprechen würde, würde ich gar nicht merken dass er mich meint.“
„Kathrina is ein schöner Name. Aber Kate is auch cool. Kommt jemand aus deiner Familie aus England oder so? Bist du neu hier? Ich mein ich hab dich noch nie gesehen und ich glaub so jemand wie du wär mir schon aufgefallen!“
Ich merkte dass ich zumindest leicht rot wurde. Er grinste mich an.
Mit so einem „ Ich –weiß- dass- ich- toll- bin“ Grinsen. Aber dass war ich ja schon von Tom gewöhnt.
„ Ja wir sind gestern erst hergezogen. Ähm ich glaube irgendwelche Vorfahren von meiner Mutter kommen aus England und eine Ururgroßtante von ihr hieß auch Kathrina.“
„ Is ja cool! Woher kommst du denn? Und auf welche Schule kommst du? Vielleicht kommen wir ja in eine Klasse.“
Also der stellte aber viele Fragen.
„ Ich komm aus Magdeburg.“ ich war nicht gerade erpicht darauf ihm zu erzählen dass ich aus Loitsche kam, da mich alle immer sofort nach Bill und Tom fragten sobald sie wussten, dass ich aus dem gleichen Kaff kam wie sie (obwohl Felix eigentlich nicht danach aussah als wäre er an Tokio Hotel interessiert ) „ Ich geh hier dann aufs Gymnasium in die 10te aber ich weiß noch nicht in welche Klasse.“
„Cool ich bin dann auch in der 10ten. Vielleicht sehn...“ weiter kam er nicht. Vom andren Feld rief ein Mann (anscheinend der Trainer)„FELIX!!!! Beweg endlich deinen Hintern hierher und hör auf mit dem armen Mädel zu flirten!“ ich wurde rot...Also nein wir flirteten doch nicht.. nein oder?
„ Ja also ich muss dann mal. Hat mich gefreut. Wir sehn uns bestimmt morgen! Ciao!“
„Joar bis dann. Und viel glück!“
Er drehte sich noch kurz um, lächelte mir zu und winkte.


Kapitel 5

Weg war er. Naja nicht wirklich weg, aber auf der andren Seite des Spielfelds. Und das kam mir auf einmal riesig vor.
„ Na der war ja mal ganz nett. Vielleicht ist Gerlingen ja doch nicht so schlecht.“
Langsam schlenderte ich wieder in Richtung Hirschbergstraße. Oder zumindest dachte ich das. Aber irgendwie war ich falsch und stand plötzlich vor dem Rathaus. Ups... Wie bin ich denn hier gelandet? Ich versuchte mich an den richtigen Weg zu erinnern. Aber irgendwie klappte das nicht. Na toll. Jetzt stand ich hier mitten in Gerlingen und wusste nicht wohin ich gehen sollte. Und mein Handy hatte ich natürlich auch nicht dabei. Mal wieder ganz stark gemacht Kate!
„Ähm Entschuldigung, suchst du irgendwas? Du siehst irgendwie ein bisschen verzweifelt aus.“ Ich musste grinsen. „ Ja das bin ich auch. Ich bin gestern erst hergezogen und hab ich keine Ahnung wie ich zurück zu unserm Haus komme.“
Das Mädchen lächelte mich an. Irgendwie war sie mir gleich sympathisch. Ihre Ausstrahlung gefiel mir. Und ihr styl auch. Knielanger, brauner Faltenrock, Nietengürtel, schwarzes Top, Chucks, schwarze Haare und schwarz lackierte Fingernägel. Genauso lief ich immer rum wenn ich nicht gerade joggen war. Und meine Haare waren auch nicht schwarz sondern Goldblond und lockig, wie bei einem Engel sagen die Leute immer.. Ich und ein Engel.. Ganz bestimmt...
„Na dann sag mal wo du hin musst. Zusammen werden wir das schon finden! Ich bin übrigens Lara. Und du?“
„ Ich bin Kate. Also ich wohn in der Hirschbergstraße 36.“
„Hey cool! Ich wohn da nur ein paar Häuser weg! Is eigentlich ganz einfach zu finden. Man muss immer nur die Hauptstraße lang. Komm mit.“ Wir verstanden uns auf anhieb super gut. Sie hätte meine verschollene Zwillingsschwester sein können. Wir hatten genau die gleichen Interessen, den gleichen Geschmack was Kleidung, Musik und Jungs anging. Wir quatschten den ganzen Weg... Und es war ein sehr weiter Weg. Ich fand heraus, dass sie auf dem gleichen Ärzte- Konzert gewesen war wie ich. Also sind wir uns ja vielleicht schon mal über den Weg gelaufen.
„Sag mal, woher kommst du eigentlich?“ fragte mich Lara nach einiger Zeit (wir waren schon fast da und langsam kam mir die Gegend auch wieder bekannt vor)
„Aus Magdeburg, besser gesagt Loitsche, falls dir das was sagt.“ Ich hatte mich entschlossen diese Kleinigkeit nicht zu verschweigen. Sowieso hatte ich schon erfahren das Lara Tokio Hotel nicht sooo toll fand. Sie meinte zwar, sie hätte nichts gegen sie, aber so gut, dass sie sich eine Cd oder ähnliches von ihnen kaufen würde wären sie nicht.
„Hm...Wart mal...Loitsche... Hab ich irgendwo schon mal gehört.“ Sie sah mich fragend an.
Mittlerweile standen wir schon vor unsrer Haustür.
„ Ich helf dir mal kurz auf die Sprünge. Also die Jungs von TH besser gesagt Tom und Bill kommen auch aus Loitsche.“
„ Ahja genau das war’s!“ Mehr sagte sie nicht. Gut so... Ich denke die meisten anderen hätten mich sofort gefragt ob ich die Jungs schon mal gesehen hätte oder vielleicht sogar schon mal mit ihnen geredet hätte.
„ So da wären wir. Das ist also mein „Zimmer“. Schön nicht wahr?“
Lara musste grinsen. „ Hey is echt klasse hier! Da hast du ja massig Platz! Und sogar nen eigenen Balkon!“
„ Joar, ich glaub des ist die Entschädigung dafür, dass wir hier her gezogen sind.“
„So ne Entschädigung würde mir auch gefallen. Sag mal is des wirklich ein TH Poster oder hab ich was an den Augen?“ Ihr Blick war an dem fast Lebensgroßen Poster meiner Jungs hängen geblieben.
„ Ähm ja sieht ganz danach aus. Du ich geh mal ganz kurz duschen. Bin noch en bisschen verschwitzt vom joggen. Machs dir solange gemütlich!“
„ Werd ich auf jeden Fall!“ rief sie mir noch nach als ich gerade im Bad verschwand.
Na das mit dem Poster war ja mal nicht so toll... Ach egal... die fragt bestimmt nicht weiter nach!
Ähm hatte ich Halluzinationen oder klingelte da wirklich mein Handy? Ich drehte das Wasser ab. Es klopfte an der Tür.
„Du Kate dein Handy klingelt! Soll ich ran gehen?“
„ Ja klar mach! Sag dass ich gleich zurück ruf wenn ich fertig bin!“
„Okay mach ich.“

************** aus der Sicht von Lara***************

Und weg war sie. Unter der dusche. Ich sah mich in ihrem Zimmer um. Ganz hübsch eingerichtet.
Nur das Tokio Hotel- Poster störte mich etwas. Nicht dass ich etwas gegen die Jungs hatte. Ehrlich gesagt hatte ich mich noch nie richtig mit ihnen auseinander gesetzt. Ich fand es nur etwas komisch, dass sie eigentlich von Null auf Platz 1 der Charts gekommen waren. So plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht. Als ob da jemand nur mit dem Finger geschnipst hätte und schwups...waren sie da. Und vor allem regten mich diese Tussen auf, die die ganze Zeit nur „ TOOOOOOOM ich will ein Kind von dir....BILL Heirate mich“ und so weiter kreischten. Unerträglich!
Aber ich hatte nicht das Gefühl das Kate so war. Sie war wirklich nett. Und ich glaube das mit dem Poster war ihr ziemlich peinlich.
Aber mir war es eigentlich egal ob sie TH toll fand. Hauptsache ich musste nicht drunter leiden.
Auf einmal fing ein Handy an zu klingeln. Meins war es nicht. Ich ging zur Badezimmertür und klopfte.
„Du Kate dein Handy klingelt! Soll ich ran gehen?“
„ Ja klar mach! Sag dass ich gleich zurück ruf wenn ich fertig bin!“
„Okay mach ich.“
Na mal schauen wer da anruft.
Ich hatte grade abgenommen da fing der Typ auch schon an zu labern.
„ Hey Kate! Ich bin’s Tom! Sag mal warum hast du nicht angerufen? Haste uns etwa vergessen, Kleine?“
„Ähm ja.. Hallo... Hier ist Lara. Kate ist grad unter der dusche. Sorry hab dein Namen nicht verstanden, du hast so schnell geredet.“
„Oh.. achso.. ich bin Tom. Tom Kaulitz.“
„Aha okay ich sag Kate, dass sie dich zurückrufen soll.“
„Ja danke dass wär echt nett von dir. Ciao!“
„ Kein Problem! Bye!“

Ähm ja... Tom Kaulitz... Den Namen hatte ich aber schon irgendwann mal gehört. Mein Blich fiel auf das TH- Poster.
Nee oder? Das is jetzt nicht der da oder?
„ Du Lara wer hat denn angerufen?“

**************aus der sicht von Kate****************

Lara starrte mich nur an.
„Hallo? Erde an Lara! Ich hab dich grade was gefragt!“
„ Oh achso sorry. Ähm das war Tom…Kaulitz. Sag mal hab ich da irgendwas verpasst?“
Gott wie peinlich... „Ja also. Wie gesagt, ich komme ja aus Loitsche und Tom und Bill Kaulitz sind meine besten Freunde.“
Lara starrte mich immer noch verwundert an. Dann, ganz plötzlich brach sie in schallendes Gelächter aus.


Kapitel 6

„Das is einfach zu geil“ Lara kugelte sich vor lachen auf dem Boden und hielt sich den Bauch.
„Hä? Was is denn da dran so lustig?“ also irgendwie hatte ich eine andre Reaktion erwarten zum Beispiel „ Wie bitte du bist mit denen befreundet?“ oder „ Warum hast du mir das nicht erzählt?“ aber Laras Verhalten irritierte mich doch etwas.
Lara musste ein paar mal tief Luft hohlen bis sie schließlich keuchend hervorbrachte:„Was da dran so lustig ist? Ich sag dir was da dran so lustig ist!“ Sie setzte sich neben mich auf das Sofa von dem sie gerade gefallen war.
„Ich find das echt mega cool. Wenn ich mir die Gesichter von den ganzen Zicken aus meiner Klasse vorstell. Wie die glotzen würden wenn sie des wüssten! Die sind alle total vernarrt in die zwei. Schrecklich! Aber das wirst du ja dann morgen selber sehen!“
„ Aber bitte sag ihnen nicht das ich Bill und Tom kenne!“
„Nee mach ich nicht! Versprochen! Für wen hältst du mich? Aber ich mein ja nur, wenn die wüssten! Einfach zu geil!“
Und schon fing sie wieder an zu lachen.
„ Die wissen nix davon und gerade ich, die, die so komisch ist und die kein TH hört hat gerade eben mit Tom telefoniert“ japste sie „Und die würden ihre Seele für ne Konzertkarte von denen verkaufen!“
Ein fettes Grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus. Ja solche Mädels kannte ich auch. Das waren die, die immer kreischend vor dem Haus der Twins standen nur um sie einmal zu Gesicht zu bekommen. Und wenn ich mir dann mal den Weg zu den beiden durchbahnen wollte, beschimpften sie mich als Schlampe und was weiß ich noch alles. Aber ich nahm solche Anschuldigungen immer mit einem Lächeln hin. Und mit der Zeit ignorierte ich die Sprüche einfach.
„ Du mir is da was eingefallen, von wegen Konzertkarten. Also die sind in 3 Wochen in Stuttgart. Wenn du willst kannst du mit aufs Konzert und die 4 kennen lernen. Ich glaube die würden dir gefallen. Und ich würde mich auch echt freuen wenn du mitkommst!“

„Aber nur wenn ich den andren dann immer richtig schön vorhalten darf, dass ICH zum Tokio Hotel Konzert gehe und sie nicht!“ Mit einem devil- Grinsen und bettelnden Hundeaugen sah sie mich an.
Ich konnte einfach nicht anders und schmiss ihr ein Kissen mitten ins Gesicht.
„Na klar darfst du! So was is immer sehr, sehr, sehr gut!“
Und jetzt rollten wir beide vor lachen auf dem Boden herum. Lara würde sich auf anhieb gut mit Bill, Tom, Gustav und Georg verstehen. Sie passte einfach perfekt zu uns.
„ Ich glaub ich ruf gleich mal die Jungs an.“
„ Tu was du nicht lassen kannst!“ Lara lag mittlerweile alle viere von sich gestreckt und völlig erschöpft vom vielen Lachen neben mir.
Ich tippte Toms Nummer ins Telefon ein und stellte auf Lautsprecher.
„ Ja?“
„ Hey Tom! Ich bin’s, Kate!“
„Und Lara!“ rief sie in Richtung Telefon.
„ Hey meine Kleine, hey Lara! Schön das du, beziehungsweise ihr, obwohl ich eigentlich nicht weiß wer Lara ist anruft!“ Ich hörte ein lachen aus dem Hintergrund. Das war eindeutig die Lache von Gustav.
„Hast du Lautsprecher an?“
„ Jop hab ich.“
„ Okay. Hey Jungs. Also Lara hab ich heute morgen kennen gelernt. Ich hab mich beim joggen verlaufen und sie hat mich heimgebracht.“
„Na dass is ja mal wieder typisch Kate oder?“ das war Bill.
„Ja is ja egal. Also was ich euch fragen wollte is, ob Lara vielleicht mit zum Konzert kommen darf damit sie euch kennen lernen kann? Sie mag zwar eure Musik nicht besonders aber ich hab sie glaub ich davon überzeugt dass ihr ganz nett seid!“
Neben mir lies Lara ein hüsteln vernehmen. „ Na danke Kate! Jetzt haben die bestimmt nen ganz tollen Eindruck von mir.“
Aus dem Telefon kam ein Lachen.
„ Keine Sorge“ meinte Bill „ Wir werde uns schon ne eigene Meinung von dir bilden wenn wir dich dann treffen!“
„ Und wenigstens wissen wir so, dass du kein Groupie bist!“ kam es noch von Tom
„ Na dann wär das ja geklärt! Ach und was ich noch wissen wollte, warum hast du vorhin angerufen, Tom?“
„ Also ja ich wollt nur sagen, dass heute um 20.20 auf Viva unser Interview ausgestrahlt wird und ich dachte dich würde interessieren was wir da zu sagen hatten!“
„ Na hoffentlich nur gutes!“
„Ja klaro! Was denkst du von uns?“ kam es von Gustav
„Also na ja wir müssen dann mal Schluss machen. Wir müssen noch en bisschen proben!“ meinte Georg.
„ Ja okay also dann Ciao!“ meinten ich und Lara.
„ Macht’s gut ihr zwei!“ kam es von den Jungs zurück.
„Na des sin ja mal welche!“ meinte Lara entzückt. „ Ich hab so des Gefühl die sind ganz in Ordnung!“ ich grinste sie an. „Also meine Jungs sind mehr als ins Ordnung!“
„ Ähm du Kate? Wie spät ist es eigentlich? Felix wollte noch vorbeikommen aber du kommst einfach mit, wir müssen dann halt nur rüber zu mir sonst steht der vor der Tür und keiner is da!“
„ Es ist....genau 16.30 Uhr...Wow und ich hab noch nicht mal was zu Mittag gegessen!“
„ Joar bekommst dann bei mir was. Aber wir ham noch en bisschen Zeit, er wollte um 17 Uhr kommen.“
„ Was ein Zufall. Heute morgen hab ich erst einen Felix auf dem Sportplatz getroffen!“
„ Felix Büchner? Der müsste da eigentlich en Fußballspiel gehabt haben.“
„ Also um ehrlich zu sein hab ich keine Ahnung wie der mit Nachnamen heißt, aber er hat auf jeden Fall Fußball gespielt.“
„Ungefähr 1.70m groß, schwarze Haare, blaue Augen?“
„ Ja genau. Schwarze Haare und blaue Augen. So was is auffällig! Is ja mal obercool! Das is wirklich mal ein Zufall!“
„ Aber wirklich. Der is übrigens MEIN bester Freund. Der is echt mal schwer in Ordnung.“
„Joar ich hatte auch so den Eindruck, dass er ein netter ist.“
„ Klar sonst wär er ja net mein bester Freund!“
Wir grinsten uns an.
Der heutige Tag steckte wirklich voller Überraschungen. Grade neu hier und schon eine neue Freundin und nen neuen Freund. Aber natürlich waren die beiden trotzdem kein Ersatz für die andren.


Kapitel 7

„Na komm dann geh wir mal rüber zu dir. Ich hab Hunger!“ wie zur Bestätigung knurrte mein Magen und zwar sehr laut.
„Och du arme. Wir wollen dich doch nicht verhungern lassen! Zum Glück ist es ja nich weit bis zu mir.“
Es war tatsächlich nicht weit bis zu Lara. Ihr Haus war genau 5 Häuser von meinem entfernt. Es war genauso groß wie unseres.
„Das hier is schon das Bonzenviertel von Gerlingen hab ich recht?“
„Joar so halb würde ich sagen. Ganz oben auf der Schillerhöhe, in der Waldsiedlung da wohnen die richtig reichen. Hier wohnen „nur“ die gutverdienenden. Je weiter man nach oben kommt, umso reicher werden die Leute.“
„Is ja mal abgefahren. Da kann man ja eigentlich am Straßennamen schon sehen wie viel Geld die Leute haben. So was gab es in Loitsche nicht!“
„ Joar mir Schwoabn spinned hald a weng!“
„Bitte was?? Und jetzt noch mal auf deutsch, ganz langsam, zum mitschreiben!“
„Wir Schwaben spinnen halt ein bisschen. Jaja schwäbsch is en gschdörter Dialekt. Da verstasch ned immer elles, gell?“ sie grinste mich an.
„Du spinnst. Aber mal richtig! Wie kann man nur so reden?“
„ Ich glaub daran wirst du dich gewöhnen müssen. Ich red ja meistens zumindest größtenteils Hochdeutsch aber wenn du in der Schule zum Beispiel Herr Krämer bekommst... Der redet so was von Schwäbisch, da ham wir sogar manchmal Probleme mit zukommen!“
„Na dann gute Nacht!“ meine Güte! Ich hatte ja nicht mal alles verstanden was Lara da in zwei Sätzen zu mir gesagt hat und dann ein Lehrer der die ganze Zeit so redet! Ich glaub wenn ich den bekomm brauch ich einen Übersetzer! Hilfe!
„ Ach keine Sorge! In spätestens 3 Jahren schwätsch au schwäbsch. Meine Mutter is auch mit 19 hierher gezogen und hat gemeint sie hätte auch nach en paar Jahren angefangen mit en bisschen Dialekt zu reden und sie hätts gar nicht bemerkt.“
„Na wir werden ja sehn. Aber irgendwie hört sich des schon cool an!“ Wir hatten es uns inzwischen in der Küche bequem gemacht und ich biss nun genüsslich in ein Nutellabrot.
„Na dann musst du erst mal die ganzen alten Omas, solche „Urgerlinger“ hören! Des hört sich dann ungefähr so an:
Du Gerdrud! Hasch scho des mit der Kirch ghört? Isch ja schrecklich. Mir sin doch hier koi Atheischtn!... Ja Hilde. Des isch ne unverschämdheid. Aber was willsch mache? Der Jungnd von heud isch doch elles wurschd, die hen koi aschdand meh!“
Ich musste so lachen, dass ich mich an einem großen Stück Brot verschluckte. Lachend klopfte mir Lara auf den Rücken bis ich wieder atmen konnte
„Sag mal hat es grad an der Tür geklingelt?“
Lara sah erschrocken auf die Uhr.
„Das is bestimmt Felix! Is ja schon 17.10 Uhr. Der wird Augen machen wenn er dich sieht! Mach mal die Tür auf mal schaun wie er glotzt!“

Ich stand auf und ging zu Tür.
„Hey Felix!“
„ Ähm... sag mal bin ich hier falsch?“ er warf einen Blick auf das Schild neben der Klingel.
„Hä aber hier steht doch Wolf...Jetzt versteh ich garnix mehr!“
*blitz* Das war Lara. Sie war unter meinem Arm, der die Tür hielt durchgehuscht und hatte ein Foto von Felix verwundertem Gesicht gemacht.
Und jetzt war er noch verwirrter.
„Hä... Was is denn jetzt los? Kennt ihr euch? Was machst du denn hier? Wollt ihr mich verarschen? Hab ich was nicht mitbekommen?... Ich glaub ich muss in die Klapse!“
Lara und ich prusteten gleichzeitig los.
„ Sag mal Junge ich wusste ja scho immer, dass du einer von den langsamen bist, aber so langsam hätte ich nichtgedacht!“ Lara umarmte Felix, der uns immer noch verständnislos anschaute. Dann breitete sich auch auf seinem Gesicht ein Lächeln aus.
„Mädchen sind so mies. Ihr habt mich voll dran bekommen! Und dann auch noch Fotos machen! Ihr seid so link!“
„Tschuldigung!“ kam es von Lara und mir gleichzeitig und wir blickten ihn mit den aller traurigsten Hundeblicken an. Ich glaube nur Tom und Bill können das besser als wir.
„Ach schon in Ordnung!“ meint Felix und lachte. „Aber wehe so was kommt noch mal vor!“
„Nein würden wir doch nie wieder tun! Wir sind doch ganz arg lieb!“ meinte Lara grinsend.
„ Also du hast Kate ja schon heute morgen kennen gelernt da muss ich euch ja nicht vorstellen. Wir haben uns heute vor dem Rathaus kennen gelernt. Das arme Mädel hat nicht mehr nach Hause gefunden. Aber zum Glück wohnt sie auch hier und zusammen ham Kate und ich dann doch noch ihr Haus gefunden!“
„Na da ham sich ja mal zwei gefunden! Aber Kate pass bloß auf! Lara ist unberechenbar!“
„Hey was soll den des jetzt schon wieder? Mich einfach so schlecht machen! Also wirklich, wer schlägt mich denn hier immer?“ und schon fing sie an Felix durchzukitzeln. Dieser nahm sie aber sofort in den Schwitzkasten worauf hin Lara im auf den Fuß trat damit er sie losließ.
Sehen Tom, Bill und ich etwa auch so aus wenn wir so was machen? Peinlich, peinlich... Aber bei dem Gedanken musste ich wieder grinsen. Naja so ist es halt wenn man Jungs als beste Freunde hat.
„Ähm... Hallo?...“ ich versuchte mich bemerkbar zu machen „Leute wollt ihr nicht vielleicht erst ins Haus kommen?“
Die beiden sahen verwundert auf. „Ups...ähm...gehen wir lieber rein.“
„Sodele und was machen wir jetzt?“ fragte Felix in die Runde.
„Joar also mir egal. Aber um 20.20Uhr wird auf jeden Fall Viva geguckt, stimmts Lara?“
„Auf jeden Fall! Das wolln wir doch nicht verpassen!“
Felix blickte uns fragend an „Was kommt denn da so tolles?“
„Lass dich überraschen. Also ich würd sagen wir schaun so lange nen Film an. Wie wär’s mit Saw?“
Felix und ich stimmten zu. Wir gingen hoch in Laras Zimmer und ließen uns auf ihrer Couch nieder.
„Hey aber nur damit das klar ist, ICH komm in die Mitte, ich muss meine zwei Mädels ja beschützen!“
Ich konnte es einfach nicht lassen „ Jaja Felix. Du bist durchschaut, du hast doch nur angst und willst von UNS beschützt werden!“
„So nicht Fräulein Kienle, so nicht!“ und schon kitzelte er mich bis ich nur noch japsen konnte.
„Ich...ich...nehm alles...zurück! Du...bist ganz arg...stark und...musst uns...beschützen!“
"So is es richtig!"Endlich lies er mich los und ich holte tief Luft.


Kapitel 8

**********aus der Sicht von Lara*********
Na die zwei verstanden sich ja auf anhieb blendend. Das freute mich total. Immerhin war Felix mein bester Freund und Kate war super nett, aber wenn sie was gegeneinander hätten wär das glaube ich nicht so einfach mit unserer Freundschaft.
„So ihr zwei! Jetzt wird der Film angeschaut. Oder soll ich rausgehn, damit ihr in Ruhe reden könnt?“ sie grinsten mich beide an.
„Nee lass mal. Sonst bringt der mich hier noch um!“
„Ach was, ich bin doch en ganz arg lieber!“
Kate schaute ihn mit hochgezogenen Augenbraun an. „Na das hab ich ja grade bemerkt. Richtig liebeswürdig bist du!“
„Na na na, bis einer weint! Soll ich mich zwischen euch setzten?“
Wenn das so weiter geht, komm ich aus dem Dauergrinsen gar nicht mehr raus und meine Mundwinkel wachsen da oben fest! Schnell legte ich die DVD rein und wir schauten nun endlich den Film.
Wir hatten ihn zwar alle schon gesehen aber dadurch störte es keinen wenn wir zwischendurch mal ein bisschen redeten.
Als der Film vorbei war, war es gerade 19.55Uhr.
„Is ja super! Da ham wir noch zeit für ne Pizza bevor meine Jungs kommen!“
„Hä wie deine Jungs?? Ich dachte ihr wollt nacher Viva schaun.“ Felix verstand mal wieder gar nichts. Ich und Kate lächelten ihn zuckersüß an.
„Lass dich einfach überraschen! Pizza is ne gute Idee!“
Ich rief beim Pizzaservice an und bestellte für uns drei. Nach 15 Minuten kam auch schon der Lieferant.
„ Ja es is sehr geschickt wenn man die Besitzer kennt.“ Meinte ich mit vollem Mund.
„Felix mach mal den Fernseher an. Du bist am dichtesten dran!“ Es war jetzt 20.19Unr und wir hatten es uns im Wohnzimmer gemütlich gemacht. Brummend stand Felix auf und lief zum Fernseher. „Du bist die reinste Sklaventreiberin, weißt du das?“


************aus der Sicht von Kate**********

„Und wie ich dass weiß! Aber du magst mich doch trotzdem!“ meinte Lara lachend.
Ich saß schon ganz gespannt da, ich wollte unbedingt wissen wie sich die Jungs angestellt hatten.

„Und hier sind sie!
Bill, Tom, Georg und Gustav
Auch bekannt als...
TOKIO HOTEL!!!"


„Was ist das??? Ähm falscher Sender?“ Felix war total verwirrt
„Nee wir sind beide voll die TH- Fans! Wusstest du das nicht?“ Jetzt schaute Lara Felix gespielt verwirrt an.
„Sag mal wollt ihr mich schon wieder verarschen?“
„Nee! Was denkst du von uns? Lass dich überraschen!“
„Ihr immer mit eurem lass dich überraschen. Pah!“

„So das war es auch schon fast.“

Wie?...so lange hatten wir doch gar nicht geredet.. ach auch egal!

„Aber ich hab gehört ihr wollt unbedingt noch was loswerden.“
B: „Stimmt genau. Wir wollen nämlich noch jemand grüßen!“
T: „ Und zwar unsre beste Freundin, Kate.“
Gustav: „ Ja. Sie ist nämlich leider Gestern von Loitsche nach Gerlingen gezogen.“


Felix bekam auf einmal ganz große Augen.

Georg: „Aber wir vermissen sie natürlich jetzt schon!“
B: „Und da haben wir gedacht, wenn wir sie schon nicht sehen können,...“
Gustav: „...dann wollen wir sie wenigstens übers Fernsehn grüßen!“
T: „ Also Kleine, vergiss uns nicht!“
B: „Aber zum Glück sehen wir uns dann in 3 Wochen in Stuttgart!“
Alle: „Machs gut und pass auf dich auf Kate!“


„Ähm...Die ham jetzt aber nicht dich gemeint, oder Kate?“ Felix war total verdutzt.
„ Nein! Die ham bestimmt eine ganz andere Kate gemeint, die ganz zufällig auch Gestern von Loitsche nach Gerlingen gezogen ist und mit denen befreundet ist!“
„Hä... aber ich dachte du kommst aus Magdeburg...Jetzt bin ich aber mal richtig verwirrt!“
„Sieht dir ähnlich. Also noch mal ganz langsam, damit das auch unser kleiner Felix versteht: Ich, Kathrina Kienle, oder eben auch Kate habe bis gestern in Loitsche, so einem kleinen Kaff bei Magdeburg gewohnt. Meine aller, aller besten Freunde sind Bill und Tom Kaulitz und Gustav und Georg zählen auch zu meinen besten Freunden, sie liegen nur knapp hinter den Zwillingen. Die vier sind ne Band mit dem Namen Tokio Hotel, wie dir vielleicht schon aufgefallen ist und an meinem letzten Abend in Loitsche haben sie mir versprochen, dass sie mich in jedem Interview grüßen werden, was sie, wie du gehört hast, ja auch soeben getan haben.“
Er schaute mich noch eine Weile ungläubig an und fing dann an zu lachen.

Ähm...irgendwie kommt mir diese Reaktion ziemlich bekannt vor. Hat Lara nicht vor ein paar Stunden genauso reagiert?...Ja hatte sie.
Anscheinend dachte Lara gerade genau das gleiche wie ich.
„Felix, weißt du was?“ fragte sie besagte Person, die gerade auf dem Boden lag und sich den Bauch hielt „Is noch gar nicht lang her, da hab ich genauso reagiert!“
„Ja wir sin halt Seelenverwandt!“ meinte dieser und bekam erneut einen Lachanfall. Nun mussten auch Lara und ich lachen. Es sah einfach zu geil aus, wie Felix sich da auf dem Boden krümmte und gar nicht mehr aufhören konnte zu lachen.
Ich glaube so viel wie heute hatte ich schon lange nicht mehr gelacht.


Kapitel 9

„So Mädels ich geh dann mal! Is ja scho neun! Morgen is ja wieder Schule und ich hab ja so einen weiter Weg nach Hause und leg mich dann auch gleich ins Bettchen, damit ich morgen richtig schön ausgeschlafen bin!“, meinte Felix mit ernstem Tonfall und sprang von der Couch auf, auf der wir es uns gerade so gemütlich gemacht hatten. Bei dieser Aktion viel Lara gleich mit runter, da sie gerade halb auf Felix und halb auf mir gelegen hatte.
„Mann! Kannst du mich das nächste mal vielleicht vorwarnen damit ich aufstehn kann bevor ich auf dem Boden lande!“
„Es tut mir so leid Lara! Ich.. ich.. Das wollte ich nicht! Wirst du mir je wieder verzeihen?“ fragte Felix mit brüchiger Stimme und Tränen glitzerten in seinen Augen.
„Du alter Schauspieler! Immer schön heulen wenn ich mal böse auf dich bin, so hab ich’s gern!“, meinte Lara gespielt empört.
Wow der Junge konnte also echt auf Kommando heulen. Das ist manchmal bestimmt ganz geschickt.
„Kann man das lernen? Bringst du mir des bei? Ich würd auch gerne auf Kommando heulen können!“
Felix grinste mich an und meinte dann nur, dass er das eigentlich schon immer konnte und also auch keine Ahnung hätte ob man das auch lernen kann.
„Naja is ja auch nich so schlimm. Ich glaub ich muss dann auch mal los. Meine Eltern wissen ja nich mal wo ich bin!“

Also gingen wir drei gemeinsam zur Tür und verabschiedeten uns von einander. Zum glück musste ich ja nicht weit laufen, ich wurde nämlich langsam ziemlich müde. Draußen war es noch richtig angenehm warm, aber Anfang September konnte man das ja auch gerade noch erwarten.
„Glaubst du, du findest alleine nach hause, oder soll ich noch nen kleinen Umweg machen und dich heim bringen?“ und schon wieder musste ich lachen „Ne du lass mal. Mach dir doch wegen mir keine Umstände! Außerdem hab ich ja jetzt mein Handy dabei und kann zur Not Lara anrufen, stimmt’ s?“
„Jep da haste recht! Soll ich dich eigentlich morgen vor der Schule abholen? Wir können ja laufen is ja nich so weit. Ich wär dann so um viertel nach sieben bei dir.“
„Ja des wär echt nett von dir! Sonst verlauf ich mich da auch noch! Also bis dann! Macht’s gut ihr zwei!“

Ich war gerade erst ein paar Meter gelaufen, da stand ich auch schon wieder vor unserer Haustür. „Hey Mom! Hey Dad! Bin wieder da!” Rief ich als ich das Haus betrat.
„Hallo Kate. Na du warst aber lange joggen!“ meine Mutter lehnte an der Küchentür und zwinkerte mir zu. „Ne war ich nich. Ich war heut Mittag daheim und da lag nur ein Zettel von euch, irgendwas mit ,Tag der offenen Tür’ oder so was. Ich bin dann mit zu Lara und wir ham da was gegessen und mit Felix nen Film angeschaut.“ „Lara? Felix? Hast du die heute kennen gelernt?“ „Ja ich hab mich verlaufen und Lara hat mich heimgebracht, sie wohnt nur 5 Häuser weiter und Felix hab ich beim joggen auf dem Sportplatz getroffen. Ist der beste Freund von Lara.“ Meine Mutter lächelte mich an „Das ist aber schön das du so schnell neue Freunde gefunden hast. Dann hast du vielleicht nicht mehr ganz so viel Heimweh.“
„Ja aber nur ein ganz kleines bisschen weniger!“ meinte ich und ging dann hoch in mein Zimmer. Ich wollte unbedingt noch Bill und die anderen anrufen um mich bei ihnen zu bedanken.

„Ja?“
„Hey Bill! Hier ist Kate!”
„Einen wunderschönen guten Abend wünsch ich dir, Kate! Na haste auch schön Viva geschaut?“
„Ja klaro! Was meinst du warum ich anruf? Ich wollt mich bei euch bedanken. War echt total lieb von euch!“
„Ach das machen wir doch immer wieder gern für dich!“
„ Na das will ich auch hoffen! Was macht ihr grad schönes?“
„Also Tom, Gustav und Georg pennen. Alle auf einem Haufen, sieht echt schnuckelig aus! Hab gleich mal ein Foto gemacht. Und jetzt schreib ich grad an nem Song.“
„Pennen...Das war mein Stichwort! Ich bin hundemüde! Sag den andren dann, dass ich angerufen hab okay?“
„Ja klar mach ich! Schlaf gut und träum was schönes!“
„Jep du auch. Gute nacht!“

Ich schleppte mich ins Bad und wär beinahe im stehen eingeschlafen. Schnell schminkte ich mich ab und machte mich dann auf den Weg in Richtung Bett. Ich war schon im Halbschlaf als mir auffiel, dass das die erste Nacht in meinem neuen Bett war. Stimmt ja, die letzte hatte ich auf dem Sofa verbracht.


Kapitel 10

*piep**piiiiep**piiiiiiiieeeep*
„Jaha ich bin ja schon wach du sch**** Wecker!“ wütend, da ich grade aus meinen Träumen gerissen wurde streckte ich meine Hand nach dem Wecker aus. Aber irgendwie verfehlte ich ihn knapp und streifte ihn nur mit dem Ellenbogen. Uups... Das passiert mir immer wieder! Der Wecker fiel von meinem Nachttisch auf den Boden, gab noch ein letztes, klägliches piepsen von sich und verstummte dann.
„Jetzt is er kaputt! War wohl einmal zu oft!“ Naja wenigstens war ich, zumindest halbwegs wach. Jetzt sind die Ferien wohl endgültig vorbei und das „wahre“ Leben fängt wieder an. Aber warum denn schon um 6 Uhr Morgens?! Aber immerhin später als in Loitsche. Müde tapste ich uns Bad und schaltete das Licht an.
„Oh mein Gott! Wie seh ich denn aus???? Wie ne Leiche!“ und das stimmte auch. Zumindest ein kleines bisschen. Ich war total blass mit verquollenen Augen. Jetzt erst mal schnell unter die Dusche. Vielleicht ist es ja danach nicht mehr ganz so schlimm.
Warmes Wasser prasselte auf mich herab und ich entspannte mich erst mal richtig. Ich wusste nicht wie lange ich schon geduscht hatte, aber es muss auf jeden fall etwas länger gewesen sein, denn auf einmal klopfte es an meiner Badezimmertür.
„Kate! Beeil dich mal ein bisschen! Es ist schon 6.40Uhr und du hast noch nicht mal gefrühstückt!“ das war meine Mom. Aber hatte ich das grade richtig gehört? Ich stand tatsächlich schon 40 Minuten unter der Dusche. Schnell drehte ich das Wasser ab, schlüpfte in meinen Bademantel und umwickelte meine Haare mit einem Handtuch. Jetzt muss ich mich aber beeilen. Unten in der Küche schlang ich schnell mein Müsli hinunter und war kurz darauf schon wieder in meinem Zimmer. Und jetzt? Was sollte ich denn an meinem ersten Schultag anziehen? Na mal schauen. Nach einigem hin und her, ein paar verzweifelten rufen nach meiner Mutter und etlichen, auf dem Boden verstreuten Klamotten hatte ich endlich mein Outfit zusammen gestellt. Schwarzes Neckholder-Top ,zum drüberziehen (immerhin war es ja Morgens noch kalt) meine schwarze Trainingsjacke und dann noch meinen Lieblingsrock. Den hatte mir Bill zum 15. Geburtstag geschenkt. Er hatte ihn selber ein bisschen „umgestylt“ und nun sah er einfach total geil aus. Ungefähr knielang, dunkelbraun und mit etlichen Ketten verziert. Außerdem hatten alle meine Freunde aus Magdeburg darauf unterschrieben. Somit war der Rock auch ein kleines Stückchen Heimat für mich.

Mit einem Blick auf die Uhr stellte ich fest, dass es bereits 7.10 war. Oh mist! Jetzt noch schnell schminken und die Haare machen. Zum glück waren meine Haare noch nicht ganz trocken und ich musste nur noch ein bisschen Schaumfestiger reinmachen. Das war das schlimme an meinen Locken. Ich hätte manchmal so gerne glatte Haare. Einfach kämmen und fertig, aber mit meinen Locken war das nicht so einfach. Wenn ich sie einfach nur trocknen lies, ohne etwas damit zu machen hatte ich nachher ne Frisur wie 2 Jahre nicht gekämmt.. Meine Haare standen dann einfach in alle Himmelsrichtungen ab und da half dann auch kämmen nichts mehr. Aber mit ein bisschen Schaumfestiger war alles schon viel besser. Und wenn nichts schief ging sahen meine Locken echt richtig schön aus. Wie gesagt, wie bei einem Engel *g*

Als es an der Tür klingelte wusste ich sofort, dass es Lara war. Ein erneuter Blick auf die Uhr bestätigte mir eigentlich, dass sie es sein musste. Es war genau 7.15 Uhr.
Die is ja mal verdammt pünktlich.
Schnell und gut gelaunt hüpfte ich die Treppe runter, schlüpfte in meine Chucks, schnappte mir meinen Schlüssel und warf meiner Mutter noch schnell ein „Bye Mom!“ zu.
Noch halb in der Tür stehend umarmten Lara und ich uns zur Begrüßung.
„Na schon gespannt auf deine neue Schule?“
„Jaaah! Und hoffentlich komm ich mit dir und Felix in eine Klasse! Dann wär ich schon nicht mehr so aufgeregt!“ ich war tatsächlich total nervös. Schließlich wusste ich ja nicht, was mich erwartete.
„Hast du denn Spanisch oder Nawi genommen? Ich und Felix haben nämlich Nawi und dann wär es eigentlich schon sehr wahrscheinlich, dass du zu uns kommst. Wir sind eh die kleinste Klasse und obwohl wir uns MANCHMAL ziemlich daneben benehmen haben wir eigentlich immer den besten Durchschnitt von der Klassenstufe!“ Sie grinste mich von der Seite an.
„Jaja... ihr seid bestimmt nur manchmal ziemlich daneben.“ Meinte ich und gab ihr nen kleinen Stoß mit dem Ellenbogen „Also ich hab auch Nawi genommen. Ich bin doch nich so gestört und nehm noch ne Fremdsprache! Ich hab schon mit Franz die Schnauze voll! Englisch geht ja, da hatte ich letztes Jahr sogar ne 1, aber mit Franz kann man mich echt jagen!“ „Da bist du nicht die einzige, des kann ich dir sagen! Wenn ich nur das Wort Französisch hör kommt’s mir schon hoch!“
Lachend gingen wir weiter. Zu meiner Überraschung standen wir nach knapp 15 Minuten vor der Schule. Das war wirklich eine Verbesserung. Nicht mehr ganz so früh aufstehen, kein lästiges Busfahren mehr und trotzdem früher in der Schule. Naja abgesehen davon, das die Zwillinge die Busfahrt immer etwas aufheiterten aber ich denke ich habe schon oft genug erwähnt wie sehr ich die Jungs vermisse.
„So wir müssen jetzt erst mal ins Sekretariat und nachfragen in welche Klasse du kommst.“ Lara holte mich aus meinen Gedanken als wir gerade das große Schulgebäude betraten. Ich sah mich um... und war beeindruckt! Hier war es ja fast schön. Wen man eine Schule als schön bezeichnen kann. Viele Wände und Säulen waren mit Bildern und Skulpturen verziert oder einfach nur in den verschiedensten Farben angemahlt.
„Das da drüben is ne „Abi-Wand“, da haben die Abiturienten von ...ähm...ich glaub 2003 draufgemalt. Sieht doch echt klasse aus oder? So was in der Art machen alle Abi-Jahrgänge. Die 2000er haben draußen auf dem Schulhof so ne Steinplatte in den Boden. Sieht aus wie so en Teil vom Walk of fame. Auch mit Stern und drin Steht ABI 2000 und drum rum ham se ganz kleine Steinplatten und auf jedem steht ein Name von denen. So wir sind da. Jetzt wird’s ernst!“
Wir standen vor einen schwarzen Tür auf der ganz groß Sekretariat stand. Lara trat einen Schritt näher heran, klopfte kurz an und machte die Tür dann auf.
Zusammen betraten wir den kleinen Raum. Die kleine Frau, nach ihrem Namensschild Frau Bäcker lächelte uns an.
„ Na Frau Wolf. Mal wieder den Schülerausweis verloren? Ich dachte den letzten hättest du dir erst kurz vor den Ferien geholt.“ Ihr Lächeln wurde breiter.
„Nee ausnahmsweise mal nicht, Frau Bäcker. Heute geht’s gar nicht um mich.“ Meinte Lara mit einem fetten Grinsen im Gesicht.
„Genau. Wir sind nämlich wegen mir hier. Ich bin Kathrina Kienle. Ich bin vorgestern von Magdeburg hierher gezogen.“
„Ahja genau die neue Schülerin aus Magdeburg. Einen Moment ich muss nur kurz nachschauen in welche Klasse du kommst.“ Und schon war sie davon gehuscht. Eine wirklich sympathische Person.
„ Na wie oft haste deinen Schülerausweis schon verloren?“ ich musste mir ein Lachen verkneifen.
„Ach das warn doch nur so... äh... 8 mal“
„Okay 8mal... Wie lang bist du schon hier an der Schule? Is das jetzt echt erst dein 6. Jahr hier?“ Lara schnitt mir eine Grimasse und streckten mir dann auch noch die Zunge raus.
Da kam auch schon Frau Bäcker wieder.
„ So dann wollen wir mal schauen. Kathrina Kienle... Ahja hier. Also du kommst in die 10d. Raum 264.“...


Kapitel 11

„Hey is ja mal hammer geil! Das is meine Klasse! Ich habs ja gewusst!“ freudestrahlend fielen Lara und ich uns in die Arme und hüften so durch die Gegend. Frau Bäcker sa uns schmunzelnd dabei zu.
Während wir da so herumhopsten viel mein Blick auf einmal auf den großen Kalender neben der Tür. Beim Anblick des heutigen Datums stutze ich.
„Is heute wirklich der achte?“
„Ähm ja sieht ganz danach aus. Bei uns sind die Ferien ja en bisschen später als bei euch, musst dich also nicht wundern.“ Ach du meine Güte... Heute war der 8. September.
„Was guckst du denn so wie ein Auto?“ fragte mich Lara als wir wieder auf dem Flur standen.
„Ähm... Heute ist der 8. September.“ „Ja. Ich dachte das hätten wir schon geklärt.“
„Ja schon aber... Gustav wird heute 18 und ich habs total vergessen!“ verzweifelt schaute ich sie an. „Ach Kate mach dir da mal keinen Kopf! Is doch erst kurz vor 8Uhr morgens. Ich denk nich dass er von dir erwartet, dass du gleich um 4 Morgens bei im anrufst.“ „Ja aber ich hab doch jetzt gar kein Geschenk! Was soll ich denn jetzt machen?“ „Och Kate! Wie war des? Die kommen doch in 3 Wochen und dann hast du ja bis dahin zeit ein Geschenk zu kaufen und kannst es ihm sogar persönlich geben!“ „ Na wenn du meinst.“ „Ja ich meine! Und jetzt komm endlich! Du willst doch an deinem ersten Schultag nich zu spät kommen!“

Also machten wir uns auf den Weg zum Klassenzimmer. Vor der Tür wartete dann auch schon meine neue Klasse. Es waren wirklich nicht sehr viele. Ich schätze auf etwa 22. Also mit mir und Lara dann 24. Unter den ganzen Leuten war auch Felix. Als er uns entdeckte kam er sofort auf uns zu.
„Na also doch bei uns in der Klasse? Find ich cool. Da wird’s noch mal um einiges lustiger. Ich saß das ganze letzte Jahr neben Lara. Ich sag dir das war tot langweilig!“ sag’s und lehnt sich dabei auf eben diese Lara. Diese grinste ihn an und fing dann sofort damit an ihn durchzukitzeln „Ich hab dir gestern schon gesagt du sollst mich nicht immer vor anderen Leuten schlecht machen, aber du willst ja einfach nicht hören!“
„Büchner und Wolf, kindisch wie eh und je! Also wirklich Lara ich habe echt gedacht ihr hättet euch während den Ferien gebessert.“ Hinter uns war auf einmal ein Mann aufgetaucht. Ich vermutete mal, dass das unser Lehrer war, er trug nämlich eine Aktentasche bei sich, schien aber vom Aussehen her noch sehr jung zu sein.
„Aber Herr Schaible, sie glauben doch nicht im ernst dass die zwei sich je ändern werden.“ Meinte der Junge, der neben mir stand. Man war der groß. Ich schätze ihn so auf die 1.90. Da kam ich mir mal wieder richtig klein vor!
Herr Schaible lachte auf und meinte dann nur „Nein Stefan, aber die Hoffnung stirbt zu letzt!“
Nach einigem hin und her waren wir dann endlich im Klassenzimmer. Ich setzte mich mit Lara und Felix in die letzte Reihe. Zu uns setzten sich auch noch der Riese von vorhin, Stefan, ein weiterer Junge und noch ein Mädchen. Sie stellten sich mir als Lea und Markus vor und waren mir auch sofort sympathisch. Ebenso wie Stefan.
Herr Schaible war unser Mathelehrer und auch noch Klassenlehrer. Nach seinen Angaben wollte diese Klasse kein anderer Lehrer übernehmen und so hätte er sich ein zweites Mal geopfert. Mit dieser Aussage erntete er tosenden Applaus bei der Klasse. Er bedankte sich, blickte kurz auf die Klassenliste und meinte dann „So wir haben dieses Jahr auch eine neue Schülerin. Willst du nicht vorkommen und dich selbst vorstelle?“
Mann, da hatte ich es mir grade so bequem gemacht und schon musste ich wieder aufstehn! Aber was sein muss, muss sein. Also ging ich nach vorne und stellte mich der Klasse vor.
„Also ich bin Kathrina Kienle, aber eigentlich nennen mich alle Kate. Ich bin 16 Jahre alt und bin erst vorgestern von Magdeburg hierher gezogen. Und ja...ich glaub das wars.“
„Sehr schön, du kannst dich dann wieder hinsetzten!“ Während ich wieder zwischen den Reihen hindurch nach hinten ging, bemerkte ich die Blicke einiger Mädchen aus der zweiten Reihe. Sie musterten mich von oben bis unten und warfen mir abfällige Blicke zu. Solche Leute konnte ich mal gar nicht ab! In der Schule mit nem Mini, der eigentlich nur ein breiter Gürtel ist, Ausschnitt bis zum Bauchnabel und geschminkt wie Bordsteinschwalben. [Anm. der Autorin : jaja sehr schöner Ausdruck von nem Lehrer von mir J] Und jetzt fingen sie auch noch an zu tuscheln. Endlich war ich wieder an meinem Platz zwischen Lara und Markus angekommen.
„Hast du bemerkt wie dich Karina und so angeglotzt haben? Haben ganz schön die feinen Öhrchen gespitzt als sie Magdeburg gehört haben. Das sind die, die so hinter Bill und Tom her sind!“ „Na jetzt wird mir einiges klar. Sag mal laufen die immer so rum?“
„Redet ihr grad über Karina, Maren und Saskia? Jep die laufen immer so rum.“ Das kam von meiner linken Seite, also Markus „Die denken echt sie würden voll gut bei uns Jungs ankommen, aber ich denke in der Hinsicht stimmen alle männlichen Wesen dieser Klasse überein, dass die total lächerlich sind. Die mag wirklich niemand so wirklich und die denken dabei sie wären obercool!“ „Aber wirklich! Die merken echt nich, dass sich die ganze Klasse über sie lustig macht!“ flüsterte mir Lara zu.
Herr Schaible sah schon die ganze zeit in unsere Richtung. „Also Lara und Kathrina...äh...Kate, ich finde es ja super dass ihr euch auf anhieb so gut versteht, aber euer Gespräch kann doch bestimmt bis zur Pause warten oder? Sind doch nur noch 20 Minuten.“ Er wollte sich grade wieder der Tafel zuwenden, als er dann hinzufügte „Ach ja und Markus, hör auf zu flirten. Außerdem hab ich dich vorher auf dem Flur noch mit einer ganz anderen Händchen haltend gesehen.“ Allgemeines Gelächter. Markus setze nur ein Macho-Lächeln auf und wandte sich dann wieder den Aufgaben zu. „Mann der Typ ist echt cool!“ nuschelte ich in Laras Richtung. „Welcher? Markus oder der Schaible?“ „Beide.“ Meinte ich nur und wir grinsten uns an.

Der Vormittag verging relativ schnell. Wir hatten noch Englisch, Geschichte und Chemie. Wir waren alle total happy, als wir unseren Stundenplan bekamen. Jeden Montag nur 4 Stunden Schule! Das war echt genial. Und die Lehrer waren größtenteils in Ordnung. Nur beim Namen des Französisch Lehrer stöhnte die ganze Klasse auf. Herr Baumann. Anscheinend war der sehr, sehr schlimm. „Also der kann nicht mal selber Französisch und dann will er’s uns beibringen. Außerdem sind die Arbeiten von dem immer richtig übel schwer. Ich weiß noch wir hatten letztes Jahr mal nen Schnitt von 5,1 bei dem. Okay wir ham die Arbeit dann noch mal geschrieben aber da warn wir dann auch nicht sooo viel besser.“ Erklärte mir Lara.
Alles in allem war ich ganz zufrieden mit meinem Ersten Schultag. Ich verstand mich mit dem Großteil der Klasse auf Anhieb gut. Ausnahmen waren Karin, Maren und Saskia. Das waren wirklich die Oberzicken!
Eine zusätzliche Aufheiterung des Vormittags war, als die drei plötzlich vor mir standen.
„Sag mal du kommst doch aus Magdeburg, kennst du die von Tokio Hotel?“ na die waren aber direkt. Lara stand neben mir und musste schnell flüchten. Weil sie sonst bestimmt sofort losgelacht hätte.
„Ähm, sollte ich die etwa kennen? Ich bin ganz froh, dass ich es nicht tu, die Musik von denen kotzt mich mal übel an!“ da waren die drei aber baff. Sie hatten wahrscheinlich erwartet, dass ich ihnen sofort die Handynummern der Jungs gebe oder so.
„Hey als di machen echt gute Musik! Außerdem sieht Tom mal übel geil aus. Naja aber du hättest ja eh keine Chancen bei dem. Der ist viel zu gut für dich!“ Karina funkelte mich zornig an. Ich rollte innerlich schon auf dem Boden vor Lachen. Solche Leute liebe ich ja. Zum schießen! „Da hab ich kein Problem mit. Aber du hast bestimm total gute Chancen bei dem, hab ich recht?“ „Ja! Wenn der mich sieht is er mir bestimmt sofort verfallen!“
Oh man! Von was träumt das arme Mädel denn Nachts? Mir viel es immer schwerer mein Lachen zu unterdrücken. Zum Glück kam Lara und rettete mich „Du Kate kommst du mal? Ich wollt dir doch noch die Cafeteria zeigen!“ Und weg waren wir.
Kaum waren Maren, Karina und Saskia außer Sichtweite brachen wir in schallendes Gelächter aus. Ich konnte mich nur noch schwer auf den Beinen halten und Lara musste vor lauter lachen sogar in die Knie gehen.
Die Leute um uns herum schauten uns nur komisch an, doch dass störte uns nicht. Also wir uns endlich wieder gefangen hatten tat mir schon richtig der Bauch weh.
Ja mein erster Schultag hier war echt nicht schlecht.


Kapitel 12

Ich hatte noch nicht mal meine Schuhe ausgezogen und stürmte schon hoch in mein Zimmer. Ich wollte sofort Gustav anrufen. Hoffentlich haben die grad auch Mittagspause oder so aber ich denke schon. Die müssen ja auch mal was essen.
Kaum war ich in meinem Zimmer angekommen schnappte ich mir mein Telefon schmiss mich aufs Sofa und tippte Gustavs Nummer ein.

*tuuuut**tuuuut*
„Wunderschönen guten Tag!“ na der klang aber fröhlich. Naja wenn man grad 18 geworden ist, ist das ja auch kein Wunder oder?
„Heyhey! Ich bin’s Kate! Ich wünsch dir alles, alles, alles, alles Gute zum Geburtstag!“
„Vielen herzlichen Dank! Freut mich, dass du an mich gedacht hast!“
„Als ob du was anderes erwartet hättest. Immerhin is ja heute dein 18. Naja okay wenn ich ehrlich bin is es mir erst heute morgen wieder eingefallen, aber ich habs nicht vergessen!“
Ich sah Gustav schon richtig vor mir wie er grade anfing zu grinsen.
„Hey Gusti was gibt’s denn da tolles zu grinsen? Mach mal Lautsprecher an!“ hörte ich ganz leise aus dem Hintergrund. Das hörte sich an wie Tom, könnte aber auch Bill gewesen sein, es war so leise, dass ich es nicht richtig erkennen konnte.
„Jaja schon passiert. So Jungs, Kate is dran.“
„Hallo Kate!“ kam es von den drei anderen gleichzeitig.
„Hey Jungs! Ähm ach ja und Gustav, dein Geschenk bekommst du dann halt erst in drei Wochen, wenn ihr hier seid, dann kann ich’s dir auch persönlich geben.“
„Ach du musst mir doch nichts schenken. Aber freuen tut’s mich natürlich trotzdem!“
Jaja so ein kleiner Schwindler! Von wegen ich muss ihm nichts schenken. Wenn er nur das Wort Geschenke hört wird er schon zum Kleinkind und will immer alles gleich haben. So ist er halt. Total niedlich *g*
„Und was ich noch fragen wollte, wann kommt ihr denn eigentlich an? Vielleicht können Lara und ich euch dann ja schon mal im Hotel oder so besuchen oder ihr könnt auch mal herkommen und mein neues Zuhause bewundern. Außerdem muss ich dann das Geschenk nicht mit zum Konzert schleppen.“
„Joar also, wir kommen irgendwann Mittwochnachmittag an. Also 2 Tage vor dem ersten Konzert. Extra für dich so eingeplant!“, kam es von Tom.
„Des ist aber lieb von euch! Wie wär’s wenn ihr mich dann anruft wenn ihr da seid und sagt in welchem Hotel, dann kommen Lara und ich mal vorbei und wir können uns ja dann immer noch überlegen was wir machen wollen.“
„Okay ich denk mal, dass das klar geht.“ meinte nun Bill.
„Und wehe ihr vergesst mein Geschenk!“ Soso, hab ich’s mir doch gedacht. Der wird sich nie ändern.
„Werden wir nicht, keine Angst! Also ich muss dann mal Schluss machen. Meine Mutter ruft schon die ganze zeit, irgendwas mit Mittagessen. Bin ja grad erst aus der Schule gekommen.“
„Na dann lass es dir schmecken!“ meinte Georg
„Jep, werd ich machen. Und feiert noch schön mit unserm Geburtstagskind!“
„Als ob wir was anderes vorgehabt hätten!“ rief Tom. Er war anscheinend nicht mehr direkt beim Telefon, deswegen war seine Stimme auch sehr leise.
„Na dann viel spaß! Macht’s gut!“
„Jep du auch! Ciao!“

So und jetzt erst mal was essen! Ich hatte beim telefonieren gar nicht gemerkt, wie hungrig ich eigentlich war. Aber jetzt knurrte mein Magen wie verrückt also rannte ich die Treppe runter, direkt in die Küche.
„Na lässt sich meine Tochter auch mal Blicken?“ meine Mutter sah von ihrem Teller auf und blickte mich vorwurfsvoll an, „Ich hab dich schon vor 15 Minuten gerufen und du hast nicht mal geantwortet!“
„Tschuldigung! Aber ich musste doch noch Gustav zum Geburtstag gratulieren! Ich hatte sowieso schon so ein schlechtes Gewissen, weil mir erst heute Morgen eingefallen ist, dass er doch heute 18 wird. Und da musste ich dann halt gleich anrufen! Bist du jetzt böse?“
„Ach was, vergeben und vergessen! Wie könnte ich denn auf dich böse sein Du wolltest doch nur deinem Freund gratulieren. Aber das nächste mal könntest du mir wenigstens vorher mal hallo sagen.“ „Okay Mom! Werd ich machen!“
Meine Mutter war echt cool. Ach ja ich liebe meine Mom! Auch wenn sie manchmal ein bisschen streng ist, ist sie echt klasse.
Mein Magen knurrte schon wieder und meine Mutter fragte mich schließlich mit einem Grinsen im Gesicht, ob ich nicht auch was zum essen haben möchte.
Natürlich wollte ich! Gierig schlang ich ein Stück Pizza nach dem anderen herunter. Selbstgemachte Pizza von meiner Mom war einfach am Besten!

In den nächsten Wochen unternah ich sehr viel mit Lara, Felix und auch ab und zu mal was mit Lea, Markus und Stefan. Die drei waren auch echt in Ordnung, aber mit Lara und Felix verstand ich mich einfach am besten. Ich hatte mich richtig gut in Gerlingen eingelebt. Lara und ich gingen mindestens 3 Mal in der Woche zusammen joggen. Langsam wurde das echt zu einer kleinen Sucht von uns. Wenn es mal regnete, was ja zum Glück nicht so häufig vorkam, waren wir beide richtig betrübt. Aber Felix brachte uns dann mit seinen dummen Witzen immer wieder zum Lachen und so hielt die schlechte Laune nicht lange an.
Zu dem Telefonierte ich jeden Tag mit „meinen“ Jungs. Ich vermisste sie immer noch tierisch! Aber zum Glück rückte der 26. September immer näher. Dann würde ich sie endlich wieder sehn! Außerdem war ich auch total gespannt, was sie von Lara hielten. Sie war zwar ab und zu mal dabei wenn ich mit den Jungs telefonierte und unterhielt sich auch mal ein bisschen mit ihnen, aber richtig kannten sie sich natürlich noch nicht.


Kapitel 13

Endlich! Heute war es soweit. Heute war der 26. September! Ich war schon total aufgeregt und freute mich endlich meine Jungs wieder zu sehen. Ich hatte Lara um 12 Uhr abgeholt und nun saßen wir in der Straßenbahn und fuhren nach Stuttgart. Gestern Abend hatte mich Bill angerufen und mir gesagt in welchem Hotel sie waren. Steigenberger Graf Zeppelin, ein fünf Sternehotel mitten in Stuttgart.
Ich saß total hibbelig da, auf meinem Schoß das Geschenk für Gustav. Eine Dvd- Sammlung mit ziemlich vielen Horror-Filmen, von denen ich wusste, dass Gustav sie lieben würde. Außerdem war noch die neue Cd von System of a down dabei. Von Georg wusste ich, dass Gustav sie noch nicht hatte, aber unbedingt haben wollte.
„Soll ich dir das Geschenk abnehmen? So wie du rumzappelst landet es sonst noch auf dem Boden!“ ich steckte Lara die Zunge raus, gab ihr dann aber doch das Päckchen. Irgendwie hatte sie ja recht.
Ich wollte endlich da sein! Aber leider waren es noch ein paar Stationen. Ich starrte aus dem Fenster und zupfte nun an den Ketten von meinem Rock herum. Ja genau ich hatte wieder den Rock von Bill an. Der wird sich bestimmt freuen wenn er das sieht, dachte ich und musste lächeln.
„Erde an Kate! Wir sind da, wir müssen aussteigen! Komm schon!“
Endlich da! Nach ein paar Metern standen wir auch schon vor dem großen Hotel. Und was sahen wir da? Einen Haufen kreischender Mädchen. Na dass hat mir ja gerade noch gefehlt! Tapfer bahnten Lara und ich uns einen Weg durch die Masse. Und das war gar nicht so leicht. Die waren ja richtig hysterisch! Dabei war nicht ein einziger von Tokio Hotel zu sehn.
Während wir uns mitsamt dem Päckchen für Gustav zwischen den Mädchen hindurchquetschten warfen uns diese verächtliche Blicke zu. Ein Mädchen, ich schätze sie war so in unserem Alter, hielt mich am Arm fest und meinte „Ihr kommt da eh nicht rein!“ „Na das lass mal unsere Sorge sein!“ meinte Lara und grinste sie an. Das Mädchen warf uns noch einen giftigen Blick nach, aber wir standen nun schon im Hotel. Ich streckte mich erst mal. „Mann da draußen war’s aber echt eng!“ sagte ich zu Lara und lachend machten wir beide uns auf den Weg zur Rezeption. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie die Mädchen von draußen uns durch die Scheiben beobachteten.

„Was kann ich für euch tun?“ fragte uns ein Mann hinter an der Rezeption.
„Ähm ja... Könnten sie uns vielleicht die Zimmernummer von Bill und Tom Kaulitz geben?“ Bill hatte mir gesagt wir sollten ins Zimmer der Twins kommen, nur leider hatte er vergessen mir die Nummer zu sagen, aber so ist er halt.
„Na was glaubt ihr wie viele das wollen?“ meinte der Mann und schaute dabei missbilligend auf die Mädchen vor dem Hotel.
Diese waren anscheinend ganz gespannt darauf, wie wir auf die Absage reagieren würden.
„Naja aber wir sind nicht so wie die. Wir werden erwartet! Außerdem in ich nicht mal Tokio Hotel Fan.“ Meldete sich nun Lara zu Wort.
„Soso, ihr werdet erwartet. Genauso wie die anderen vor euch auch erwartet werden, hab ich recht?“
Oh man! Der Typ fängt an mich aufzuregen. Sehen wir etwa so aus wie diese hysterischen Groupies da draußen?
Der Mann musterte uns weiterhin misstrauisch und sein Blick blieb schließlich an dem Päckchen in Laras Armen hängen.
„Für wen ist das?“
„Für Gustav Schäfer. Der hatte ja vor drei Wochen Geburtstag.“ Fuhr ich ihn genervt an. Ich war kurz davor mein Handy zu holen und einen der Jungs anzurufen.
„Einen Moment! Wie heißt ihr?“
„Lara Wolf und Kathrina Kienle. Warum wollen sie das wissen?“ fragte Lara nun verblüfft.
„ Dann muss ich mich wohl bei euch entschuldigen. Die Zimmernummer ist 254, vierter Stock. Ihr werdet wohl wirklich von ihnen erwartet. Ich hab hier eine Nachricht von ihnen, dass eine gewisse Lara Wolf und eine Kathrina Kienle zu ihnen kommen wollen. Dass seid dann wohl ihr. Aber ihr müsst auch verstehen, dass ich nicht einfach jedem Mädchen, dass hier ankommt die Zimmernummer von Bill Kaulitz sagen kann. Dann wär ich wohl meinen Job Los.“
„Ach vergeben und Vergessen!“, meinte ich nun. Der Spruch mit dem meine Mutter immer ankam war echt gut, „Wir wissen ja jetzt wo wir hin müssen!“

Und schon machten wir uns auf den Weg zu den Aufzügen. Auf Treppe laufen hatte ich jetzt echt keine Lust! Im vierten Stock stiegen wir aus und schon nach ein paar Schritten entdeckte ich gar nicht weit von uns eine mir ziemlich gut bekannte Gestalt


Kapitel 14

„TOM!“ ich stieß einen Freudenschrei aus und sprang ihm in die Arme. Das sah jetzt bestimmt total kitschig auch, wie in so nem Schnulzenfilm, aber das war mir egal.
Tom drückte mich ganz fest an sich, als wollte er mich nie wieder los lassen.
„Ich vergrub mein Gesicht in seinen Dreads und fing vor Freude an zu heulen.
„Hey Kleine! Nicht weinen! Oder bin ich so hässlich, dass du von meinem Anblick heulen musst?“ Ich schaute ihm direkt ins Gesicht und musste grinsen. Man hatte der schöne Augen! Warum war mir das nie aufgefallen. „Na geht doch! Weißt du was Kate? Ich hab dich vermisst!“ sprachs und gab mir nen dicken Kuss auf die Wange „Ich hab dich auch total vermisst!“ meine Stimme klang total brüchig und Tom drückte mich noch ein kleines bisschen fester an sich.
„Hey und was ist mit mir? Hast du mich gar nicht vermisst?“ Tom ließ mich runter, damit ich mich umdrehen konnte. Ich wusste natürlich schon wer da stand, die Stimme hatte ich ja sofort erkannt. Und da stand er nun vor mir und grinste mich an.
„BILL!“ nun sprang ich auch noch dem andren Kaulitz in die Arme. „Natürlich hab ich dich auch vermisst! Für wen hältst du mich?“ „Für unsre kleine Kate. Und bei der kann man ja nie wissen!“ meinte er und zwickte mich in die Nase und gab mir genau wie Tom zuvor auch einen Kuss. Dann lies auch er mich wieder runter und ich stand jetzt endgültig wieder auf festem Boden.
„So und ich würde mal sagen du bist Lara.“ Tom hatte sich Lara zugewandt, die bis jetzt von den beiden unbemerkt neben uns gestanden hatte.
„Genau. Ich wollte euch eben nicht beim begrüßen stören, das sah einfach zu niedlich aus.“ Sie nahm das Päckchen in die linke Hand und schüttelte Tom und Bill die Hand.
„Wer ihr seid hab ich ja grade laut und deutlich gehört!“ meinte sie und grinste mich dabei an.
„Jep ich bin Bom und das ist Till. Nee spaß. Tom und Bill. Freut mich dich endlich mal kennen zu lernen.” „Und mich freuts natürlich auch. Du hast ja bis jetzt immer nur mit uns telefoniert und das auch nich grade so oft!“ „Na dann habt ihr ja jetzt genug Zeit euch richtig kennen zu lernen.“, sagte ich und grinste meine Freunde der Reihe nach an, „Wo sind eigentlich Gusti und Georg?“ mir war erst jetzt aufgefallen, dass sie gar nicht da waren. Aber kaum hatte ich die Frage ausgesprochen wurde ich auch schon von 2 Paar Armen umarmt. Die zwei zerquetschten mich fast zwischen sich.
„Jaah, ich hab euch auch vermisst!“ brachte ich gerade so raus. Die zwei lockerten ihren Griff ein bisschen, aber nicht wirklich viel. „Wir haben dich auch vermisst! Ganz arg! Und jetzt bekam ich von beiden Seiten einen Kuss aufgedrückt. Ich strahlte die beiden an. Ja ich hatte sie auch total vermisst. Gustav, meinen Teddy, der ja auch nicht viel größer war als ich und Georg mein großer Bruder, der einen aus jeder Zwickmühle wieder rausholen konnte.
Jetzt stellten sich die zwei auch Lara vor und wieder wurden Hände geschüttelt.
Danach gingen wir endlich in das Zimmer, nein besser in das Apartment der Jungs. Es war wirklich riesig. Wir ließen uns erst mal im Wohnzimmer nieder, jeder mit einem Red Bull in der Hand.

„Und was is jetzt mit meinem Geschenk? Ich hab doch gesehen, dass ihr was dabei habt!“ kam es schließlich von Gustav, nachdem wir uns eine Weile unterhalten hatten. Ich musste lachen, irgendwie hatte ich genau so was von ihm erwartet. Schnell zog ich das Päckchen unter der Couch hervor und überreichte es Gustav.
„Noch mal alles Gute nachträglich!“
Kaum hatte Gustav das Geschenk in den Händen, war das Papier auch schon ab und lag auf dem Boden.

„Boar danke schön! Is ja mega cool!“ Gustav betrachtete eine Dvd nach der anderen. Dann war er endlich bei der Cd von Soad angekommen , „Wow Kate is ja geil! Die wollte ich haben! Hab mir sogar schon vorgenommen mir die hier in Stuttgart zu kaufen! Vielen, vielen Dank!“ er stand auf, kam zu mir und umarmte mich.
„Hey aber Lara hat auch beim Aussuchen geholfen, und Georg hat mir gesagt, dass du die Cd haben willst!“ „ Na dann.“, meinte Gustav, ging zu Georg schlug ihm freundschaftlich auf den Rücken und umarmte schließlich auch noch Lara. Diese war ganz verblüfft, fing sich aber schnell wieder und grinste dann nur noch.

Währenddessen ruhte mein Blick auf Bill. Ich sah genau wie er dass Geschen verfolgte und ich hatte stark das Gefühl, als währe er gerne an Gustavs Stelle gewesen, als dieser Lara umarmte.
Aber das könnte auch nur Einbildung gewesen sein.


Kapitel 15

************aus der Sicht von Bill************
Ich freute mich schon total auf Kate. Wir hatten sie ja drei Wochen lang nicht gesehen. Naja das ist ja eigentlich nicht wirklich lang, manchmal waren wir ja auch für drei oder vier Wochen getrennt, wenn entweder sie oder wir im Urlaub waren. Aber jetzt war es irgendwie anders. Jetzt waren wir nämlich auf lange Zeit getrennt.
Außerdem war ich schon voll gespannt auf diese Lara. Am Telefon hatte sie sich immer nett und lustig angehört. Und Kate meinte, sie würde super zu uns passen. Das hört sich vielleicht komisch an, aber ich weiß wie sie das gemeint hat. Lara war anscheinend genau der gleiche Typ wie Kate. Fröhlich, aufgeschlossen und ein ganz kleines bisschen sarkastisch.

Als die zwei dann endlich da waren, wurden wir erst mal stürmisch von Kate begrüßt. Tom und mir sprang sie in die Arme, als hätte sie uns Jahre nicht mehr gesehen. Dafür wurde sie anschließend von Georg und Gustav fast zu Tode umarmt.
Lara gefiel mir auf anhieb. Sie sah wirklich sehr gut aus und hatte einfach eine tolle Ausstrahlung. Ihre Augen zogen mich richtig in ihren Bann. Sie waren grün und ich hatte das Gefühl, als würden sie leuchten. Sie erinnerten mich sehr an die Augen einer Katze und ich konnte meinen Blick einfach nicht abwenden. Sie hatte sehr bleiche Haut und rabenschwarze Haare. Ein bisschen wie Schneewittchen, dachte ich und musste schmunzeln. Schneewittchen war aber bestimmt nicht so hübsch! Außerdem waren ihre Augen leicht schräg, was ihr ein etwas südländisches Aussehen verlieh.

Als Gustav sie wegen seinem Geschenk umarmte, versetzte mir das einen kleinen Stich im Herzen. Wie gerne wär ich an seiner Stelle gewesen.
Die anderen unterhielten sich die ganze Zeit, aber ich brachte einfach kaum ein Wort über die Lippen, nur ab und zu mal ein „ja“ oder ein „nein“ und vielleicht auch mal ein „genau“. Ansonsten starrte ich die ganze Zeit Lara an. Ich wollte sie natürlich nicht anstarren, das war eher unterbewusst.

„Bill! Kommst du mal kurz mit? Ich muss mal mit dir reden!“ oh shit! Ich glaube Kate hatte etwas bemerkt. Vor ihr konnte ich einfach nichts verbergen, aber so war das nun mal mit einer besten Freundin. Sie wusste immer sofort wenn etwas nicht stimmte.
Zusammen gingen wir in mein Schlafzimmer und setzten uns dort aufs Bett.
„Na dich hat’s aber ganz schön erwischt!“
„Hä? Wie bitte?“ Sie hatte es also doch bemerkt.
„Na komm schon, ich seh doch wie du Lara die ganze Zeit ansiehst. Dich hat’s echt total erwischt!“ sie schaute mir direkt in die Augen und ich musste bekennend nicken.
„Du hast ja recht... Sie ist einfach, wie soll ich sagen...Wow! Und ihre Augen erst!“
Sie beugte sich zu mir rüber und umarmte mich.
„Das ist doch klasse!“ meinte sie und zwinkerte mir zu, „vielleicht bekommt unser Bill jetzt mal wieder ne Freundin! Würd mich echt für sich freuen!“ „Was ist klasse? Nichts ist klasse! Was ist wenn sie mich nicht mag?“ ich wusste genau, dass meine Stimme verzweifelt klang.
„Und wie die dich mag. Das seh ich doch! Ich würde sagen du redest einfach mal mit ihr. Das wird schon klappen! Vertrau mir!“

************aus der Sicht von Kate************
Unser kleiner Bill ist tatsächlich in Lara verliebt! Ich habs doch gewusst, so wie er sie die ganze Zeit angesehen hatte. Und das beste kommt noch! Lara hatte mich nämlich vorhin kurz mal zur Seite genommen und mir ins Ohr geflüstert, sie würde Bill total süß finden und ob ich ihr sagen könnte, wie er sie findet.
Na da heben sich ja wirklich zwei gefunden! Wenn das mit denen was wird, würde ich mich echt freuen. Ich glaube die passen sehr gut zusammen.

Grinsend ging ich wieder zurück zu den anderen, Bill kam mit einem verträumten Lächeln auf den Lippen hinter mir hergelaufen.
„Na was gibt’s denn da zu grinsen?“, fragte mich Tom und zog mich auf seinen Schoß. Es kribbelte total, als er mich am Arm berührte. „Also Kate was is denn jetzt schon wieder mit dir los?“ fragte ich mich in Gedanken.
„Was habt ihr denn so lange gemacht?“ Jetzt blickte ich nach oben in das Gesicht von Tom. Man diese Augen! Am liebsten würde ich darin versinken!
„Geredet.“, meinte ich nur und wandte meinen Blick von diese tollen Augen ab. „Jaja geredet, wer’s glaubt!“ kam es nun von Gustav, der mir mit einem fetten Grinsen im Gesicht gegenüber saß. Ich zwinkerte Bill aufmunternd zu. Jetzt war er an der Reihe „Jep geredet. Und wo wir gerade so schön beim Reden sind, Lara würdest du vielleicht mal kurz mitkommen? Ich muss dir was sagen!“
Na also geht doch! Lara stand verwundert auf und warf mir einen fragenden Blick zu. Ich grinste sie nur vielsagend an und weg waren die zwei.
Na hoffentlich wird das was!


Kapitel 16

„Hä hab ich da was nicht mitbekommen?“ fragte Tom verwundert und stupste mich an. Anscheinend erwartete er eine Antwort von mir.
„Na wenn du nicht bemerkt hast, was mit deinem eigenen Zwilling los ist kann ich dir auch nicht helfen. Aber ich denk mal du wirst es bald rausfinden!“ während ich redete schaute ich weiterhin Georg und Gustav an. Ich traute mich einfach nicht, noch mal in diese schokobraunen Augen zu schaun. Ich hatte Angst vor dem, was ich fühlen würde.
„Er ist „nur“ dein bester Freund, nichts weiter! Nur dein bester Freund!“ versuchte ich mir selber einzureden, aber das klappte irgendwie nicht. Ich spürte Toms Blick in meinem Nacken, ich saß ja immer noch bei ihm auf dem Schoß und mir wurde auf einmal ganz heiß.
„Ähm...Ich geh mal kurz ins Bad!“ Und weg war ich. Schnell weg von Tom. Ich hielt es in seiner Nähe einfach nicht aus. Für ihn bin ich doch auch nur eine gute Freundin. Das klappt doch eh nicht. Ich trat auf den Flur und wen sah ich da? Bill und Lara. Und sie küssten sich!
„Na dass ging aber schnell!“ sagte ich zu mir selbst. Die zwei waren eh so mit sich beschäftigt, dass sie mich nicht hörten.
Na wenigstens sind die zwei glücklich, wenn’s bei mir schon nicht geht.

************aus der sicht von Tom************
Was hab ich denn jetzt wieder falsch gemacht? Gustav und Georg waren genauso ratlos wie ich. Warum war Kate denn einfach rausgegangen? Von wegen, ich geh mal ins Bad! Ich merk doch, dass da was nicht stimmt!
„Ähm Tom? Weißt du was das grad für ne Aktion war?“ Georg klang ziemlich verwundert.
„Ähm das frag ich mich grade auch. Ich hab doch gar nichts gemacht. Ich hab doch nur...“ weiter kam ich nicht, denn bei dem was ich jetzt sah stockte mir kurz der Atem.
Bill und Lara standen vor mir. Händchenhaltend und beide hatten diesen verliebten Blick drauf.
Oha! Das war also das, von dem Kate gesprochen hatte. Wie süß! Ich grinste meinen Bruder an. „Na dann mal herzlichen Glückwunsch, würd ich sagen!“ Ich stand auf und schlug ihm, natürlich freundschaftlich, auf den Rücken.
Doch dann wanderten meine Gedanken wieder zurück zu Kate. Was war nur auf einmal mit ihr los? Sie war mir gegenüber schon die ganze Zeit so komisch.
Vielleicht ist sie ja...mein Herz machte bei dem Gedanken einen kleinen Hüpfer...Vielleicht ist sie ja in mich verliebt. Aber den Gedanken schob ich sofort wieder auf die Seite.
„Junge mach dir keine Hoffnungen! Sie ist „nur“ deine beste Freundin! Und für sie bist du doch auch nicht mehr als ein guter Freund!“, meine innere Stimme, auch Vernunft genannt, meldete sich mal wieder zu Wort , „am Besten du versuchst deine Gefühle ihr gegenüber zu ignorieren!“ das war wohl die beste Lösung. Ich wollte meine Freundschaft mit Kate einfach nicht zerstören, dafür war sie mir viel zu wichtig.
„Tom? Bist du noch da? Ich hab dich was gefragt!“ Bills Stimme riss mich wieder aus meinen Gedanken, „Hä? Was? Hab grad nich zugehört.“ Meinte ich nur verdattert. Damit hatte ich ja gar nicht gerechnet. Nicht mal in Ruhe überlegen kann man hier! „Das hab ich gemerkt! Ich wollte wissen wo Kate ist.“
„Ähm ja das wissen wir auch nicht!“, antwortete nun Gustav für mich, „Sie hat gemeint sie geht kurz ins Bad, und weg war sie. Das war vor 25 Minuten!“
Was so lange! Da war ich ja lange mit meinen Gedanken beschäftigt!
„Ich geh sie mal suchen! Ich glaub ich weiß sogar wo sie ist!“ Lara war schon auf dem Weg zu Tür. „Hey warte wir kommen mit!“ kam es nun von Bill. „Ne Jungs, dass ist glaub ich keine so gute Idee!“ und weg war sie.
Und zurück ließ sie uns vier Jungs und zwar total verwirrt.
„Mädchen...“ murmelte Gustav und wand sich dann wieder seiner neuen Dvd-Sammlung zu.


Kapitel 17

************aus der Sicht von Lara************
Ich war überglücklich! Bill hatte mir gerade gestanden, dass er auch total in mich verliebt war. Und dann, na ja haben wir uns eben geküsst. Ich war jetzt mit dem süßesten Typen der Welt zusammen! Beim Gedanken an Bill schlug mein Herz wieder schneller, fast so schnell wie bei unserem Kuss. Er war einfach umwerfend. Er war echt total anders, als die anderen Jungs. Sein Stil, seine Art und seine Augen. Seine Augen, schokobraun und man konnte wirklich in ihnen versinken! Es haben mir ja schon viele Leute gesagt, ich hätte schöne Augen, aber ich im Gegensatz zu Bills waren sie nichts!
Aber Bill war jetzt nebensächlich, ich musste Kate finden. Und ich hatte auch schon eine Idee, wo sie war.
Ich setzte mich in die Straßenbahn und fuhr zurück nach Gerlingen. Hoffentlich war sie wirklich da! Wenn nicht hatte ich wirklich keine Ahnung wo sie sein könnte! Und an ihr Handy ging sie ja auch nicht ran. „Mensch Kate, was ist denn mit dir los?“ murmelte ich vor mich hin. Dann, endlich, hielt die Straßenbahn in Gerlingen. Schnell ließ ich zur Bushaltestelle, aber ich hatte Pech. Der nächste Bus auf die Schillerhöhe fuhr erst in 30 Minuten. Da war ich zu Fuß schneller oben, obwohl ich eigentlich keine Lust hatte, die 15 Minuten da nach oben zu laufen. Aber egal, Kate war jetzt wichtiger als meine Faulheit.
Ich lief eine Weile durch den Wald und trat dann oben angekommen wieder ins Freie. Einige Meter von mir entfernt, auf dieser alten, schon halb verfallenen Mauer saß eine zusammengekauerte Gestalt.
„Kate! Süße! Da bist du ja! Ich hab mir schon voll die Sorgen gemacht!“ schnell ging ich die paar Schritte zu ihr hin. Langsam drehte sie sich zu mir um. Als ich ihr Gesicht sah, erschrak ich. Ihre Augen waren rot und verheult und die Tränen liefen immer noch in Strömen ihre Wangen hinunter, tropften auf das weiche Gras zu ihren Füßen und versickerten dann im Boden.
„Hey was ist denn passiert!“ schnell setzte ich mich neben Kate und nahm sie in den Arm. Sie klammerte sich an mich und fing nun richtig an zu weinen. Aus den stummen Tränen, die sie vorher vergossen hatte wurde ein richtiger Heulkrampf.
Ich sagte nichts, saß einfach da und streichelte ihr beruhigend über den Rücken. Nach einiger Zeit hatte sie sich langsam wieder gefangen. Nur noch ab und zu schluchzte sie und dann versiegten auch die letzten Tränen.
„Willst du mir sagen was los ist?“ fragte ich sie leise. Sie schaute mich eine Weile an, als würde sie überlegen, und fing dann aber an und schütte mir ihr Herz aus.

************aus der Sicht von Kate************
Es tat so gut Lara einfach alles zu erzählen. Meine Gefühle für Tom, meine Angst davor ihn als Freund zu verlieren, das Gefühl, dass mich überkam, wenn er mich ansah. Ich erzählte ihr einfach alles. Es war schwer anzufangen, aber dann sprudelte alles aus mir raus. Lara sagte keinen Ton, sieh hörte mir einfach nur zu. Das liebte ich an ihr, sie kann so gut zuhören ohne auch nur einen dummen Kommentar dazu abzugeben! Ich war so froh, dass ich Lara hatte! Sie war in der kurzen Zeit die wir uns kannten meine beste Freundin geworden.
Auch als ich geendet hatte schwieg sie weiter. Erst nach fünf Minuten oder vielleicht auch mehr fragte sie mich leise „Und jetzt?“ ich wusste es auch nicht. Was soll ich denn machen?
„Komm die paar Tage wo er noch hier ist stehen wir zusammen durch!“ Lara nahm mich an der Hand und half mir wieder auf die Füße. „Und jetzt gehen wir erst mal nach Hause. Ich ruf Bill an und sag dass es dir grad nicht so gut geht.“ „Hey aber du kannst schon wieder zu den Jungs gehen! Nur wegen mir musst du jetzt nicht auf Bill verzichten!“ und schon konnte ich wieder lachen. Lara grinste mich blöd an. Jetzt war sie dran mit erzählen. „Also Lara wie is es gelaufen? Also ich mein ich hab euch ja gesehn, aufm Gang aber trotzdem, wie wars?“
Lara grinste noch ein bisschen blöder und meinte dann mit verträumtem Blick, „Er ist einfach nur... Wow!“
Halt mal...So ziemlich das gleiche hatte Bill doch auch über Lara gesagt. Jetzt fing ich richtig an zu lachen. Wenn die zwei nicht super zusammenpassen, wer dann?

Langsam machten wir uns wieder auf den Weg nach Hause. Ein blick auf die Uhr sagte mir, dass wir ganze 4 Stunden dort verbracht hatten. Irgendwie kam mir das alles gar nicht so lang vor aber mein Zeitgefühl is gerade eh nicht das beste.
Bei mir im Zimmer schmissen Lara und ich uns erst mal auf das Sofa. Während Lara mit Bill telefonierte, sie erzählte ihm irgendwas von Fieber und Ruhe oder so, hing ich meinen Gedanken nach. Ich ließ meinen Blick durchs Zimmer schweifen und blieb dann bei meinem Poster hängen. Da war er, Tom, fast lebensgroß und mit diesem Tom- Grinsen. Und zum tausendsten mal fragte ich mich, wie es weitergehen soll.


Kapitel 18

************aus der Sicht von Bill************
Wir hatten Kate seit dieser Komischen Aktion gestern nicht mehr gesehen. Lara hatte mich so gegen 18Uhr angerufen und hat gemeint, Kate hätte Fieber, ihr wäre schlecht und sie liegt im Bett, braucht Ruhe.
Wir waren alle natürlich erleichtert, als wir hörten, dass sie Kate gefunden hatte. Das mit dem Fieber war ja keine so gute Nachricht aber wenigstens wussten wir jetzt was los war.
Aber ein bisschen komisch war das schon. Warum hatte Kate nichts gesagt? Warum war sie einfach weggegangen? Ich konnte es mir einfach nicht erklären. Naja sie wird schon ihre Gründe haben.
Heute würden wir zu Kate fahren. Das hatten wir so abgemacht. Wir wollten mal ihr neues Zuhause sehen. Lara würde auch kommen. Darauf freute ich mich besonders. Ich wollte die Zeit, die wir noch hatten ausnützen. Es waren ja nur noch 3 Tage und morgen und übermorgen hatten wir die Konzerte, also nicht wirklich viel Zeit für Lara und Kate.
Die zwei würden uns in Gerlingen an der Haltestelle abholen. Sollte ja nicht so schwer sein da hinzukommen. Einfach mit der U6 nach Gerlingen und dann bis zur Endhaltestelle. Das würden wir vier schon schaffen.

Gegen 12 Uhr saßen wir dann in der Straßenbahn, natürlich entsprechend gekleidet, wie immer wenn wir unerkannt bleiben wollten. Alle mit Mützen die tief ins Gesicht gezogen waren, Sonnenbrillen und Tom und ich waren auch „normaler“ angezogen als sonst. Also keine zerrissenen Jeans, keine Klamotten die mindestens 2 Nummern zu groß waren.
Wir waren nicht wirklich „verkleidet“ aber um unerkannt zu bleiben und um keine Aufmerksamkeit zu erregen reichte es allemal. Bei Gustav und Georg war das alles nicht ganz so aufwändig. Sie hatten ja sonst auch immer „normale“ Sachen an waren auch sonst nicht so auffällig wie mein Zwilling und ich.

Als wir dann in Gerlingen ausstiegen sahen wir Kate und Lara schon von weitem. Kate war tatsächlich etwas blasser als sonst, vielleicht ging es ihr immer noch nicht so gut, aber Hauptsache sie war gekommen. Ich winkte den beiden zu und sie kamen auch sofort zu uns.
Die beiden umarmten uns alle zur Begrüßung und von Lara bekam ich noch einen Kuss aufgedrückt. Dann machten wir uns auf den Weg zu Kates Haus. Während wir liefen alberten alle rum, bis auf Kate. Sie lief still neben mir her und wirkte auch etwas abwesend. Aber ich machte mir weiter keine Gedanken. Ich dachte nur, es hätte etwas mit ihrer Übelkeit oder sonstigem zu tun.

Wir mussten eine Weile den Berg nach oben, waren aber bald schon da. Die Häuser hier waren alle riesig und sahen einfach toll aus. Manche waren richtige Villen.
„Du wohnst hier schon Bonzenviertel oder?“ fragte Gustav schließlich nach dem wir schon fast vor Kates Haustür standen und die Häuser immer größer und größer wurden.
„Wir wohnen im Bonzenviertel. Lara wohnt nur 5 Häuser neben mir.“ Das war das erste Mal, dass ich Kate heute sprechen hörte, wenn man von dem „Hallo“ oder „Hi“ zur Begrüßung mal absah. „Aber die richtigen Bonzen wohnen in der Waldsiedlung.“, meinte Lara nun, „Im Gegensatz zu denen sind die Häuser hier Bruchbuden.“ „Also ich weiß ja nich“, meinte Tom, „Also wenn’s hier schon so aussieht. Wohnen da dann die Millionäre oder wie?“
„Ich denk mal so ein oder zwei werden da schon dabei sein. Aber Gerlingen ist ja auch eine der reichsten „Städte“, ich würde das hier ja nicht als Stadt bezeichnen, von Baden- Württemberg, wenn nicht sogar die reichste.“ „Also für mich is das hier schon ne Stadt! Also im Gegensatz zu Loitsche is hier wirklich viel los!“ sagte ich und legte Lara meinen Arm um die Schultern. „Dann muss ich dich ja wirklich mal besuchen kommen!“ „Aber sicher musst du das! Ich will dir ja auch mal zeigen wo ich wohn. Und dann kann ich dich auch gleich meiner Mutter und Gordon vorstellen.“ „Ja genau und dann könnt ihr zusammen Heiratspläne schmieden und Kinder machen!“ mischte sich Georg ein und alle anderen prusteten los. Also so nen Spruch hätte ich ja von Gustav erwartet, aber Georg? Ich war total geschockt! Gustav kugelte sich auf dem Boden und bekam sich einfach nicht mehr ein. „Mann...Georg...Das... das.. geil...mein Einfluss... super!“ er japste noch weiter irgendwelche unverständlichen Worte vor sich hin. Irgendwann erbarmte sich Georg und zog ihn lachend wieder auf die Beine.

Dann betraten wir endlich das Haus von Kate. Es sah von außen schon klasse aus, aber als wir Kates Zimmer betraten wurden wir ausnahmslos neidisch. Es war ja kein Zimmer, es war echt ne halbe Wohnung. Fehlte nur die Küche, aber die könnte man bestimmt noch locker in einer Ecke des Wohnzimmers unterbringen. An einer Wand hing ein großen Poster von uns.
„Damit ich nicht vergesse, wie ihr ausseht!“ meinte Kate mit einem Lächeln auf den Lippen und wir ließen uns alle aufs Sofa fallen.

************aus der Sicht von Kate************
Jetzt saßen wir alle bei mir. Ich vermied es Tom anzusehen, saß schön weit von im entfernt, am anderen Ende des Sofas neben Lara. Sie stupste mich aufmunternd in die Seite. Ja da musste ich jetzt wohl durch.
Alles in allem war der Tag mit den Jungs ganz lustig. Ich ignorierte Tom so gut es ging. Jedes mal wenn ich ihn ansah, oder wenn ich spürte das er mich ansah bekam ich eine Gänsehaut. Ich konnte einfach nicht so weitermachen wir früher. Ich konnte nicht so tun als wäre er ein normaler Freund für mich, so sehr ich es mir auch wünschte.
Falls Tom oder die anderen merkten, dass ich mich komisch benahm, sagten sie nichts. Das war mir nur recht. Und falls konnte ich vielleicht alles auf meine „Übelkeit“ schieben. Aber das war ja zum Glück nicht nötig, ich wollte sie nicht anlügen.


Kapitel 19

Nach ein paar Filmen, Final Destination 1&2; Friday the 13th; Butterfly effect und zum Schuss noch Ritter der Kokosnuss (kleine Komödie um den Abend mit viel lachen abklingen zu lassen) saßen wir dann schließlich unten in der Küche und verdrückten jeder eine Pizza.
„Ähm also Jungs sollen wir zurück zum Hotel oder sollen wir hier bleiben? Also nur wenn’s dir recht ist Kate!“ fragte Tom in die Runde. Immerhin war es schon 3Uhr Morgens. Es fuhr eh keine Straßenbahn mehr also blieb den Jungs nichts anderes übrig als hier zu bleiben. Unter normalen umständen hätte mich das natürlich gefreut aber zur Zeit war ja nichts mehr normal.
Aber ich ließ mir nichts anmerken. Das würde ich schon noch durchhalten. Und zum Glück blieb Lara auch mit da, so hatte ich wenigstens ein bisschen Trost.

Nach dem das Sofa ausgezogen war und wir festgestellt hatten, dass wir 6 da locker draufpassten legten wir uns alle hin. Oder besser gesagt legten sich Tom, Georg und, Gustav hin. Wir Mädels, und Bill gingen erst noch mal ins Bad. Abschminken.
Eigentlich wollte ich mich möglichst weit von Tom entfernt hinlegen, aber da spielten Gustav und Georg nicht mit. Nachdem Lara und Bill sich an den Rand gelegt hatten, machten sich die zwei so breit, dass mir nichts anderes übrig blieb, als mich neben Tom zu legen.
Lara warf mir einen mitfühlenden Blick zu, sie hätte bestimmt mit mir den Platz getauscht aber 1. wollte ich nicht, dass sie von Bill wegmuss und 2. wäre dass doch ein bisschen auffällig gewesen.
„Kate das schaffst du schon!“ redete ich mir selbst gut zu. Mehr konnte ich ja nicht tun. Also legte ich mich neben Tom, der mich angrinste. Wenn er bloß aufhören würde mich so anzuschaun! „Gute Nacht, Kleine!“ flüsterte er mir noch ins Ohr. Ich tat so als wäre ich schon eingeschlafen, ich hätte ja sowieso kein anständiges Wort herausgebracht. Anscheinend waren alle schon eingeschlafen, nur ich nicht. Neben mir schnarchte Gustav leise vor mich hin. Er sah einfach so niedlich, wie er da lag und schlief. Ich konnte aber einfach nicht einschlafen, die ganze Zeit spürte ich Toms Atem in meinem Nacken. Ich drehte mich kurz zu ihm um und mein Herz begann zu rasen. Da lag er, mit einem Lächeln auf den Lippen, direkt neben mir, aber doch war er für mich so weit weg. Viel zu weit!

Irgendwann muss ich dann wohl doch eingeschlafen und als ich wieder aufwachte schien mir die Sonne direkt ins Gesicht. Was für ein schöner Tag, dachte ich mir. Mein Magen knurrte hörbar und ich wollte aufstehen um etwas zu essen. Aber ich konnte mich nicht bewegen. Tom und Gustav hatten mich umklammert, Gustav lag sogar halb auf mir drauf.
„Na super! Und jetzt?“ Mein Magen knurrte schon wieder und langsam wurde mein Arm, der auf dem Gustav lag, taub. Aber ich bekam keinen von den beiden wach.
Dann hatte ich eine Idee. Ich drehte meinen Kopf leicht in Richtung Gustav und pustete ihm dann ins Ohr. Das hasste er. Und sofort war er hellwach. „Sag mal spinnst du?“ fragte er mich aufgebracht. „Dir auch nen wunderschönen guten Morgen! Sorry Gusti aber ich hab dich einfach nicht anders wachbekommen und du lagst voll auf mir drauf!“ „Ups tschuldigung“, nuschelte er jetzt.
Auf meiner anderen Seite bewegte sich auch etwas. Tom. Schnell schob ich seinen Arm von meiner Hüfte und stand auf. Tom drehte sich kurz um, murmelte etwas und schlief dann weiter. „Kommste mit was essen?“ ich wandte mich wieder Gustav zu, der immer noch auf dem Sofa saß und versuchte sich den Schlaf aus den Augen zu reiben. „Was? Ähm ja klar ich komm mit!“

Also machten wir uns zu zweit auf den Weg nach unten. Langsam wurden wir beide richtig wach und fingen an rumzualbern. Das Ergebnis war schließlich eine total versaute Küche. Na meine Mutter wird sich freuen!
„Also ich hab so das Gefühl, dass es dir heute wieder besser geht!“ ach ja mein Teddy, wie recht er doch hat. So mit ihm rumzualbern hatte mich von Tom abgelenkt.
„Jep mir geht’s wieder einigermaßen gut!“ meinte ich und grinste ihn an. „Dann kannst du ja heute auch zu unserm Konzert. Ich meine bei deiner gestrigen Verfassung wäre das ja keine so gute Idee gewesen!“ ich nickte nur und wandte mich dann wieder meinem Nutellabrot zu. Gustav und ich waren jetzt schon fast eine Stunde wach und ich hatte trotzdem noch nichts gegessen. Wenn ich mit ihm zusammen war, konnte ich einfach alles vergessen. Meinen Hunger und sogar Tom. Aber zu früh gefreut...


Kapitel 20

„Na was is denn das hier für ne Versammlung?“ Oh nein! Das war doch Toms Stimme. Okay ruhig bleiben, nichts anmerken lassen! Aus reiner Höflichkeit drehte ich mich kurz zu Tom um. Er stand im Türrahmen, nur in Boxershorts. Schnell murmelte ich ein „Morgen!“ und drehte mich dann wieder um. Auf einmal kam mir mein halbaufgegessenes Brot so interessant vor. „Sag mal bist du krank Tom? Hast du schon mal auf die Uhr geschaut? Es ist 10 Uhr Morgens und du bist wach!“ „Was? Oh okay...Ich geh wieder schlafen! Nacht ihr zwei!“
Danke Gusti! Danke du hast mich gerettet. „Sag mal is der jetzt echt wieder schlafen gegangen, Kate?“ „Ähm... Sieht ganz danach aus. Hier ist er auf jeden Fall nicht mehr!“, Ich grinste Gustav an. Und er wusste genau was ich ihm damit sagen wollte.
Es war zeit unsere 4 Langschläfer zu wecken. Also zuerst mal zwei Eimer hohlen. Mein Sofa wird’s mir schon verzeihen!
Beide mit einem mit Wasser gefüllten Eimer bewaffnet standen wir in meinem Zimmer. Tom lag tatsächlich da und schlief wieder!
„Okay ich nehm Lara und Bill, du nimmst Tom und Georg!“ raunte ich Gustav zu. Der nickte zustimmend und wir stellten uns ans Kopfende des Sofas. „Ich zähl bis drei. Und danach heißt es rennen!“ flüsterte Gustav und formte dann mit dem Mund die Zahlen „Eins...Zwei...Drei!“
Wir leerten den Vier das Wasser voll über die Kopfe und wer sagts, alle saßen sofort kerzengerade da und schrieen.
Gustav und ich grinsten uns an und rannten dann los. Zum Glück hatten Bill, Lara, Georg und Tom noch gar nicht so richtig registriert was da eigentlich passiert war.
Gustav und ich waren schon in den Garten geflüchtet (zum Glück waren wir schon richtig angezogen, denn meine Nachbarn saßen nebenan auf der Terrasse und frühstückten) als wir plötzlich Tom schreien hörten „GUSTAV! LARA! ICH BRING EUCH UM! MEINE HAARE!“ und die anderen stimmten mit ein.
Ich und Gustav bekamen uns nicht mehr ein vor lachen. Meine Nachbarn schauten auch schon sehr verwundert zu uns rüber. Als wir dann auch noch vierstimmig „IHR KLEINEN SCHISSER WO HABT IHR EUCH JETZT WIEDER VERSTECKT?!“ hörten, waren echt alle Hoffnungen und Versuche mit dem Lachen aufzuhören vergeblich.
Ich lag auf dem Rücken und konnte nur noch japsen. Mein Bauch tat schon voll weh aber ich konnte einfach nicht aufhören zu lachen. An Gustavs schmerzverzerrtem Gesicht konnte ich ablesen, dass es ihm da auch nicht besser ging.

Und dann standen sie vor uns. Vier triefend nasse Gestalten. Schlagartig verstummten Gustav und ich, aber nur um aufzustehen, die wütenden Gesichter der anderen zu sehen und dann wieder loszulachen.
„Jetzt seid ihr zwei dran!“ die drei anderen stimmten Georg zu und ehe wir uns versahen hatten Bill und Georg sich schon auf mich und Tom und Lara auf Gustav gestürzt.
Sie kitzelten uns richtig durch, was ,wenn man bedenkt dass Gustav und ich eh schon kaum Luft bekamen vor lauter lachen, fast zu unserem Tod geführt hat. Kann man eigentlich todgekitzelt werden? Diese Frage hatte ich mir schon öfters gestellt. Aber bevor es soweit kam ließen die vier dann doch von uns ab.
„Ich hoffe ihr habt jetzt die nächsten Wochen tierischen Muskelkater! Das wär dann nur gerecht!“ brummte Lara und wischte sich eine nasse Strähne aus dem Gesicht.
„Und ich dachte du magst mich!“ Tom schaute mich mit diesem Dackelblick an.
Oh nein scheiße! Mir gings gerade so gut! Ich hatte mal ausnahmsweise keinen Gedanken an Tom „verschwendet“ aber jetzt wurde mir wieder eiskalt klar „Mädchen du bist hoffnungslos in deinen besten Freund verliebt!“ Schnell drehte ich mich weg. Ich konnte einfach nicht länger in diese Augen sehen. Warum musste ich mich auch in meinen besten Freund verlieben? In einen, der eh nur mit den Mädchen spielt, der noch nie eine ernste Beziehung hatte. Wie kann ein Mensch nur so doof sein wie ich?
Aber es war nun mal so. Das einzige, was ich tun konnte, war Tom so gut wie möglich zu ignorieren.


Kapitel 21

************aus der Sicht von Tom************
Ich verstand einfach nicht, was mit Kate los war! Sie war schon die ganze Zeit so komisch. Naja nicht die ganze Zeit, als sie uns im Hotel begrüßt hat, war sie noch normal. Aber jetzt? Das war nicht die Kate die ich kannte, die Kate die ich liebte. Ich hatte das Gefühl, sie würde mich ignorieren. Immer wenn ich sie ansprach wendete sie sich ab oder gab nur knappe Antworten. Was hab ich ihr denn getan? Mit ihr reden konnte ich ja nicht! Ich konnte sie nicht mal fragen was ich ihr getan hatte, sie redete ja nicht mit mir. Sollte ich mit Bill darüber reden? Lieber nicht. Er war gerade so glücklich mit Lara und die zwei hatten ja auch nur noch so wenig Zeit zusammen, ich wollte ihn jetzt nicht mit meinen Sorgen belasten.
Wenigstens konnte ich Kate sehen. Das war ja auch schon mal was. Auch wenn sie mich nicht ansah, nicht mit mir redete, ich konnte sie sehen. Ich könnte Stundenlang dasitzen und sie ansehen. Sie ist so wunderschön! Ich muss versuche, die kurze zeit die ich hier bei ihr bin zu genießen! Auch wenn ich sie nur ansehen kann.
Sie wird heute Abend auch zu unserem Konzert kommen. Sie und Lara werden da sein, mit Plätzen in der ersten Reihe. Und Backstage dürfen sie natürlich auch. Ich bin froh das Kate kommt. Ihre Anwesenheit munterte mich irgendwie immer auf.

Langsam mussten Bill, Georg, Gustav und ich uns auf den Weg machen. Von David würden wir mal wieder was zu hören bekommen, aber er ist ja nie wirklich sauer auf uns und er wird schon verstehen, dass wir eben so viel Zeit wie möglich mit den Mädels verbringen wollten.
„Na Tom über was denkst du nach?“ fragte mich Georg als wir in der Straßenbahn saßen.
„Mhm...Konzert heute Abend.“ Antwortete ich ihm nur knapp ohne meinen Blick vom Fenster abzuwenden. Damit gab er sich anscheinend zufrieden und fragte nicht weiter nach.
Naja mein Schweigen fiel auch nicht so auf, die anderen redeten nämlich auch nicht viel sonder hingen ihren Gedanken nach.

************aus der Sicht von Kate************
Um 17Uhr machten Lara und ich uns fertig für das Konzert, wir hatten echt total Glück, dass diese Woche so ein komisches Projekt bei uns an der Schule war. Alle ab der 9. Klasse hatten da nämlich Schulfrei. Ich hatte aber irgendwie nicht ganz verstanden um was es da ging. Anscheinend hatten unsere kleinen an der Schule irgendein Anti-Drogen-Irgendwas-Projekt. Ich verstand nicht so wirklich um was es da ging. Naja also das Anti-Drogen verstand ich schon, aber nicht warum die anderen dann keine Schule hatten.
Aber war ja auch egal. Lara und ich hatten schulfrei und nur das zählte für uns. Als unser Klassenlehrer mit der Nachricht ankam wär unsere Klasse fast ausgetickt. Ich meine wann bekommt man schon mal einfach so ne ganze Woche frei?
Und für mich und Lara hieß das, wir hatten noch mehr Zeit für die Jungs, mussten uns nicht um irgendwelche Schulsachen kümmern.

Ich stand gerade bei mir vor dem Kleiderschrank und überlegte, was ich anziehen sollte. Lara hatte ihren Kopf auf meine Schulter gelegt und betrachtete nun meine Klamotten.
Am Schluss hatte ich mich dann für einen schwarzen Mini, blutrotes Top mit einer schwarzen Rose drauf und natürlich meine Chucks. Meine Haare ließ ich offen, half meinen Locken aber noch ein bisschen mit einem Lockenstab nach.
Lara hatte einen Olivgrünen Mini und ein schwarzes Top mit der Aufschrift „Rockerbraut“ und wie ich hatte sie Chucks an. Die Haare hatte sie zu einem hohen Pferdeschwanz zusammengefasst, nur ein paar Strähnen ließ sie ins Gesicht hängen. Wir schminkten uns noch und waren dann kurz vor 18 Uhr fertig.

Zusammen machten wir uns auf den Weg zur Schleyer-Halle. Als wir dort ankamen erwartete uns eine riesige Menschenmenge, hauptsächlich kreischende Mädchen. Lara und ich sahen uns an, verdrehten die Augen und machten uns dann auf die suchen nach einem dieser Security-Typen, der uns dann Backstage bringen konnte. Es war auch gar nicht so schwer einen zu finden. Diese Schränke waren ja nicht zu übersehen.
Als wir dann bei ein besonders großen angekommen waren, der gerade dabei war eine Horde hysterischer Mädels zu beruhigen und wir ihm unsre Backstage-Pässe zeigten, flippten die Mädchen völlig aus. Der Typ winkte kurz einen seiner Kollegen heran, der uns dann auch endlich Backstage brachte. Die Mädels schrieen uns üble Schimpfwörter und Verwünschungen hinterher, aber das juckte uns eigentlich nicht.
„So Mädels wir sind da.“ Und weg war der Typ auch schon wieder. Ich und Lara standen jetzt vor einer Tür mit einem Schild, auf dem groß TOKIO HOTEL stand.
„Na dann wollen wir mal!“ meinte Lara und klopfte.


Kapitel 22

Als wir den Raum betraten, wurden wir erst mal nur von Georg begrüßt. Der saß auf einem Sofa, zwischen Tom, der abwesend auf die Dose Red Bull in seiner Hand starrte und Gustav, der mit verträumtem Blick auf seinen Beinen herumtrommelte. Bill lief während dessen die ganze Zeit nervös auf und ab. Ich ging mit einem „Hi Bill.“ An ihm vorbei und er drehte sich erschrocken um. Anscheinend hatte auch er noch nicht bemerk, dass Lara und ich da waren. Er murmelte ein kurzen „Hi“ ging dann zu Lara, küsste sie flüchtig und setzte dann seinen Weg quer durchs Zimmer fort.
„Nimms dir nich zu Herzen Lara,“ sagte Georg als wir uns neben Gustav aufs Sofa fallen ließen. Lara war tatsächlich ein bisschen verdutzt über die flüchtige Begrüßung von Bill , „Der ist vor den Konzerten immer so nervös. Der is grade nicht wirklich ansprechbar. Genauso wie die zwei andren.“ Er deutete auf Tom und Gustav, die uns anscheinend immer noch nicht bemerkt hatten.
Ich beugte mich etwas vor und war jetzt mit meinem Gesicht genau vor Gustav. „Hey Gusti!“ grinst ich ihn an und er fuhr erschrocken hoch. „Oh...Hab euch gar nicht bemerkt.“ Meinte er , „bin grad ein bisschen neben der Spur.“ „Haben wir gemerkt!“ meinte Lara nun lachend.
Jetzt sah auch Tom von seiner Dose auf „Hey Mädels!“ seine Stimme klang ein bisschen komisch. Irgendwie heiser. Na zum Glück war er nicht der Sänger. Dann sah er mir direkt in die Augen. In seinem Blick lag etwas fragendes und auch etwas trauriges. Schnell drehte ich mich zu Lara um und meinte „Ich muss mal aufs Klo. Kommst du mit?“ sie nickte und wir standen beide auf. „Zweite Tür rechts.“ Rief uns Georg noch nach als wir gerade die Tür hinter uns schlossen.

Draußen ließ ich mich an der wand hinabsinken.
„Hey Süße! Was war denn auf einmal?“ Lara kam zu mir und nahm mich in den Arm.
„Ich...Tom...Also...Er...“ „So du beruhigst dich jetzt erst mal! Komm wir gehen ne Runde laufen. Frische Luft tut gut. Und wir haben eh noch ne halbe Stunde bis das Konzert anfängt!“ Gesagt getan. Nach wenigen Minuten standen wir dann auch schon draußen. Es war immer noch recht warm, obwohl es schon langsam auf Oktober zuging. Wir gingen ein bisschen planlos durch die Gegend und setzten uns dann auf eine Bank. „Also und jetzt noch mal. Was war denn vorhin los?“
Ich holte noch kurz tief Luft und fing dann an, „Er, Tom, er hat mich vorhin so angesehen, direkt in die Augen und er sah so traurig aus! Ich konnte das einfach nicht sehen!“ „Ach Süße du tust mir so leid!“ Lara nahm mich wieder in den Arm. Es tat so gut zu wissen, dass ich jemand hatte, der immer für mich da ist. „Du Lara?“ „Hm?“ „Versprichst du mir was ?“ „Was denn?“ „Wir bleiben für immer befreundet okay?“ „Natürlich! Versprochen!“ „Gut. Ich versprechs auch!“ Langsam hatte ich mich wieder beruhigt und wir beschlossen wieder reinzugehn.

Lara hatte gerade die Hand nach dem Türgriff ausgestreckt, als diese auch schon aufgerissen wurde. Vor uns standen die vier Jungs und einer dieser Security-Typen. „Na ihr wart aber lange aufm Klo!“ stellte Gustav verwundert fest und wir mussten grinsen. „Also wir müssen jetzt los, und ihr eigentlich auch. Shorty bringt euch dann zu euren Plätzen!“ ich musste noch ein bisschen breiter grinsen. Shorty, dass passte ja mal garnich zu diesem Riesen! „Ja ich weiß, aber früher war ich immer so klein, dass mich alle Shorty genannt haben. Die konnten ja auch nicht wissen, dass ich mal so groß werde!“ „Sag mal hab ich das grade laut gesagt?“ nuschelte ich Lara zu. Diese nickte nur und grinste mich dann blöd an. Ups... Ich sollte mir das wirklich mal abgewöhnen.
„Also Mädels, dann wolln wir mal!“ meinte Shorty und wir machten uns auf den Weg. Einfach immer dem Gekreische nach


Kapitel 23

Wir hatten echt total geile Plätze. Erste Reihe genau in der Mitte, so konnten wir alles perfekt sehn. Naja aber irgendwie hatte ich auch nichts anderes erwartet. Ich war leider noch nicht auf so vielen Konzerten der Jungs, weil ich einfach keine Zeit hatte, krank war, oder einfach wegen der Schule total im Stress war. Aber bei den paar, bei denen ich schon war, hatten ich und Annika, eine gute Freundin von mir, immer solche Plätze gehabt.

Das Konzert war einfach nur geil! Lara und ich rockten richtig ab. Sie fand die Musik der Jungs inzwischen „ganz annehmbar“ und obwohl Tokio Hotel (von der Musik her) nicht gerade ihre Lieblingsband war, hatte sie doch ihren Spaß auf dem Konzert.

Als sich die Halle dann endlich leerte, blieben wir noch stehen und warteten darauf wieder zu den Jungs zu kommen. Währenddessen unterhielten wir uns natürlich über das Konzert. Lara war wirklich begeistert.
„Also Live sind die ja wirklich nicht schlecht! Eindeutig besser als auf Cd. Und mein Schatzi kann ganz toll singen!“ sie grinste mich überglücklich an , „Du Kate hab ich mich eigentlich schon bei dir bedankt?“ Verwundert schaute ich meine inzwischen beste Freundin an „Ähm... Für was denn?“ „Na durch dich haben Bill und ich uns doch erst kennen gelernt! Also ganz ehrlich, danke!“ jetzt grinste ich Lara an, „War mir ein Vergnügen Frau Wolf, so was mach ich immer wieder gerne!“ „Naja aber jetzt is das ja nicht mehr nötig oder? Jetzt hat sie ja mich!“ erschrocken fuhren ich herum. Und wer stand da? Natürlich, Bill. Er kam zu uns, umarmte erst mich und gab dann Lara einen Kuss, „Also dann bedank ich mich auch mal bei dir! Ich mein ohne dich hätte ich mich ja nicht mal getraut Lara zu sagen, dass ich voll in sie verliebt bin!“ Bei so viel Lob wurde ich mal wieder richtig rot. Die beiden grinsten mich an und es sah einfach total süß, wie sie da standen, Arm in Arm und sich dann total verliebt anschauten. Ich freute mich so für die zwei. So ein schönes Paar wie die sieht man nicht oft und ich hoffte wirklich, dass es noch lange hält! „Ach ja ich bin auch stolz auf mich. Da hab ich aber echt ein schönes Pärchen zusammen gebracht!“ meinte ich nun und das Grinsen auf ihren Gesichtern wurde noch um einiges breiter, falls das überhaupt noch ging.

„Also ich stör euch ja nur ungern, aber Bill wir sollten langsam mal wieder zurück ins Hotel!“ David kam auf uns zu, „Und zwar alleine! Ich will nicht, dass ihr wieder die ganze Nacht durchmacht, ihr habt morgen noch ein Konzert! Und ihr seht gerade nicht so fit aus!“ „Is ja gut Papa!“ entgegnete Bill leicht säuerlich. „Ja ich weiß, die anderen haben auch schon gemeckert aber die zwei können ja morgen wieder kommen und was ihr dann nach dem Konzert macht ist mir relativ egal, solang es nichts verbotenes is!“ meinte David nun und grinste uns an.
„Also dann bis morgen ihr zwei! Tschüss Süße!“ Wieder gab Bill Lara einen Kuss und umarmte mich. Dan ging er auch schon zusammen mit David weg.
„Na toll. Jetzt ist er eh nur so kurz hier und dann so was!“ Lara klang wütend und traurig. Ich verstand sie gut. Aber ich verstand auch David. Die Jungs hatten heute schon nicht so viel geschlafen und würden dann womöglich morgen auf der Bühne einschlafen. Obwohl das bestimmt ganz lustig gewesen wäre.

Etwas geknickt machten Lara und ich uns auf den Heimweg. Das einzig gute an Davids Beschluss war, dass ich Tom nicht noch mal unter die Augen trete musste. Aber er fehlte mir auch total. Ich wünschte mir die zeit zurück, als ich einfach nur Freundschaft für ihn empfand.
Damals war alles noch so unkompliziert.


Kapitel 24

„Willst du heute bei mir schlafen?“ riss mich Lara aus meinen Gedanken. „Ja klar, gerne!“ meinte ich und lächelte sie müde an. Ich war tatsächlich total müde oder vielleicht auch nur lustlos, dass kommt bei mir aufs Gleiche raus. „Na dann steh mal auf oder willst du hier vergammeln?“ „ Wie? Sind wir schon da?“ „Jep und jetzt raus mit dir!“ Oha das hatte ich ja mal gar nicht bemerkt! Na ein Glück das wir immer an der Endhaltestelle aussteigen müssen. Da hält die Straßenbahn ja dann ne Weile bis sie wieder zurückfährt

Irgendwie kamen wir dann bei Lara an. Naja zuerst waren wir noch bei mir und ich hab mir ein paar Sachen zusammengesucht. Ich war irgendwie immer noch total durch den Wind und mit meinen Gedanken ständig bei Tom. Aber Lara schaffte es dann schließlich mich abzulenken. Mit 4 ziemlich schlechten Filmen. Ich wusste nicht mal wie die hießen aber sie waren einfach so schlecht, dass sie schon wieder richtig geil waren! Lara und ich kamen aus dem Lachen einfach nicht mehr raus. Ich wusste gar nicht, warum Lara für so einen Müll überhaupt Geld ausgegeben hatte, aber irgendwie hatte es sich dann doch gelohnt.
Nach dem dritten Film waren wir dann so erschöpft vom Lachen, dass wir einfach nebeneinander auf Laras Bett einschliefen, ohne uns umzuziehn, ohne den Fernseher auszuschalten, nur das Licht schalteten wir noch aus. Zum Glück war der Schalter direkt neben dem Bett, sonst hätten wir noch nicht mal das geschafft.

Mitten in der Nacht, besser gesagt um 4Uhr morgens wachte ich dann auf. Ich hatte mal wieder von Tom geträumt. Dann war mir ein Gedicht eingefallen. Sowas war mir schon öfter passiert. Mir war im Traum irgendwas eingefallen und ich wachte dadurch auf. Ich stand auf und suchte nach einem Zettel und einem Stift. Wenn ich das nicht aufschreiben würde, würde ich es bis zum Morgen wieder vergessen. So war das eben bei mir. Träumen, aufwachen, aufschreiben, wieder schlafen und dann am nächsten Morgen erst merken, was ich da (manchmal) für einen Müll geschrieben hatte.
Nach einigem Suchen hatte ich dann endlich einen Kuli und einen Zettel gefunden und konnte mein Gedicht aufschreiben.

Was nützt es dich zu lieben? Du wirst ja doch nicht mein.
Denn hoffnungslose Liebe, lebt nur von Träumerein.
Ach hätten meine Augen die deinen nie gesehn,
So könnt ich jetzt ganz ruhig an dir vorüber gehen.
Und hätten deine Hände die meinen nie berührt,
Dann wüsst ich nicht auf Erden, wie man wahre Liebe spürt.
Wohin ich auch sehe, ich sehe nur dein Gesicht,
Denn bremsen kann man wahre Liebe nicht...



Zufrieden, mit dem was ich da geschrieben hatte legte ich mich wieder neben Lara und schlief wieder ein.


Kapitel 25

Am nächsten Morgen wurden wir von Laras kleinem Bruder geweckt. Tobi war ja eigentlich ganz süß, aber mit seinen 5 Jahren leider schon ziemlich nervig.
„Verschwinde!“ nuschelte Lara in ihr Kissen als er gut gelaunt ins Zimmer gehüpft kam. Aber leider hörte er nicht auf seine große Schwester. Stattdessen machte er dass Licht an und sprang zu uns ins Bett. „Aufstehn! Mama hat gesagt ich soll euch wecken!“ langsam hob ich meinen Kopf und blinzelte ins Licht. Mein Blick viel auf den Wecker von Lara. 14.25 Uhr. So lange hatte ich doch gar nicht geschlafen! Ich drehte mich auf den Bauch und vergrub meinen Kopf im Kissen, „Will nich aufstehn!“ grummelte ich vor mich hin, doch Tobi hatte es sich wohl in den Kopf gesetzt uns zu wecken. Jetzt zog er uns langsam die Decke weg. Neben mir begann Lara zu murren „Womit hab ich das verdient? Ich will SCHLAFEN!“ Toni streckte ihr nur die Zunge raus und rannte dann, mit unseren Decken unterm Arm, was bei so einem kleinen Jungen sehr lustig aussah, aus dem Zimmer.
„Weißt du eigentlich wie gut du es hast? Einzelkind! Ein Traum!“ Lara stand auf und suchte sich Sachen zum Anziehen zusammen. „Naja aber manchmal ist er doch ganz nett. Und als Einzelkind ist es auch nich immer so toll. Ich hätte gerne Geschwister!“ „Wir können ja mal tauschen!“ „Vielleicht irgendwann mal.“ Zusammen machten wir uns auf den Weg ins Bad. Nach dem ich mir ein bisschen kaltes Wasser ins Gesicht gespritzt hatte war ich endgültig wach.
Danach gingen wir „Frühstücken“. Eigentlich war es ja sogar schon zu spät zum Mittagessen, aber Laras Mutter hatte uns extra was aufgehoben und machte es sogar noch für uns warm.
Gierig machten wir uns über die Spagetti her. Wir hatten beide total Hunger, aber das war ja auch kein Wunder. Wir hatten das letzte Mal vor dem Konzert gegessen und das war ja schon eine ganze Weile her.

Nach dem Essen verabschiedete ich mich von Lara. Ich ging nach Hause, legte mich erst mal in die Badewanne und machte mich nach einem fast 2-Stündigem Bad auch schon wieder fertig für das heutige Konzert.

************aus der Sicht von Lara************
Morgen würde Bill wieder gehen. Der Gedanke daran machte mich traurig. Aber er hatte mir schon gesagt, dass sie bald ein paar Tage „Urlaub“ hatten und er hatte mich eingeladen ihn dann in Loitsche zu besuchen. Aber trotzdem, bis dahin würde ich ihn eine ganze Weile nicht mehr sehn.
Ich suchte gerade mein Outfit für heute Abend zusammen, als ich auf einen kleinen Zettel stieß. Es war Kates Handschrift, das erkannte ich sofort, auch wenn sie ein bisschen krakeliger war als sonst.
Was ich da las war ein wunderschönes Gedicht. Ich wusste sofort, dass es auf Tom bezogen war. Es war so traurig, aber auch total schön. Ich steckte den Zettel ein, damit ich ihn Kate nachher geben konnte.
Eine halbe Stunde später stand sie dann auch schon vor mir, perfekt gestylt und mit einem Lächeln auf den Lippen.
Ich holte den Zettel wieder aus meiner Rocktasche, „Hier, hast du liegen gelassen!“ zuerst schaute sie mich etwas verdutz an, dann erkannte sie ihr Gedicht. „Wie findest dus?“ wollte sie schließlich von mir wissen. „Total schön! Wenn die richtige Zeit gekommen ist, kannst du es bestimmt mal Tom zeigen!“ ich schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln. „Wenn sie überhaupt kommt!“ Kates Stimme klang betrübt. „Bestimm!“


Kapitel 26

Knapp 30 Minuten später standen wir auch schon wieder vor der Schleyer-Halle. Es war genauso viel los wie gestern, wenn nicht sogar noch mehr. Die kreischenden Mädels hörte man bestimmt noch im Umkreis von 20 Kilometern! „Ach ja das war es, was ich die ganze Zeit vermisst hab!“ grummelte Kate leicht angenervt und war mal wieder mit mir voll einer Meinung. „Ob du’s glaubst oder nicht, das Gleiche wollte ich grad auch sagen.“ Sie hob den Kopf, streckte mir kurz die Zunge raus und dann machten wir uns auch schon wieder auf den Weg zu unseren Plätzen. Wir waren schon so spät dran, dass es sich nicht lohnen würde noch mal Backstage zu gehen. Aber na ja nachher hatten wir ja noch genug Zeit. Was hatte David noch mal gesagt? Es war ihm egal was wir dann machten! Na das hätte er lieber nicht sagen sollen, wenn’s nach mir geht gibt’s nämlich erst mal ne riesen Abschiedsparty!

Wir drängelten uns an ein paar Mädels vorbei, die uns daraufhin anschrieen und beschimpften und trafen dann zum Glück auf Shorty. Der erkannte uns sofort und kam lächelnd auf uns zu „Na Mädels, lang nicht mehr gesehn! Ihr wollt bestimmt zu euern Plätzen, hab ich recht?“
„Na klar!“ erwiderte ich und Kate und ich schüttelten ihm zur Begrüßung die Hand.
Dann bahnten wir uns weiter unseren Weg durch die Menge. Das ging mit Hilfe von Shorty gleich viel leichter! War ja auch nicht anders zu erwarten. Es gab natürlich immer noch einige Mädchen, die rummeckerten, aber sobald Shorty ihnen damit drohte sie rauszuschmeißen waren sie auf einmal ruhig und brav wie kleine Lämmchen. Ach ja mir gefiel diese Sonderbehandlung und ich glaube Kate ging es genauso. Vor allem für mich als nicht TH-Fan war das natürlich super. Nach einigen Minuten waren wir dann auch schon wieder direkt vor der Bühne und kurze Zeit später begann dann auch schon das Konzert. Irgendwie gefiel mir die Musik immer besser. Aber vielleicht lag das auch nur daran, dass die Stimmung heute sogar noch geiler war als gestern und dass Bill mich die ganze Zeit total süß angrinste. Er war wirklich mein absoluter Traumtyp!

************aus der Sicht von Kate************
Genau wie gestern rockten Lara und ich mal wieder richtig ab! Bei der Musik und der mega Stimmung konnte ich irgendwie meine ganzen Probleme vergessen. Ich war echt total aufgedreht aber leider verging das Konzert mal wieder schneller als man denkt. So ist das eben, wenn etwas richtig toll ist, ist es ruck zuck wieder vorbei, aber dafür langweilt man sich bei den miesen Sachen immer richtig ewig!
Als die Jungs die Bühne verlassen hatten kam auch gleich Shorty auf uns zu, half uns über die Absperrung (was uns mal wieder ein paar giftige Blicke der anderen Mädchen einbrachte) und brachte uns in den Backstagebereich. Ohne ihn hätten wir uns wahrscheinlich verlaufen, es gab hier wirklich ewig viele verschiedene Türen und Gänge. Und ich konnte mich auch nicht wirklich an den Weg erinnern, den wir gestern gegangen waren.
Irgendwann standen wir dann aber doch vor der Tür mit der Aufschrift TOKIO HOTEL.
Wir verabschiedeten uns noch kurz von Shorty und betraten dann den kleinen Raum.

„Da seid ihr ja endlich!“ Gustav strahlte uns entgegen. Die anderen drei strahlten ebenfalls um die Wette und Bill war sofort aufgesprungen um „seine“ Lara mit einem leidenschaftlichen Kuss zu begrüßen.
Dann verteilten wir uns auf die 2 Sofas (ich möglichst weit weg von Tom und Lara direkt bei Bill auf dem Schoß) und laberten erst mal ne Runde. Nach einem Blick auf die Uhr fragte Georg schließlich, was wir machen sollten.
Nach einer heftigen Diskussion hatten wir uns dann endlich dazu entschlossen, erst mal ins Victory und danach noch in den Pflaumenbaum zu gehen, zwei total geile Clubs in Stuttgart, die wir unseren Jungs unbedingt mal zeigen wollten. Anschließend würden wir dann höchstwahrscheinlich mit zu den Jungs ins Hotel kommen und uns über Gustis neue Dvds hermachen. Mal sehen wie viele wir davon schaffen!


Kapitel 27

Gegen 2 Uhr morgens machten wir uns auf den Weg zum Hotel. In den beiden Clubs war es echt geil gewesen! Wir hatten geredet, gelacht, getrunken und getanzt. Na gut Georg war der einzige von den Jungs, der wirklich tanzte. Eine Ausnahme war nur als so eine richtig schöne Ballade kam. Da hatte sich Bill dann auch dazu aufgerafft, doch mal mit Lara zu tanzen. Wir, also Georg und ich, hatten uns dann wieder zu Gustav, Tom und Felix (der auch dabei war und sich mit den anderen Jungs echt super verstand) gesetzt und sahen den zwei Turteltäubchen beim zu.
„Ach ja... Meine kleine Lara wird langsam erwachsen!“ murmelte Felix mit trauriger Stimme. Dabei grinste er aber bis über beide Ohren. Das hieß, er war mit Bill als Freund für seine beste Freundin einverstanden.
Das wiederum brachte uns andere zum Lachen, da sich Felix echt wie ein Vater angehört hatte!

Wir waren schon ziemlich angeheitert und kamen echt aus dem lachen nicht mehr raus. Als Bill und Lara dann zuende getanzt hatten, beschlossen wir nun endlich ins Hotel zu gehen.
Dort angekommen machten wir es uns auf einem Doppelbett „gemütlich“. Eigentlich kann man es ja nicht gemütlich nennen, wenn 7 Leute auf einem Haufen liegen, aber na ja.
Ich saß mal wieder ganz am Rand und hatte mich an Felix gelehnt. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie uns Tom komische Blicke zuwarf. Was sollte das denn jetzt schon wieder?
Ich machte mir aber weiter keine Gedanken und konzentrierte mich auf den Film, der gerade lief.
Beim 4. Film schlief ich dann in den Armen von Felix ein, Ich war echt total geschafft und konnte meine Augen keine Sekunde länger offen halten.

Ungefähr 5 Stunden später, wurde ich dadurch geweckt, dass mir jemand den Arm ins Gesicht schlug. Es war Gustav. Er lag halb auf mir und halb auf Felix und schlief seelenruhig wie ein Murmeltier. Auch alle anderen schliefen, lagen merkwürdig verrenkt da, so dass ich mich fragte, wie sie überhaupt schlafen konnten. Aber na ja es gibt ja auch Leute die können im stehen schlafen wenn sie müde genug sind.

Unter meinen Füßen rührte sich etwas. Es war Bill. Meine Beine Lagen direkt bei ihm auf dem Bauch. Er drehte sich um und schaute mir dann direkt in dir Augen. „Morgen Kate!“ nuschelte er mir zu. Es sah einfach total niedlich aus, wie er dalag, ganz verschlafen, mit verwuschelten Haaren und ohne Schminke. „Morgen“ nuschelte ich zurück und versuchte dann, unter Gustav hervor zu kriechen, aber das war gar nicht so einfach. Auch Bill hatte einige Schwierigkeiten aufzustehn. Lara hatte ihren Kopf auf seine Brust gelegt und ich hatte immer noch meine Beine auf seinem Bauch. Aber da ich Gustav nicht von mir runter bekam, konnte ich auch meine Beine nicht von Bill nehmen. Was für ein Chaos!
„Bill, kannst du vielleicht mal Gusti aufwecken? Ich kann mich nich bewegen und so kommen wir nicht weiter!“ „Na das hab ich auch gemerkt!“ meinte Bill mit einem verzerrten Grinsen. Dan stupste er Gustav mit seiner freien Hand in die Seite. Aber dieser rührte sich nicht. „Hey Gusti! Aufwachen!“ rief ich. Wieder keine Reaktion. „Der is doch nicht tot oder?“ fragte mich Bill misstrauisch und schaute mich schief von der Seite an. „Nee. Vorher hat er mich sogar noch geschlagen!“ gab ich gequält zurück. Man langsam wurde der Junge echt schwer!
Jetzt schlug auch Felix die Augen auf. Er schaute auf Gustav und mich und stöhnte dann auf. Der Arme lag ja auch ganz unten! „Womit hab ich das verdient?“ „Heul nich sondern hilf mir!“ meinte ich nur und zusammen schafften wir es dann endlich uns von Gustav zu befreien. Dieser landete mit einem Plums auf dem Boden.
Ich zog meine Beine von Bill runter und dieser atmete erleichtert auf.

„Sag mal spinnt ihr?“ kam es nun vom Fußende des Bettes. Oha Gusti war also doch aufgewacht!
„Ähm Leute? Habt ihr schon mal auf die Uhr geschaut?“ fragte uns Bill und in seiner Stimme lag etwas, das sich gar nicht gut anhörte.
„Ne wieso? Falls dus nicht gemerkt hast, ich habe bis grade eben geschlafen, aber dann mussten mich ja unbedingt welche aufwecken!”
„Naja, es ist nur so, wir müssen in einer Stunden gehen!“


Kapitel 28

„Das is jetzt nicht dein ernst oder?!“ jetzt waren alle Blicke auf die Uhr gerichtet. Oh scheiße! 14.13 Uhr! Na klasse. Um 15.15Uhr mussten die Jungs doch schon wieder los! Irgendein Interview oder so. Schnell rüttelten wir auch Georg, Tom und Lara wach. Gustav war inzwischen schon fleißig damit beschäftigt alle möglichen Klamotten in die Koffer zu schmeißen. „Wir können ja später noch schaun, wem was gehört!“ waren seine Worte.
Bill war aufgesprungen und wollte schon los ins Bad, aber wir hielten ihn zurück.
„Als erstes gehen wir!“ gab Tom ihm zu verstehen, „Du brauchst sonst nämlich so lange, dass wir gar nicht mehr ins Bad kommen!“
Jetzt ließ sich Bill beleidigt auf ein Sofa sinken und murmelte irgendwas von „Muss mich doch stylen!...Interview!... Fotos...“ Lara setzte sich neben ihn und versuchte ihn ein bisschen aufzumuntern, „Also die stylen dich doch dann nachher eh noch mal! Und außerdem kannst du ja gleich ins Bad, nur halt nicht so lange wie sonst. Aber wenn du dich beeilst geht das schon. Und du siehst sowieso immer geil aus! Eigentlich musst du dich ja gar nicht stylen.“
Das entlockte Bill dann doch ein Lächeln. Er gab Lara einen Kuss und half uns dann beim Packen.
Eine halbe Stunde später waren wir dann endlich fertig und Bill hatte sogar noch relativ viel Zeit im Bad. Okay ne halbe Stunde war für ihn ja wenig, aber wenn man bedenkt das wir alle zusammen in der gleichen Zeit fertig geworden sind, ist das doch ne Menge.

Mit 5 Minuten Verspätung luden die 4 dann ihr Gepäck in den Van und verabschiedeten sich dann von uns. Als erstes war Felix an der Reihe. Er gab allen die Hand und meinte, sie würden sich bestimmt mal wieder sehen. Als nächstes war Lara dran. Sie umarmte alle und gab Bill dann einen langen Abschiedskuss. Auch ich umarmte alle, wenn es bei Tom auch sehr kurz war.
Bill und Lara küssten sich noch ein letztes mal, und dann stiegen die Jungs in den Van. In Laras Augen glitzerten Tränen und ich sah, dass auch Bill nur mit Mühe die Tränen unterdrücken konnte.
Als letztes stieg Tom ein. Doch bevor es so weit war, drehte er sich noch einmal zu mir um und drückte mir einen Briefumschlag in die Hand. Dann war er auch schon verschwunden.
Ich wog den Umschlag in meiner Hand. Er war relativ schwer für einen Brief und ich fragte mich, was wohl darin war. Dann steckte ich ihn in meine Jackentasche. Ich würde ich daheim aufmachen.

Betrübt gingen wir in Richtung Straßenbahn. Felix und ich redeten ein bisschen, aber Lara ging nur stumm neben uns her. Sie tat mir echt so leid. Für sie war es ja um einiges schlimmer als für mich. Obwohl sie und Bill noch nicht lange zusammen waren, spürte man doch sehr deutlich, das zwischen den beiden etwas besonderes war. Und jetzt würden sie sich in den nächsten Wochen und Monaten kaum sehen, das war echt traurig.
Für mich hatte der Abschied ja auch gute Seiten. Tom war nicht immer in meiner Gegenwart und vielleicht konnte ich mich ein bisschen ablenken.

Daheim angekommen ging ich sofort wieder ins Bett. Den Brief hatte ich schon wieder vergessen und ich war wirklich hundemüde. Ich sank zurück in die Kissen und verfiel in einen Traumlosen schlaf.
Mitten in der nacht wachte ich dann wieder auf. Ich hatte durst und so stand ich auf, um mir was zum trinken zu holen. Auf dem Weg nach draußen stolperte ich über meine Klamotten, die ich einfach achtlos auf den Boden geworfen hatte. Ich hob sie auf und hängte sie über einen Stuhl. Dabei viel der Brief aus meiner Jacke. Genau, der Brief. Wie konnte ich den vergessen?
Ich hob ihn auf und setzte mich dann aufs Bett um ihn zu lesen.


Kapitel 29

Es waren ganze 4 Seiten! Und die Schrift war fast perfekt! Das hätte ich Tom eigentlich gar nicht zugetraut, normalerweise hatte er immer voll die Sauklaue! Ich faltete das erste Blatt auseinander und fing an zu lesen. Es war ein Gedicht.

Wenn ich wüsste.......
Wenn ich wüsste, dass es das letzte Mal ist,
dass ich Dich einschlafen sehe,
würde ich Dich besser zudecken und zu Gott beten,
er möge Deine Seele schützen.

Wenn ich wüsste, dass es das letzte Mal ist,
dass ich Dich zur Türe rausgehen sehe,
würde ich Dich umarmen und küssen
und Dich für einen weiteren Kuss zurückrufen.

Wenn ich wüsste, dass es das letzte Mal ist,
dass ich Deine Stimme höre,
ich würde jede Geste und jedes Wort auf Video aufzeichnen,
damit ich sie Tag für Tag wieder sehen könnte.

Wenn ich wüsste, dass es das letzte Mal ist,
und dann einen Moment innehalten kann,
um zu sagen "Ich liebe Dich", anstatt davon auszugehen,
dass Du weißt, dass ich Dich liebe.

Wenn ich wüsste, dass es das letzte Mal ist,
dass ich da sein kann, um den Tag mit Dir zu teilen,
weil ich sicher bin, dass es noch manchen Tag geben wird,
so dass ich diesen einen verstreichen lassen kann.

Es gibt sicherlich immer ein "Morgen",
um ein "Versehen/Irrtum" zu begehen
und wir erhalten immer eine 2. Chance,
um einfach alles in Ordnung zu bringen.

Es wird immer einen anderen Tag geben,
um zu sagen: "Ich liebe Dich".
und es gibt sicher eine weitere Chance,
um zu sagen: "Kann ich etwas für Dich tun?"

Aber nur für den Fall, dass ich falsch liegen sollte
und es bleibt nur der heutige Tag,
möchte ich Dir sagen, wie sehr ich Dich mag.

Und ich hoffe, dass wir nie vergessen:

Das "Morgen" ist niemandem versprochen,
weder jung noch alt,
und heute könnte die letzte Chance sein,
die Du hast, um Deine Lieben fest zu halten.

Also, wenn Du auf Morgen wartest,
wieso tust Dus nicht heute?
Falls das "Morgen" niemals kommt,
wirst Du es bestimmt bereuen,
dass Du Dir keine Zeit genommen hast,
für ein Lächeln, eine Umarmung oder einen Kuss
und Du zu beschäftigt warst,
um jemandem etwas zuzugestehen,
was sich im Nachhinein
als sein letzter Wunsch herausstellt.

Halte Deine Lieben heute ganz fest
und flüstere ihnen ins Ohr,
sag ihnen, wie sehr Du sie liebst.
und dass Du sie immer lieben wirst.

Nimm Dir die Zeit zu sagen
"Es tut mir leid", "Bitte verzeih mir", "Danke" oder "Ist
in Ordnung"
und wenn es kein "Morgen" gibt,
musst Du den heutigen Tag nicht bereuen.



Ich las es mir ein paar mal durch und konnte immer noch nicht glauben, dass es wirklich so dastand! Ich konnte fast nicht glauben, dass das Tom geschrieben hatte! Es war einfach wunderschön und mein Herz machte einen riesigen Hüpfer. Jedes mal wenn ich das Gedicht las, wurde der Hüpfer größer. Diese Worte standen wirklich da! Und sie kamen wirklich von Tom!
Ich faltete auch das nächste Blatt auseinander und las weiter.

Liebe Kate,

ich glaube, du weißt dass ich kein guter Briefschreiber bin, aber was soll ich sonst machen? Du redest ja nicht mehr mit mir! Aber ich hoffe du liest wenigstens diesen Brief und vielleicht verstehst du dann, wie ich mich im Moment fühle!
Ich weiß nicht, was ich dir getan habe, aber was immer es war- es tut mir Leid! Ich würde alles dafür tun, damit du wieder mit mir redest. Ich würde alles dafür tun, damit du mich wieder ansiehst.
Das du nichts mehr mit mir zu tun haben willst bricht mir das Herz! Nicht nur, weil ich mit dir meine beste Freundin verloren habe, nein. Ich habe mit dir auch das Mädchen verloren, das ich liebe!
So jetzt weißt du es. Kathrina ich liebe dich!
Ich habe mich nicht getraut es dir zu sagen. Ich hatte Angst davor, wie du reagieren würdest. Ich hatte Angst davor, dich zu verlieren! Und jetzt habe ich dich verloren!
Dich, den Menschen, den ich mehr liebe, als alles andere auf dieser Welt, den ich mehr liebe als mein eigenes Leben!
Mir geht es schlecht, richtig schlecht! Ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen soll! Ohne dich ist mein Leben so leer. So trostlos. Mit dir habe ich auch mein Herz verloren!
Und was ist ein Leben ohne ein Herz? Was ist ein Leben, wenn man nicht mehr fühlen kann? Das einzige, was ich fühle, ist die Leere, dort wo mein Herz sein sollte. Aber es ist nicht bei mir. Es ist bei dir!
Ich habe noch nie so viel für einen Menschen empfunden wie für dich!
Der einzige Wunsch, den ich habe ist dich wiederzusehen. Dafür würde ich sterben! Nur um dir noch einmal in die Augen zu sehen, und dir zu sagen: Ich liebe dich!
Ich wollte, dass du das weißt.
Ich weiß nicht, wie es jetzt weitergehen soll. Die Entscheidung liegt bei dir. Aber egal was du tust, ich werde dich immer lieben! Vergiss das nicht!


Darunter war ein Bild. Es war ein Junge mit traurigem Blick. An der Stelle, wo das Herz hätte sein sollen war nichts, nur ein schwarzes Loch. Darunter stand:
Mein Herz gehört dir! Tom

Während ich las, tropften einzelne Tränen auf das Papier. Wie konnte ich nur so dumm sein? Warum hatte ich denn nichts gesagt? Es gab bestimmt keinen einzigen Menschen auf dieser Welt, der so dumm war wir ich!
Auch diesen Text las ich mir immer wieder durch. Ich liebe dich! ich hörte förmlich wie Tom das zu mir sagte. Ich sah sein Gesicht vor mir. Ich sah den Glanz in seinen Augen, ich spürte seinen Atem auf meiner Haut. Er liebt mich! Er liebt mich! Diese Wort hallten in meinem Kopf wieder. „Ich liebe dich doch auch!“ flüsterte ich.

Dann faltete ich schließlich noch das 4. Blatt auseinander. Es sah aus wie ein Songtext.

Zum ersten Mal alleine in unserem Versteck
Ich seh noch uns're Namen an der Wand
Und wisch´ sie wieder weg
Ich wollt´ dir alles anvertrauen
Warum bist du abgehau'n
Komm zurück – nimm mich mit

Komm und rette mich-ich verbrenne innerlich
komm und rette mich-ich schaffs nicht ohne dich
komm und rette mich-rette mich-rette mich

Unsere Träume waren gelogen und keine Träne echt
sag dass das nicht wahr ist-sag es mir jetzt
vielleicht hörst du irgendwo
mein S.O.S. im Radio
Hörst du mich- hörst du mich nich

Komm und rette mich-ich verbrenne innerlich
komm und rette mich-ich schaffs nicht ohne dich
Komm und rette mich
dich und mich-dich und mich-dich und mich- dich und mich-dich und mich
(dich und mich-dich und mich-dich und mich- dich und mich)

Ich seh noch unsere Namen
und wisch sie wieder weg
unsre Träume waren gelogen und keine Träne echt
hörst du mich
hörst du mich nicht

Komm und rette mich rette mich
Komm und rette mich ich verbrenne innerlich
Komm und rette mich ich schaffs nicht ohne dich
Komm und rette mich, rette mich, rette mich, rette mich, rette mich


Jetzt saß ich einfach nur noch da, die Blätter in der Hand und heulte wie ein Schlosshund!
Das war einfach zu schön um war zu sein!


Kapitel 30

Ich wusste nicht, wie lange ich auf meinem Bett saß, mir einfach immer wieder den Brief durchlas, oder einfach nur nachdachte. Ich hatte überhaupt kein Zeitgefühl mehr. Aber es musste wohl ziemlich lange gewesen sein, denn langsam wurde es draußen schon wieder hell.
Welcher Tag war heute eigentlich? Müsste Sonntag sein. Ein glück, dann musste ich auch nicht in die Schule!
Schließlich, ein blick auf die Uhr sagte mir, dass es halb 6 war, machte ich mich auf den Weg in die Küche um mir etwas zum Trinken zu holen. Deshalb war ich ja eigentlich aufgewacht.
Aber irgendwie hatte ich meinen Durst vor lauter Gedanken über den Brief und Tom total vergessen. Jetzt überkam er mich allerdings wieder und ich trank gleich eine Flasche Wasser in wenigen Zügen leer. Immerhin hatte ich seit über 24 Stunden nichts mehr getrunken.
Und gegessen hatte ich auch nichts, dass machte mir nun mein Magen klar.
Ich hatte aber überhaupt keine Lust mir was zu machen. Ich war irgendwie immer noch total müde und wollte mich eigentlich keinen Zentimeter bewegen. Schließlich schob ich dann doch irgendein Fertigzeug in die Mikrowelle und 3 Minuten später ging ich mit meinem dampfenden Essen wieder in mein Zimmer. Ich zog mir irgendeine Trainingshose und einen Pulli an und setzte mich zum Essen auf meinen Balkon.
Es war nicht wirklich kalt, aber doch relativ frisch, also holte ich mir noch eine Decke und kuschelte mich dann in einen Stuhl.

Ich wurde von den wärmenden Sonnenstrahlen die mir aufs Gesicht fielen geweckt. Ich bin wohl wieder eingeschlafen. Ich stand auf und streckte mich erst mal genüsslich der Sonne entgegen.
Ein wunderschöner Tag! Ich lehnte mich gegen das Geländer und überlegte mir, was ich jetzt machen sollte. Sollte ich Tom vielleicht anrufen? Aber irgendwie kam mir das blöd vor, so unpersönlich. Tom hatte sich mit dem Brief so viel Mühe gegeben, er hatte so viel Gefühle hineingesteckt und ich sollte ihn dann einfach nur anrufen?! Das war nicht das richtige. Ich wollte zu ihm! Ich wollte ihm in die Augen schauen! Aber ich wusste ja nicht mal, wo er gerade war. Vielleicht in Hamburg, in München oder vielleicht auch in Berlin! Ich hatte wirklich keine Ahnung.
Immer noch in Gedanken ging ich wieder nach Drinnen. Eigentlich wollte ich ja erst mal unter die Dusche aber auf dem Weg ins Bad fiel mein Blick auf ein Bild von mir und Lara. Natürlich! Lara! Und zum zweiten mal fragte ich mich, wie ein Mensch nur so dumm sein konnte wie ich. Lara wusste doch bestimmt wo die Jungs grade waren! Es würde mich echt wundern, wenn Bill es ihr nicht gesagt hätte!

Ich schnappte mir mein Telefon und wählte ihre Nummer.

„Ja?“ nuschelte Lara verschlafen ins Telefon.
„Morgen Maus! Ich bin’s!“ gab ich gut gelaunt zurück.
„Kate? Bist du krank? Es ist Sonntag und grad mal 8Uhr! Aber trotzdem guten Morgen.“
„Jaah ich weiß doch! Aber könntest du mir vielleicht sagen, wo Bill und Tom grade sind?“
„Ähm, die sind daheim in Loitsche für die nächsten drei oder vier Tage? Warum willst du dass denn wissen? Is was passiert?“
„Und wie was passiert ist! Ich erklär es die später, okay?! Ich komm so in einer Stunde zu dir, könntest du vielleicht mal schaun, wann der nächste Zug nach Magdeburg fährt? Danke is echt lieb von dir! Also dann bis gleich!“
„Hä wie? Okay bis gleich!“

Irgendwie tat mir Lara ja ein bisschen Leid, was für ein Stress so früh am Morgen. Aber ich bin mir sicher, dass sie mitkommt um Bill zu sehen!


Kapitel 31

Keine zwei Sekunden, nachdem ich geklingelt hatte wurde auch schon die Tür aufgerissen. „Kate!“ Lara stand vor mir und sah mich fragend an , „Was ist den überhaupt los? Es ist 9 Uhr Morgens, du hast mich um acht aus dem Bett geklingelt! Und was ist mit Magdeburg? Ich versteh überhaupt nichts mehr!“ Dann zog sie mich ins Haus und hoch in ihr Zimmer.
„Also es fährt um 16Uhr ein Zug nach Magdeburg. Und jetzt raus mit der Sprache! Warum wolltest du das wissen?“
Ich grinste sie nur an, zog dann den Brief aus der Tasche, suchte nach der Richtigen Stelle und las dann vor „Kathrina ich liebe dich! Ich hatte Angst davor, dich zu verlieren! Und jetzt habe ich dich verloren! Dich, den Menschen, den ich mehr liebe, als alles andere auf dieser Welt, den ich mehr liebe als mein eigenes Leben!“

Lara saß mir mit offenem Mund gegenüber. Sie stotterte nur irgendwelche sinnlosen Laute vor sich hin, bis sie sich nach einigen Minuten dann wieder halbwegs gefangen hatte.
„Das...das is jetzt nicht von...von...“ ich nickte und schon sprang Lara auf und umarmte mich stürmisch , „Das is ja super mega geil! Ich freu mich so für dich!“ ich war schon kurz davor zu ersticken, als sie mich endlich wieder los lies. Jetzt saßen wir uns grinsend gegenüber.
Lara sagte als erste wieder was. „Na hopp! Worauf warten wir eigentlich noch? Pack deine Sachen, wir fahren nach Loitsche!“ gesagt, getan. Ich steckte den Brief wieder ein und zusammen machten wir uns daran, erst Laras Sachen zu packen und dann meine.
Um 12 Uhr waren wir fertig und ließen uns total ausgepowert in der Küche nieder. Meine Mutter hatte sogar schon das essen fertig. Sie war wirklich sehr verwundert, als sie mich schon so früh wach vorfand.
Von der Idee, dass Lara und ich nach Magdeburg fahren wollten, vor allem erst Sonntag Nachmittags, so dass wir wahrscheinlich erst Montags wiederkommen würde und somit „leider“ die Schule ausfallen lassen mussten, waren meine Eltern ja nicht sonderlich begeistert, aber mit den Worten : „Was tut man nicht alles, damit seine Tochter nicht mehr so deprimiert ist!“ hatten sie dann doch zugestimmt.
Auch Laras Eltern hatten wir nach einiger Zeit und viel, viel Überredungskunst dazu gebracht, unserem Vorhaben zuzustimmen.

So saßen wir dann pünktlich um 16Uhr im Zug Richtung Magdeburg. Ich war total aufgeregt! Ich wünschte mir, schon jetzt in Loitsche zu sein, aber wie immer hatte ich mal wieder nur Pech. Wegen einem Baum, der quer über den Schienen lag, musste unser Zug ziemlich lange stehen. Aber dann, endlich, um 20.47 Uhr kamen wir endlich in Magdeburg an.
Lara hatte inzwischen schon mit Bill telefoniert, um unsere Ankunft anzukündigen. Er hatte auch versprochen, Tom nichts zu sagen, es sollte ja schließlich eine Überraschung sein. Auch er freute sich total. Natürlich hatte er gemerkt, wie mies es seinem Zwilling in letzter Zeit ging, doch Tom hatte sich auch ihm gegenüber völlig verschlossen, und kein Wort gesagt.

Inzwischen liefen wir schon durch die Straßen von Loitsche und mit jeden Meter, den wir dem Hause Kaulitz näher kamen wurde ich nervöser. Aber es war nicht dieses erdrückende Gefühl, es war eher ein Kribbeln im Bauch, dass immer stärker wurde.
Ich ließ mir die Worte, die ich zu Tom sagen wollte noch einmal durch den Kopf gehen, obwohl ich mir sicher war, dass ich das sowieso nicht sagen würde, weil ich in so einem Moment einfach nur nach meinen Gefühlen handelte. Da konnte man einfach nichts Planen.
Nur noch 20 Meter, 10 Meter, 1 Meter. Jetzt standen wir schon vor der Haustür.
Lara klingelte, trat einen Schritt zurück und kurze Zeit später wurde die Tür auch schon aufgerissen.
Ich sah direkt in zwei Schokobraune Augen.


Kapitel 32

„Morgen ihr zwei hübschen!“ Bill stand grinsend vor uns und bat uns dann mit einer Verbeugung herein. Lachend folgten Lara und ich seiner Bewegung. Nach dem er dann die Tür hinter uns geschlossen hatte gab es erst mal einen dicken Begrüßungs-Kuss für Lara und dann eine Umarmung für seine zukünftige Schwägerin, meinte er und zwinkerte mir zu.
Apropos Schwägerin... Wo war denn eigentlich Tom. Normalerweise war er doch so neugierig, dass er immer sofort nachschauen musste, wer da jetzt an der Tür geklingelt hatte, auch wenn es dann nur der Postbote war, der ein Päckchen vorbeibrachte. Aber jetzt war weit und breit keine Spur von ihm. Ich sah Bill fragend an. Dieser wusste sofort was ich von ihm wollte.
„Also... ja... Tom ist nicht da!“ Lara und ich sahen in verblüfft an. Hatte er nicht am Telefon gesagt, Tom würde die ganze Zeit in seinem Zimmer hocken und sich ,wenn überhaupt mal, nur zum Essen blicken ließ. „Wie er ist nicht da? Als ich dich angerufen hab war er doch auch da!“ unterbrach Lara die Stille, die nach Bills Worten entstanden war.
„Er ist halt nicht da. Hat sich Scotty geschnappt und is dann einfach weg! Ich habs erst bemerkt, also ich in die Küche bin, um mir was zum Trinken zu hohlen. Auf dem Tisch lag ein Zettel von ihm, er würde mal wieder ein bisschen frische Luft brauchen.“
„Und seit wann ist er weg?“ fragte Lara weiter. Der Kerl konnte so was ja auch nicht von selbst sagen, nein man musste ihn wirklich nach allem erst mal fragen.
„Müsste vor einer Stunde gewesen sein. Und nein, ich weiß nicht wo er sein könnte! Tut mir echt Leid!“
Na das war ja mal ganz toll! Ich spielte kurz an meiner Halskette, das war eine Angewohnheit von mir, immer wenn ich nervös war fummelte ich an meiner Kette rum, und fasste dann einen Entschluss.

Ich schnappte mir meine Jacke, die ich davor auf meine Reisetasche geschmissen hatte, zog sie an, und mit den Worten „Ich geh ihn suchen!“ ließ ich die beiden andren zurück!
Diese sagten nichts, sahen mir nur verblüfft nach, als ich das Haus verließ.

Ich lief durch die Straßen und überlegte mir fieberhaft, wo Tom sein könnte. Wo würde ich hier hingehen, wenn ich allein sein wollte, wenn ich nachdenken wollte? Während ich weiter überlegte kam ich an unserem alten Haus vorbei. Ich bliebt kurz stehen und betrachtete es. Es sah noch genauso aus wie früher. Ein paar Fenster waren erleuchtet, was wohl hieß, dass schon wieder neue Leute eingezogen waren.
Jetzt kamen die alten Erinnerungen in mir hoch. Ich hatte so viel mit Tom und Bill erlebt. Wir waren echt ein eingeschweißtes Team. Wir hatten eigentlich jeden Tag etwas zusammen gemacht, waren entweder bei mir oder bei ihnen, sind nach Magdeburg oder zum See.

Natürlich! Der See! Ich schlug mir mit den Hand gegen die Stirn. Das ich da nicht schon früher draufgekommen bin!
Wir waren so oft an dem See gewesen, der etwas außerhalb von Loitsche lag, obwohl die Jungs ja die Natur so hassten. Aber Tom meinte immer, der See sei etwas besonderes. Dort würde er sich wohl fühlen.

Schnell ging ich weiter, bog hier und da mal ab, bis ich endlich bei einem Feldweg angekommen war. Dort lief ich weiter, ein ganzes Stück, und es wurde immer dunkler, da ja keine Straßenlampen mehr da waren. Ein Glück, dass es fast Vollmond war, sonst hätte ich den schmalen Kiesweg, der rechts vom Feldweg abzweige und an einem kleinen Wäldchen entlang führte bestimm übersehen. Ich stampfte weiter den Pfad endlang und endlich sah ich die dunkle, ruhige Fläche, in der Sich der Mond spiegelte.
Ich ging etwas näher und sah dann eine Gestallt im Gras sitzen, die Beine angezogen und den Kopf auf den Knien. Daneben lag ein Hund und döste vor sich in.

„Tom!“ hauchte ich. Mehr brachte ich nicht heraus. Er fuhr erschrocken zu mir herum.
Dann sah er mir direkt in die Augen! Diese Augen raubten einem den Atem! Vor allem jetzt, da sie im Mondlicht glitzerten, sahen sie noch viel umwerfender aus als sonst.
Er sagte nichts sondern kam nur mit langsamen Schritten auf mich zu.


Kapitel 33

Ich stand da wie angewurzelt, konnte mich nicht bewegen und brachte auch kein Wort raus. Ich starrte nur auf Tom, verfolgte jede seiner Bewegungen, bis er dann endlich direkt vor mir stand.
„Hey, du weinst ja!“ er sah mich besorgt an. Aber ich hörte seine Worte kaum. Ich war total auf diese Augen fixiert. Ich hatte ja nicht mal bemerkt, dass ich weinte!
„Kate! Was ist denn los mit dir?“ jetzt nahm er mich in den Arm und drückte mich ganz fest an sich. Ich löste mich aus meiner Starre, konnte mich nun wieder bewegen. Und wie schon so oft vergrub ich meinen Kopf an seiner Schulter. Er roch so gut wie immer! Und jetzt fing ich richtig an zu weinen. Tom strich mir beruhigend über den Rücken und zog mich noch ein kleines bisschen näher zu sich.
„Es tut mir so leid!“ flüsterte ich, ich war total heißer, von was wusste ich auch nicht. Tom schwieg eine Weile, dann fragte er mit ruhiger Stimme „Was tut dir leid?“

Ich fing an zu zittern. Ob es von der Kälte oder von Toms Nähe kam, von seiner Stimme, die mir einen Schauer über den Rückenlaufen ließ, konnte ich nicht sagen.
„Was ist los? Bitte sag es mir!“
Langsam, wie in Trance, löste ich mich aus seiner Umarmung. Dann zog ich seinen Brief aus meiner Tasche. Ich zitterte so stark, dass ich in fast fallen ließ.

Ganz behutsam nahm Tom ihn mir aus der Hand und zog mich dann wieder an sich. Dafür war ich ihm dankbar, alleine hätte ich bestimmt nicht mehr lange stehen können.
„Dein Brief...“ murmelte ich leise. Tom nickte leicht, dass spürte ich.
Dann nahm ich all meine Kraft zusammen, drehte meinen Kopf leicht, so dass ich in Toms Gesicht sah und begann dann, zu reden, so gut es eben ging.

„Ich... Es tut mir so schrecklich leid! Hab...alles falsch...gemacht! Dein Brief...er ist.. ist wirklich wunderschön! Ich...ich...so dumm!“
Toms Augen begannen zu glänzen. Lange sagte er nichts. Wir standen einfach nur schweigend da und sahen uns an.
„Was hast du falsch gemacht?“ fragte er mich dann leise.

Plötzlich war meine Stimme wieder richtig da, und ich sag Tom direkt in die Augen, als ich ihm antwortete. „Ich liebe dich Tom! Es tut mir so leid, dass ich nicht gesagt hab! Ich hab gedacht, dann würde ich unsere Freundschaft zerstören. Ich bin so dumm!“


Jetzt leuchteten die Augen von Tom richtig! Vor Freunde und vor Erleichterung. Er lächelte ganz leicht und dann kamen sich unsere Gesichter immer näher.
Als sich unsere Lippen ganz sanft berührten, brach in mir ein Feuerwerk los! Dieses Gefühl war einfach umwerfend! Das war der schönste Moment in meinem ganzen Leben und ich wünschte, dieser Kuss würde nie enden.
Doch irgendwann lösten wir uns ganz langsam wieder von einander.
„Ich liebe dich auch!“ flüsterte Tom mir ganz leise ins Ohr. Diese Worte lösten bei mir eine Gänsehaut aus. Ich lächelte ihn an und wir küssten uns erneut. Und da war es wieder, dieses wunderschöne Gefühl! Nie wieder würde ich Tom etwas verschweigen! Nie wieder will ich ihn verlieren!
„Tom?“ „Hm?“ er sah mich fragend an. „Ab jetzt werden wir uns alles sagen, egal was es ist, okay?! Ich will dich nie wieder verlieren!“ „Ich will dich auch nie wieder verlieren! Die Zeit ohne dich war die schlimmste in meinem Leben!“ irgendwie freuten mich diese Worte. Natürlich war die Tatsache, dass es Tom wegen mir so schlecht ging, schrecklich, aber irgendwie war es auch schön zu wissen. „Aber jetzt bin ich ja wieder da!“ ich lächelte ihn an und so standen wir noch eine ganze Weile am See, im Mondlicht und lächelten uns an.
Diesen Moment, diesen Tag werde ich für immer in mein Gedächtnis einbrennen, dachte ich mir, als wir uns schließlich zusammen mit Scotty auf den Heimweg machten.


Kapitel 34

„Sag mal spinnt ihr?“ kaum hatte Tom die Haustür aufgeschlossen, kamen uns auch schon Lara und Bill entgegen gestürmt. „Mann, wir ham uns echt voll Sorgen um euch gemacht!“ kam es von Bill, der uns vorwurfsvoll ansah. Als sein Blick allerdings auf Toms Hand, die meine festhielt fiel, breitete sich ein Grinsen auf seinem Gesicht aus , „Okay, schon verstanden, ich verzeih euch!“
Lara drängte sich an ihrem Freund vorbei und umarmte mich stürmisch. „Na endlich! Wurde ja auch langsam zeit!“ Dann gab sie mir noch einen dicken Kuss auf die Wange und ließ mich wieder los. Sie musterte Tom und mich und meinte dann mit einem Grinsen „Ihr seid echt das süßeste Paar, dass man sich vorstellen kann!“ „Wenn man mal von euch absieht, könnest du sogar recht haben.“ Ich zwinkerte meiner besten Freundin zu und ihr Grinsen wurde noch breiter.
„Also ich könnte jetzt mal was zum Trinken gebrauchen!“ kam es von Tom „Wollt ihr vielleicht auch was?“ allgemeines Nicken. Wir gingen also alle in die Küche und ließen uns am Tisch nieder. „Was wollt ihr? Also wir hätten Cola, Red Bull und Wasser.“ Die Frage war an mich und Lara gerichtet. Für sich und Bill hatte er schon 2 Dosen Red Bull geholt. „Cola.“ Antworteten wir gleichzeitig.
Während Tom sich wieder auf den Weg zum Kühlschrank machte ließ ich meinen Blick durch die Küche wandern, bis ich an einer Uhr hängen blieb. Sie zeigte 2.33Uhr.
„Sag mal habt ihr die ganze Zeit auf uns gewartet oder wie?“ wandte ich mich an Bill und Lara. Da hatte ich mich aber mal richtig in der Zeit verschätzt. Ganze 5 Stunden waren wir weg. „Also ihr seid doch echt bescheuert!“ murmelte Tom vor sich hin, als er Lara und mir unsere Getränke hinstellte und sich dann neben mich setzte.
„Also na ja...wir haben ja nicht die ganze Zeit gewartet. Wir ham uns die Zeit schon sinnvoll vertrieben.“ Bill grinste seine Freundin an die ihm darauf hin die Zunge rausstreckte.
„Du meinst ihr bestimmt, ihr habt es in der Zeit getrieben und nicht die Zeit vertrieben, oder ?“ dafür bekam Tom einen Klaps auf den Hinterkopf von seinem Bruder. „Als ob ihr die 5 Stunden nur geredet hättet!“ „Also was denkst du von mir Bruderherz? Da draußen war’s arschkalt, da zieh ich mich nich aus!“ gab Tom zurück.
„Könnt ihr das nicht auf morgen verschieben? Ich bin echt hundemüde!“ murmelte ich. Ich konnte meine Augen kaum noch offen halten und so wie ich die Jungs kannte, würden sie sich da noch richtig reinsteigern, wenn sie niemand unterbrach „Na klar, Kleine!“ „Kleine...so hast du mich schon lange nicht mehr genannt!“ gähnte ich. „Noch ein Grund es jetzt zu tun. Ich muss einiges nachholen! So und jetzt geht’s ab ins Bett!“ mit diesen Worten hob Tom mich hoch und trug mich in sein Zimmer. Wow, an den Luxus könnte ich mich glatt gewöhnen.
Oben angekommen legte er mich sanft in sein Bett und deckte mich zu. Dann machte er noch das Licht aus und kam zu mir unter die Decke. Ich kuschelte mich ganz dicht an ihn und schlief dann in seinen Armen ein.


Kapitel 35

Am nächsten morgen wurde ich von Sonnenstrahlen geweckt, die mir direkt ins Gesicht fielen. Ich öffnete meine Augen nicht, währe ja auch sinnlos gewesen, wahrscheinlich hätte ich sie sofort wieder geschlossen weil mich die Sonne geblendet hätte. Außerdem wollte ich noch weiterschlafen. Ich hatte so schön geträumt! Ich hatte mich mit Tom vertragen, hatte ihm gestanden, dass ich ihn liebe. Wir waren glücklich. Und ausgerechnet dann muss mich diese blöde Sonne wecken! Also drehte ich mich auf den Bauch und vergrub das Gesicht im Kissen. „Scheiß Sonne! Warum kann die nicht später aufgehn?!“ brummte ich ins Kissen. „Später? Es ist 3Uhr Nachmittags du Schlafmütze!“ Erschrocken fuhr ich hoch und starrte direkt in das Gesicht von Tom. „Das gestern war kein Traum?“ Tom schüttelte den Kopf „Kein Traum.“ meinte er, kam auf mich zu und küsste mich. Dann zog er mir mit einem Ruck die Bettdecke weg „Genug geschlafen!“ rief er fröhlich während er aus dem Zimmer ging, die Decke unterm Arm und mich verdutzt auf dem Bett zurückließ. Ohne die warme Decke begann ich zu frieren, also blieb mir ja nichts anderes übrig als aufzustehn und mich anzuziehen.
Ich schnappte mir ein paar frische Klamotten und tapste dann verschlafen ins Bad. Nach einer schönen warmen dusche war ich schon etwas munterer und so gelang es mir mich ohne auch nur einmal zu gähnen anzuziehen. Dann schminkte ich mich noch leicht und machte mich endlich auf den Weg nach unten. Die drei andren saßen putzmunter vorm Fernseher und spielten Playstation. Besser gesagt die Twins spielten und Lara saß lachend daneben, weil die beiden schon wieder in eine ihrer sinnlosen Diskussionen führten. Naja aber so waren sie eben.
Lara war auch die einzige von den drei, die mich bemerkte. Sie wollte mich gerade Begrüßen, doch ich machte ihr mit einer Handbewegung klar, dass sie still sein sollte. Sie verstand sofort was ich vorhatte und fing wieder an zu lachen. Die Jungs nahmen davon überhaupt keine Notiz. Anscheinend ging es mal wieder darum, was die 10 Minuten Altersunterschied alles ausmachen konnten. Als ob sie das nicht schon tausendmal hatten. Tom meinte dann immer, in 10 Minuten könnte ja sooo viel passieren. Aber bei dem, was Bill dieses Mal erwiderte, musste ich mir echt das lachen verkneifen ich wollte ja nicht dass sie mich bemerkten. „Na wenn du früher geboren bist als ich, dann stirbst du auch früher!“ das sagte er in so einem überlegenen Ton, dass Tom darauf nichts mehr einfiel. Damit war diese Diskussion fürs erste beendet, doch sie würde mit Sicherheit bald wieder weiter gehen. Aber jetzt widmeten die Jungs ihre volle Aufmerksamkeit wieder dem Rennspiel, dass sie gerade spielten.
Ich stand jetzt direkt hinter Tom und hielt ihm die Augen zu. Er protestierte lautstark und fuhr sein Auto auch gleich gegen die nächste Mauer.
Beleidigt drehte er sich zu mir um. Und seinen Trauerblick hatte er auch noch drauf. Das sah einfach zu knuffig aus. Diese großen, braunen Kulleraugen, die Mundwinkel nach untengezogen und dann ließ er auch noch den Kopf hängen. Da wird echt jedes Herz weich.
Ich kniete mich vor ihm und gab ihm einen langen Kuss woraufhin er wieder zu grinsen anfing. „So leicht kann man dich zufrieden stellen? Muss ich mir merken!“ meinte Bill. Tom sah ihn leicht angewidert an „Also ich mag dich ja...aber ne.. muss nich sein!“ Lara die gerade auf dem Weg in die Küche war, sank vor lachen im Türrahmen zusammen. Auch ich prustete los und beim Anblick von Lara, wie sie da im Türrahmen kauerte, konnte ich mich kaum noch halten. Der Tag heute war einfach einer der schönsten die ich bisher erlebt habe.
Aber irgendwann ging auch er zuende und Lara und ich mussten wieder nach Hause fahren.
Mich jetzt schon wieder von Tom zu verabschieden viel mir ziemlich schwer und Lara ging es auch nicht anders. „Wir sehn uns bestimmt bald wieder und wir telefonieren jeden Tag!“ versuchten uns die Jungs ein wenig aufzumuntern. Und ein bisschen klappte es dann auch. Außerdem blieb uns ja nichts anderes übrig. Wir mussten ja wieder in die Schule.

Ich war kurz davor einzuschlafen, als mein Handy anfing zu piepsen. Ich streckte meine Hand danach aus und fiel bei der Aktion fast aus dem Bett. Schließlich hatte ich es aber doch in der Hand. Eine SMS von Tom

Hey Süße!
Hoffentlich hab ich dich nicht geweckt! Wollt dir nur gute Nacht sagen!
Schlaf gut und träum schön (vielleicht ja von mir *g*)
Ich liebe dich! Tom


Als ich das las musste ich schmunzeln. Schnell schrieb ich ihm zurück und schlief kurz darauf endgültig ein.


Kapitel 36

„Kate, würdest du dich bitte ein bisschen beeilen! Dein Termin ist um halb 3 und jetzt ist es schon kurz nach 2.“ meine Mutter saß mir gegenüber und trommelte nervös auf dem Küchentisch herum. „Ich beeil mich ja schon.“ nuschelte ich mit vollem Mund. Na toll, warum musste ich denn überhaupt zum Arzt? Ich war doch Kerngesund. Nur weil mein Puls ein bisschen rast, wenn ich vom Joggen komme, dass ist doch eigentlich normal. Okay manchmal hab ich das Gefühl, dass mir irgendwas ziemlich schwer aufs Herz drückte, aber das war doch kein Grund zur Sorge. Zumindest für mich nicht. Aber meine Mutter musste einen immer sofort zum Arzt schleppen.
Naja aber was tut man nicht alles für seine Mutter? Also schlang ich mein Mittagessen mit Höchstgeschwindigkeit hinunter und saß schon 10 Minuten später mit meiner Mutter im Auto.
Pünktlich um 14.27Uhr betraten wir dann die Arztpraxis von Dr. Med. Hase. Als ich das Schild las musste ich wirklich schmunzeln. Hase, das war mal ein cooler Nachname.
Nachdem wir noch ca. 10 Minuten im Wartezimmer verbracht hatten, wurden wir, also besser gesagt ich, ins Behandlungszimmer gerufen. Meine Mutter folgte mir, zum Arzt konnte ich nie alleine gehen, es könnte ja etwas schlimmes sein und da wollte meine Mutter ihre arme kleine Tochter nicht allein lassen.
Dr. Med. Hase, ein freundlicher junger Mann(ich schätzte ihn auf ende 20 Anfang 30, so in der Richtung) begrüßte uns mit einem sympathischen lächeln und forderte meine Mutter und mich auf, uns zu setzten. Dann wurde ich erst mal richtig ausgefragt. Was genau ich für beschwerden hatte, wann sie auftraten und so weiter. Anschließend wurde ich aufs Gründlichste untersucht. Sogar Blut wurde mir abgenommen, dabei hasste ich Spitzen. Blutabnehmen war für mich immer die Hölle. Danach war ich jedes mal so bleich, dass man mich nicht von einer weißen Wand unterscheiden konnte. So war es auch dieses Mal. Nach 10 Minuten am offenen Fenster ging es mir dann wieder halbwegs gut.
Die Ergebnisse der Untersuchungen würden erst in ein paar Tagen vorliegen, dann müssten wir noch einmal kommen um sie mit ihm zu besprechen.

Ich war froh als der Arztbesuch vorbei war. Ich mochte Ärzte nicht besonders, obwohl ich zugeben muss, dass dieser Dr. Hase ein ganz sympathischer Typ war. Ich hoffte wirklich, dass die Ergebnisse bald vorlagen, damit sich meine Mutter wieder beruhigen konnte.

Und das Ergebnis lag auch bald vor. Als ich 5 tage nach meinem Arztbesuch von der Schule nach Hause kam, fand ich meine Mutter ganz nervös und hibbelig in der Küche vor.
„Die Arzt hat angerufen.“ Begrüßte sie mich, „Wir sollen heute gegen 15 Uhr vorbeikommen.“ Ich sah sie fragend an, so wie sie sich benahm, könnte man fast meinen, der Arzt hätte ihr bereits mitgeteilt, dass ich nur noch 4 Tage zu leben hatte. Bei dem Gedanken schüttelte ich schmunzelnd den Kopf. Meine Mutter machte sich einfach zu viele Sorgen. Was sollte ich denn schon für eine Schlimme Krankheit haben? Aids oder Krebs? Wohl kaum.
„Er hat noch nichts genaues gesagt, oder?“ wollte ich dann schließlich wissen, als ich mir meinen Teller mit Bratkartoffeln vollhäufte.
„ Nichts genaues... er hat nur gemeint, dass die Ergebnisse nicht sehr erfreulich sind!“ und mit diesen Worten begann meine Mutter ganz leicht zu zittern.
Ich stand auf, ging zu ihr und nahm sie in den Arm. „Du machst dir immer zu viele Sorgen! So schlimm wird es schon nicht werden. Wir gehen da nachher hin und du wirst sehen, dass es wirklich keinen Grund gibt, sich Sorgen zu machen!“ Langsam fing sich meine Mutter wieder einigermaßen. So war sie eben. Machte sich viel mehr Sorgen um andere, als um sich selbst.

Wir waren schon kurz davor loszufahren, als Tom anrief.
„Dein Timing ist wie immer perfekt!“ begrüßte ich ihn
„Ich liebe dich auch Schatz!“ kam es auch sofort zurück. Ein Lachen konnte er sich gerade so verkneifen.
„Ich dich doch auch! Aber nimm’s mir nicht übel, ich hab grad keine Zeit.“
„Und was ist denn wichtiger als dein Freund, der sich gerade vor den Proben gedrückt hat, nur um dich anzurufen?“ wollte er belustigt wissen.
„Ich muss zum Arzt. Du weißt doch, die Untersuchung. Heute sind die Ergebnisse gekommen!“
„Na dann verzeih ich dir mal! Aber ruf mich an wenn du wieder daheim bist. Ich will der erste sein, der weiß, was mit dir los ist!“
„Werd ich ganz bestimmt! Ich liebe dich!“
„Ich dich auch! Und viel Spaß beim Arzt, Kleine!“ und damit legte er auf.

Die meisten Telefonate zwischen mir und Tom verliefen so kurz, weil er meistens nicht lange Zeit hatte. Und heute hatte ich eben keine Zeit. So ein Mist.


Kapitel 37

„Nun, wie ich Ihnen schon am Telefon gesagt hatte, Frau Kienle, sind die Ergebnisse der Untersuchung deutlich schlechter ausgefallen, als ich erwartet hatte.“ ,begann Dr. Hase mit ernstem Gesicht, nach dem er mich und meine Mutter begrüßt hatte. Das fing auf jeden Fall schon mal sehr gut an... Und der Gesichtsausdruck des Arztes machte mich irgendwie noch ein bisschen nervöser.
„Ihre Tochter hat einen sehr schweren Herzfehler, der sich anscheinend durch das Wachstum gebildet hat...“
In meinen Ohren begann es zu rauschen. Ich hörte nicht einmal mehr, was der Arzt meiner Mutter und mir erklärte.

„Sehr schweren Herzfehler.“
Diese Worte dröhnten in meinem Kopf.

„...Ein Eingriff ist sehr riskant, und ich will ehrlich zu Ihnen sein. Die Chancen dass die Operation erfolgreich verläuft liegen bei maximal 2 Prozent...“
„Vielleicht nur noch zwei Jahre, vielleicht aber auch mehr, dass kann man nicht genau sagen...“

Ich nahm meine Umgebung kaum noch war, alles verschwamm vor meinen Augen. Das einzige dass ich noch registrierte war wie meine Mutter neben mir „Bitte nicht noch ein Kind!“ murmelte und dann zusammenbrach.

Das rauschen in meinen Ohren wurde lauter und ich bekam kaum noch Luft.
„Ich werde...sterben!“ Das war das einzige an das ich noch denken konnte. „Sterben“ Dieses Wort zog sich durch meinen ganzen Körper. Meine Hände krallten sich krankhaft an die Armlehne des Stuhls und mein Magen begann zu rebellieren.
Wie in Trance stand ich auf, versuchte den Weg zur Tür zu finden. Alles was ich sah waren Farbschleier die an mir vorbeizogen.
Schließlich ertastete ich mit meiner hand einen Türgriff und drückte ihn nach unten. Kalte Luft kam mir entgegen. Dadurch wurden meine Gedanken etwas klarer und auch mein Blick.
Ich wankte einen langen Gang entlang bis ich endlich die Tür zur Toilette erreichte.
Dort übergab ich mich und sank dann schluchzend an einer wand hinunter.


„Kate! Kate hörst du mich!“
Unklar, wie aus weiter ferne nahm ich die Stimme meines Vaters war. Langsam blickte ich auf und sah mich um. Durch einen Tränenschleier sah ich die Umrisse meines Vaters, der sich neben mich gekniet hatte und mich sanft in seinen Armen wiegte.
Nach einiger zeit verebbte mein Schluchzen und auch die letzten Tränen trockneten langsam und hinterließen eine salzige Spur auf meinen Wangen.
Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste: Das waren die letzten Tränen die ich geweint hatte... Ich hatte akzeptiert dass ich sterben würde.

Meine Umgebung wurde wieder schärfer und meine Gedanken waren nun wieder vollkommen klar. Ich sah meinem Vater in die Augen.
Auch er hatte geweint. Seine Augen waren noch ganz gerötet.

„Was hat Mama mit „Bitte nicht noch ein Kind“ gemeint?“ fragte ich ihn nach einer Ewigkeit, in der wir uns nur angesehen hatten. Diese Frage wurde immer Lauter in meinem Kopf. Ich verstand einfach nicht auf was das bezogen war. Immerhin war ich ja ein Einzelkind und hatte auch nie Geschwister gehabt.

Der Blick meines Vaters wurde noch trauriger als er ohnehin schon war.
„Ich glaube, ich muss dir einiges erklären...“ murmelte er schließlich leise.


Kapitel 38

Er sah mich an und schwieg eine Weile, als müsste er erst noch die richtigen Worte finden.
„Kate...“, setzte er an, stockte dann aber wieder. Einige Minuten verstrichen, bis er schließlich erneut zu reden begann.
„Es ist wohl am Besten, wenn ich nicht lange um die Tatsachen herum rede. Ich habe schon immer gewusst, dass dieser Moment irgendwann kommen würde, aber ich habe es immer wieder verdrängt und hinausgezögert.“ Wieder brach er ab, umfasste meine Hände mit seinen.
„Du hattest eine Schwester....eine Zwillingsschwester, Michelle. Sie wurde 17 Minuten vor dir geboren, mit einem sehr großen Loch in der Herzscheidewand. Die Ärzte konnten nichts tun. Eine Operation hätte sie nicht überlebt. Ihr Immunsystem war zu schwach...und...und sie starb nach 5 Tagen.“

Die Worte meines Vaters klangen so unwirklich und dennoch glaubte ich was er sagte.
Schon immer hatte ich mir Geschwister gewünscht. Klar hatte ich Tom und Bill immer wie Brüder angesehen, dass war ja auch der Grund warum ich mir die Gefühle zu Tom zuerst nicht eingestehen wollte, aber Tom und Bill waren natürlich kein Ersatz für echte, leibliche Geschwister. Mein größter Wunsch war eine Schwester, eine Zwillingsschwester. Dafür hatte ich Tom und Bill immer beneidet, sie waren Zwillinge. Und jetzt erfuhr ich, dass ich eine Zwillingsschwester hatte, die nur wenige Tage nach unserer Geburt gestorben war...an einem Herzfehler, genauso wie ich an einem Herzfehler sterben würde.

Die Stimme meines Vaters riss mich aus meinen Gedanken. Ich wusste genau, dass er eine Pause gemacht hatte, damit ich über seine Worte nachdenken konnte. Jetzt fuhr er fort,
„Jeder Tag, jede Minute mit ihr waren wie ein Wunder. Genauso wie du ein Wunder warst. Du warst kerngesund, die Ärzte hatten dich auf alle möglichen Krankheiten untersucht, aber sie fanden nichts. Du warst wie ein Rettungsring für deine Mutter und mich, an den wir uns klammern konnten. Als du zwei Monate alt warst zogen wir nach Loitsche zu meinen Eltern. Wir wollten ein neues Leben anfangen, die schlimme Zeit und den Tod unserer zweiten Tochter vergessen. Aber sogar heute noch stell ich mir vor, wie ein Leben mit Michelle aussehen würde. Ihr wart eineiige Zwillinge, also würde sie jetzt ungefähr so aussehen wie du. Ich habe mich oft mit dem Gedanken beschäftigt wie ihr zu zweit aufgewachsen wärt.“

Die Worte meines Vaters waren erschütternd, aber auf eine gewisse Art auch aufbauend. Es war als hätte ich einen Entschluss gefasst, ganz ohne es zu merken. Meine Eltern hatten so viel durchgemacht und ich war schon damals ihre Hoffnung, ihre Rettung gewesen. Ich durfte sie jetzt nicht einfach hängen lassen indem ich den winzigen Rest meines Lebens nur noch missmutig und immer auf meinen Tod hin lebte. Meine Eltern brauchten mich, genau wie ich sie brauchte. Von einem Moment auf den anderen wurde mir klar, dass ich sie nicht allein lassen durfte, dass ich kämpfen musste.

Und es gab genau einen Menschen der mir dabei helfen konnte, der mich unterstützen konnte wie kein anderer. Er würde mir Kraft geben, er würde mich dazu ermutigen durchzuhalten. Der Mensch, für den ich jetzt sofort, an dieser Stelle sterben würde wenn es sein musste.
Tom.



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